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Mittwoch, 28. Februar 2018

Leben und leben lassen


In den letzten Wochen habe ich mal wieder etwas weniger gepostet. Liegt unter anderem daran, dass ich mal wieder für ein paar Klausuren lernen muss und daher auch nicht so viel Zeit habe. In der vergangenen Woche ist aber mal wieder ein Thema in aller Munde, worüber auch ich mich hier einmal auslassen möchte.
Es geht um einen Artikel, der im Zeit Magazin erschienen ist. Darin geht es um den weltbekannten DJ Felix Jaehn. Dieser hat sich nun öffentlich zu seiner Bisexualität bekannt. Ein Statement, welches sich in der LGBT-Szene natürlich verbreitet wie ein Lauffeuer. Jede Internetseite, jedes Magazin berichtet nun über dieses Outing. Der Musiker und Produzent Felix Jaehn ist mal wieder in aller Munde.
Warum er sich gerade jetzt zu seiner Bisexualität bekennt, sei mal dahin gestellt. Einige böse Zungen werden vermutlich sagen, dass es mit der Veröffentlichung seines Debutalbums I zu tun hat und er so größere Verkaufszahlen, mehr Downloads bzw. häufigere Streams damit erreicht. Ein so erfolgreicher Musiker wie Felix Jaehn, der innerhalb kürzester Zeit weltbekannt geworden ist, hat es aber eigentlich nicht nötig sich durch klatsch und tratsch wieder zum Gesprächsthema zu machen. Letztlich spricht eben die Musik für seinen erfolg und dieses Handwerk beherrscht der junge Mann wirklich gut. Selbst ich, der lieber Lieder aus dem Genre Pop/Rock oder auch mal Metall hört, kann bei den Liedern von Felix Jaehn nicht still sitzen. Ja, es macht sogar richtig spass sich diese Songs anzuhören und gerade jetzt, wo ich so einige Songs von diesem Ausnahmekünstler kenne, habe ich auch irgendwie bock mir ein Konzert von ihm anzuschauen und seine Show live mitzuerleben.

"Ich träume davon, den Menschen zu finden, mit dem ich mein Leben teilen möchte"
- Felix Jaehn


Aber genug der Schleimerei. Warum ich diesen Artikel eigentlich verfasse ist, dass endlich auch mal eine prominente Persönlichkeit zu ihrer Bisexualität steht. Diese Gesellschaft besteht eben nicht nur aus homo- und heterosexuellen Menschen. Im Gegenteil. Es gibt sogar sehr viele unterschiedliche Sexualitäten, genauso wie es unzählig viele verschiedene Charakteren und Eigenarten von Menschen gibt. Die Menschheit sieht nur oft nicht die Vielfalt unserer Gesellschaft. Selbst in der LGBT-Szene, in der man doch eigentlich davon ausgehen kann, dass man sich mit Ehre und Respekt begegnet und keinen Menschen ausgrenzt, gibt es leider auch eine Form der Ausgrenzung. Gerade Bisexuelle sind davon häufig betroffen, weil sich viele Schwule oder Lesben sich nicht vorstellen können, dass man sowohl auf das männliche, als auch auf das weibliche Geschlecht steht.
Ein Outing als Bisexueller ist also gleich doppelt schwierig, da sowohl ein Teil der heterosexuellen Bevölkerung, als auch ein Teil der homosexuellen Bevölkerung einen nicht versteht und lieber Ausgrenzt. Das Outing von Felix Jaehn als Bisexueller lässt uns also nicht nur ein weiteres Mal erkennen, dass Schwule und Lesben mitten unter uns leben, sondern auch, dass es Bisexuelle gibt. Und wer weiß, vielleicht wird auch eines Tages eine berühmte Persönlichkeit an die Öffentlichkeit treten und sich zu seiner/ihrer Transsexualität stehen, wovon früher noch keiner wusste.
Ich persönlich bin auf jeden Fall sehr sehr dankbar, dass Felix Jaehn nun den Schritt gegangen ist und sich öffentlich geoutet hat. Damit zeigt er uns allen, Homo- wie Heterosexuellen, dass unsere Gesellschaft eben nicht nur schwarz oder weiß ist, sondern wie ein Regenbogen viele verschiedene Farben hat.
Ich hoffe, dass der Traum von Felix Jaehn eines Tages in Erfüllung geht. Dass er eines Tages neben der Person aufwacht, mit der er sein Leben verbringen möchte. Es ist nämlich eines der schönsten Dinge im Leben. Und vielleicht wird es dann auch gar nicht mehr so einen großen Presserummel geben, weil es doch eigentlich egal ist, mit wem wir unser leben verbringen möchten. Die Hauptsache ist doch, dass wir glücklich sind.
Am Ende sollten wir uns eben alle als eine Gemeinschaft sehen, in der viele unterschiedliche Persönlichkeiten leben. Niemand sollte erfahren müssen, wie es ist, wenn man ausgegrenzt und verachtet wird. Wir sollten alle viel öfter nach der Devise handeln: 'Leben und leben lassen.'

Mittwoch, 7. Februar 2018

Die Vielfalt unserer Gesellschaft

In der vergangenen Woche habe ich viel darüber nachgedacht, was ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe. Beziehungsweise, was ich eigentlich schreiben wollte. Was wollte ich überhaupt aussagen? Und ist mir das eigentlich auch gelungen? Oder bin ich am Ende des Beitrags doch irgendwo anders gelandet, als ich eigentlich wollte?
Zudem kommt noch ein Artikel, den ich im Internet gelesen habe und ein Kommentar eines Kollegen/Bekannten, der mich letztlich dazu bewegt, dass ich mich hier noch einmal zu dem entsprechenden Vorfall äußern möchte.

Wie jeder sicherlich hier nachlesen kann, ging es in meinem letzten Post um meine Lieblingsserie Doctor Who. Und im speziellen um den Hauptcharakter, welcher jedem Lebewesen bzw. jeder Lebensform mit Ehre und Respekt begegnet. Genau das ist der Punkt, an dem die Menschheit immer und immer wieder scheitert. Es gibt einfach Menschen, die es nicht ertragen können, dass andere vielleicht glücklicher sind, als sie selbst. Es gibt Menschen, die nicht glauben können, dass andere vielleicht anders empfinden, als sie selbst. Es gibt Menschen, die glauben, es gibt nur Gut und Böse, doch letztlich ist es immer eine Frage der Perspektive. Von der falschen Seite des Bestecks, kann die Nahrungsaufnahme auch als Mord gedeutet werden.

Aber lasst mich doch einfach von vorne beginnen, dann versteht ihr vielleicht auch, warum ich mich so darüber aufrege und hier meine Meinung dazu äußern möchte.
Am Wochenende war ich mit meinem Freund auf einem Geburtstag eingeladen. War auch soweit nichts besonderes. Unsere Freunde wissen schließlich, dass wir zusammen sind. Doch manche müssen eben dennoch den ein oder anderen blöden Kommentar dazu abgeben. Was eigentlich auch nicht wirklich schlimm ist, die Standardsprüche kennt man schließlich. Aber manches ist einfach auch wieder zu viel.
Nun habe ich selbst den Kommentar des Bekannten nicht so wirklich mitbekommen, aber mein Freund hat mich am Tag danach, darauf angesprochen. Als wir auf der Feier ankommen, gab es da wohl den Kommentar, dass die Kinder-Ficker nun auch da sein. Da wir nun auch zu fünf Leuten dort gleichzeitig ankamen, kann ich natürlich nicht zu 100% sagen, dass dieser Kommentar meinem Freund und mir galt, aber den diversen Klischees zu urteilen, glaube ich das schon.
Allerdings besteht in diesem Kausalzusammenhang ein kleines Problem. Erstens sind mein Freund und ich nur schwul. Zweitens: Wenn wir vögeln, dann ohne Kinder. Und drittens stehen wir beide weder auf Zwölfjährige, noch auf Kinder jüngeren Alters. Oder kurz gesagt: Wir können gar nicht pädophil sein, weil wir kein sexuelles Interesse an Kindern haben. Dafür müssten wir beide nämlich auf Mädchen und/oder Jungs bis zu einem Alter von 12 Jahren stehen. Danach fängt nämlich die Pubertät an und das Kind entwickelt sich weiter bis hin zum Erwachsenen. Es ist also vollkommener Schwachsinn, dass Schwule gleichzeitig auch immer Pädophil sein müssen.
Und wenn man als 13,14,15 oder 16 jähriger Junge dann rein zufällig auf den süßen Blonden zwei oder drei Stufen unter einem steht, dann hat das ebenso wenig mit Pädophilie zu tun. Es gehört nunmal dazu, dass man auf Leute im selben Alter steht. Aber auch zu dem Thema Pädophilie habe ich hier schonmal etwas geschrieben. Wer mag, kann sich den Artikel ja auch gerne nochmal durchlesen.

Kämen wir nun also zu Punkt zwei, der mich in der letzten Woche so aufgeregt hat. Der Artikel stammt von der Internetseite queer.de und trägt den Titel: "Erzbistum lädt Lesben und Schwule zum Treue-Kurs"
Allein schon bei diesem Titel verspüre ich ein innerliches Verlangen danach, nun endlich aus der Kirche auszutreten. Als ob nur homosexuelle Paare untreu sein würden. Wie viel Klischee kann es denn bitte noch sein.
Natürlich handelt es sich hier mal wieder um die katholische Kirche, welche homosexuelle Paare und Singles zu einem Seminar einlädt, bei dem es um Liebe und Monogamie gehen soll.
Nun ist es ja so, dass die Kirche durchaus schon ein paar Tage alt ist, und ich verstehe auch, wenn es da den ein oder anderen gibt, der in seinen Denkmustern noch etwas rückständig ist, aber das Thema Liebe und Monogamie sollte nicht nur für Homosexuelle gehalten werden. Es gibt nämlich wahrhaftig viele heterosexuelle Männer und Frauen, die nicht nur einen Partner haben oder die auch schon einmal Fremdgegangen sind. Was ist denn mit diesen Leuten? Werden die einfach aus der Kirche verbannt? Und werden Homosexuelle von der Kirche nicht auch eher mit Füßen getreten? Was soll also diese homofreundliche Schiene? Laufen euch die Anhänger weg?

Aber eigentlich ist mir das alles auch irgendwie egal. Ich bin nunmal ein gläubiger Mensch, aber ich lasse mich eben nicht von irgendeiner Institution beeinflussen. Jeder hat doch letztlich das recht ein glückliches und gesundes Leben zu führen. Dabei ist es doch egal ob schwarz, weiß, blond, braun, homo, hetero, bi, pan oder was auch immer es da alles geben mag. Wir sind über 7 Milliarden Menschen auf der Erde und eben so viele unterschiedlich Persönlichkeiten gibt es. Letztlich sind wir also ein riesiger Haufen von Vielfalt. Und genau diese Vielfalt macht unsere Gesellschaft so besonders.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Was wäre wenn?

In den vergangenen Monaten wurde eine neue Staffel meiner Lieblingsserie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Wie es für mich als waschechter Nerd dieser Serie gehört, habe ich mir natürlich jede einzelne Folge angeschaut. Ja, ich habe mir die Staffel sogar direkt auf iTunes gekauft, um jede Folge mindestens zwei Mal zu sehen. Teilweise habe ich die Folgen sogar dreimal gesehen, weil meine Familie auch diese Serie mag. Und jaaa, ich bin wirklich verrückt nach dieser Serie. Ich glaube sogar, dass ich der verrückteste aus der Familie bin.

Aber warum ist das eigentlich so? Was ist so besonders an dieser Serie? Um welche Serie handelt es sich überhaupt? Was hat das mit dieser Überschrift zu tun? Und warum schreibst du in deinem Blog darüber?

Fangen wir einfach mal mit der leichtesten Frage an. Vielleicht wird dann auch dem ein oder anderen klar, warum ich diese Serie so mag. Es handelt sich nämlich um die Serie Doctor Who.
Doctor Who ist eine Science-Fiction Serie der BBC, welche ihre Erstausstrahlung im Jahre 1963 feierte und somit auch die am längsten laufende Science-Fiction Serie der Welt ist. Wer mir nicht glauben mag, der schaue doch bitte im Guinessbuch der Rekorde nach. Da steht die Serie nämlich drin. Nicht jede Serie kann schließlich in diesem Jahr ihr 55 jähriges Bestehen feiern und ich Hoffe, dass es am 23. November diesen Jahres wieder ein Spezial geben wird.
Doctor Who handelt von einem mysteriösen Zeitreisenden namens 'Der Doctor', der mit seinen Begleitern durch Raum und Zeit reist und dabei in diverse Abenteuer verwickelt wird.
Das interessante und spannende daran ist, dass der Doctor eben auch bei geschichtlichen Ereignissen wie dem Ausbruch des Vesuv, oder der Mondlandung, oder der Krönung der Königin Elizabeth II. dabei ist und seine Abenteuer erlebt. Auf die weise schaut man also nicht nur irgend eine Science-Fiction Serie, sondern lernt ab und zu auch noch etwas über große, geschichtliche Ereignisse der Menschheit.
In Großbritannien hat die Serie Doctor Who schon lange ihren Kultstatus erreicht. Vor fünf Jahren, als das Spezial zum 50. Jubiläum ausgestrahlt wurde, saßen gut ein Drittel der britischen Bevölkerung vor dem Fernsehen und sahen sich das Spezial an.

Aber was ist denn nun das Besondere an der Serie?

Schon seit langem zeichnet sich die Serie dadurch aus, dass man eben auch einen Blick auf die Minderheiten in unserer Bevölkerung wirft. Dass man eben auch den Unerwünschten in unserer Bevölkerung eine Stimme verleiht - und den Verstoßenen. Die Serie zeigt einem nunmal, dass es nicht nur EINE Norm gibt, nach der sich doch bitte ALLE Menschen richten sollen, sondern dass eine unglaubliche Vielfalt auf der Erde herrscht. Und im gesamten Universum natürlich auch.
Der Doctor zeigt uns, dass es eben nicht nur die Menschheit auf dem Planeten Erde gibt, sondern, dass es 7 Milliarden Menschen auf der Erde gibt. Dass es 7 Milliarden unterschiedliche Persönlichkeiten gibt. Und sie alle leisten ihren Beitrag zu dem, was wir letztlich Menschheit nennen.
Der Doctor zeigt uns, dass der Mensch eben nicht blond, blauäugig, muskulös, heller Hauttyp, heterosexuell und etwa 1,80 m groß sein muss. Der Doctor zeigt uns, dass alleine der Hauttyp schon unendlich viele Nuancen haben kann. Dazu kommen unendlich viele Nuancen der Haar- und Augenfarbe. Nicht jeder Mensch muss super muskulös sein. Nich jeder Mensch muss heterosexuell sein. Es gibt einfach eine unglaubliche Vielfalt und letztlich lehrt uns der Doctor, dass man jedem Lebewesen, denn der Doctor trifft auch auf außerirdische Lebensformen, immer mit Ehre und Respekt gegenübertreten sollte.
Wenn man all das verinnerlicht hat, wenn man jedes Lebewesen als das akzeptiert, was es ist und man ihm mit Ehre und Respekt begegnet, dann ist Doctor Who nicht nur irgendeine Serie, sondern eine Lebenseinstellung, eine Religion.

Als der Doctor in der Zehnten Staffel von seiner neuen Begleiterin Bill Potts erfährt, dass sie auf Frauen steht, da begegnet er ihr nicht mit Ablehnung oder Verabscheuung, sondern akzeptiert das und behandelt sie wie jeden anderen Menschen auch.
Und vielleicht ist genau das auch der Punkt, warum diese Serie unter Schwulen und Lesben so bekannt ist. Weil dort ein Mann ist, der jeden so akzeptiert, wie er ist. Weil da jemand ist, bei dem man so sein kann, wie man ist und sich nicht verstecken muss.

Was wäre, wenn wir also so handeln würden wie der Doctor? Wenn wir jeden Menschen so akzeptieren würden, wie er ist. Wenn wir den nächsten Flüchtling nicht als Schmarotzer sehen, sondern als Vertriebenen aus dem eigenen Land, der hier einen Neustart versucht. Wenn wir die nächste dickere Person nicht als fettes Schwein titulieren, sondern den Menschen dahinter betrachten, der vielleicht aufgrund einer Lebensmittelunverträglichkeit so dick ist, oder weil er vielleicht enorm viel in sich rein stopft, weil er voller Ängste und Sorgen steckt und niemand ihm zur Seite steht. Wenn wir das nächste homosexuelle Pärchen sehen und es eben nicht als Abschaum der Gesellschaft betrachten, sondern die beiden Menschen dahinter, die glücklich sind einander gefunden zu haben.
Wenn wir alle so handeln würden. Wenn wir jeden Menschen so akzeptieren würden, wie er ist. Wenn jeder Respekt vor der Biographie des Anderen hätte, dann wäre die Welt ein stück weit besser geworden.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Ein Leben - eine Geschichte

Jaja, immer diese Neujahrsvorsätze. Man nimmt sich etwas vor und um die Weihnachtszeit des vergangenen Jahres ist man noch frohen Mutes und glaubt noch, dass das kommende Jahr das eigene wird. Das Jahr, bei dem man endlich schafft, was man sich so alles vorgenommen hat. Die Klassiker sind natürlich mehr auf die Ernährung zu achten, mehr Sport zu treiben, mehr Zeit mit Freunden, Familie und co. zu verbringen usw. usw.
Auch ich habe mir dieses Jahr ein paar Vorsätze gefasst, die ich teilweise aber auch schon im Dezember begonnen habe. Warum soll ich schließlich warten, dass sich die Jahreszahl ändert, wenn ich doch auch genau so gut jetzt und hier mit der Veränderung beginnen kann.
Doch manchmal ist all dies eben garnicht so leicht. Ein Neujahrsvorsatz ist für mich eben diesen Blog noch einmal aufleben zu lassen. Ich möchte eben noch einmal diesen Blog dazu nutzen meine Gedanken, meine  Gefühle, ja, einfach mein Leben ein wenig näher zu erläutern.
Nun habe ich mich das letzte Mal vor etwa zwei Jahren hier bei euch gemeldet. Und das auch irgendwie nur etwas halbherzig. In gewisser Weise hatte ich das Gefühl alles gesagt zu haben. Ich hatte das Gefühl nichts mehr berichten zu können. All meine Ideen zu möglichen Blogbeiträgen stammten von irgend einem anderen Blog bzw. einer anderen Webseite. Warum sollte es die Leute dann also gerade auf meinen Blog treiben?

In gewisser Weise hatte ich vor zwei Jahren eine Schreibblockade. Ich wusste einfach nicht, worüber ich noch so berichten konnte. Und sowohl diesen Blog, als auch mich um mein Studium, meine Freunde, meine Familie und co. zu kümmern hat irgendwie nicht so recht zusammen passen wollen. Groß geändert hat sich an der Situation letztlich auch nichts. Eigentlich habe ich also immer noch eine Schreibblockade. Und dennoch füllt sich diese Seite mit Wörtern.
Warum? Weil ich ein Leben habe. Jeden Morgen wenn ich aufstehe und da raus in die Welt gehe, passieren mir Dinge. Manchmal komme ich zu früh zu einem Termin, manchmal auch zu spät. Ich gehe auf Konzerte, Musicals und andere Events. Mal feiere ich hier, das andere Mal auch dort. Doch eines haben alle gemeinsam: Ich begegne Menschen.
Menschen, die mich mit offenen Armen begrüßen und genau wissen wer ich bin und mich auch so akzeptieren und respektieren. Menschen, die sich immer wieder freuen mich zu sehen, aber am Ende doch irgendwie eine falsche Vorstellung von meinem Leben haben. Menschen, denen ich begegne, die vollkommen überrascht sind, das ich schwul bin. Menschen, die gar keine Ahnung haben wie es ist schwul zu sein. Menschen, die keine Ahnung haben, welche Auswirkungen manche Aussagen bewirken.
Auch jetzt an Weihnachten hatte ich so ein Erlebnis, was mich letztlich doch dazu bewegt hier öfters etwas zu schreiben. Ein Erlebnis, welches mir auch nochmal zeigte, wie wenig die Heten-Welt da draußen eigentlich über die LGBT-Szene weiß. Ein Erlebnis, bei dem das Wissen über LGBT-Menschen sich eher auf Vorurteile und Klischees bezogen hat. Ein Erlebnis, was mir selbst noch einmal die Augen geöffnet hat. Ein Erlebnis welches zeigt, wie wichtig Aufklärung eigentlich ist.

Und so kommt es dann auch, dass ich diesen Blog noch einmal aufleben lasse. Ein Blog, bei dem ich mein eigenes Leben und meine eigenen Erfahrungen der Öffentlichkeit preisgeben möchte. Jeder von uns hat ein Leben und am Ende des Tages sind wir immer um ein paar Erfahrungen reicher. Warum sollte man diese nicht mit der Welt teilen? Warum schreibt nicht jeder von uns am Ende seines Lebens eine Biographie? Warum sollte ich meine Lebensgeschichte verheimlichen?

Mittwoch, 3. Januar 2018

Neues Jahr, Neues Glück

Und da bin ich auch schon wieder. ich habe mich ziemlich genau zwei Jahre hier nicht mehr gemeldet. Doch in den vergangenen Tagen und Wochen juckt es mich doch ein wenig in den Fingern diesen Blog noch einmal aufleben zu lassen.
Ursprünglich habe ich mir gedacht einen neuen Blog zu starten, doch gerade während der Weihnachtsfeiertage ist mir doch klar geworden, dass sich dieser Blog doch recht gut eignet. Es passt einfach irgendwie zusammen. Thematisch wird sich dieser Blog vielleicht ein wenig mehr spezialisieren, aber nach meiner kürzlich gemachten Erfahrung ist dies glaube ich auch recht sinnvoll. Ich möchte in Zukunft einfach ein wenig mehr über meine eigenen Erfahrungen im Leben schreiben. Ich möchte den Leuten da draußen zeigen, wie ich mich teilweise fühle und was ich empfinde. Ich möchte Fragen beantworten, wie es denn ist als schwuler in dieser Welt zu leben. Wo gibt es positive Seiten, wo eher negative. Ab wann ist eine Aussage eigentlich homophob? Wissen manche eigentlich wie homophob manche Dinge klingen?

Wie gut, dass wir nun das Jahr 2018 schreiben. So kann es nämlich als eine Art Neujahrsvorsatz gesehen werden, dass ich mich wieder verstärkt um diesen Blog kümmern werde.
Wer weiß vielleicht werden am Ende diesen Jahres mehr Besucher auf diesem Blog sein.
Vielleicht fühlt sich auch der ein oder andere angesprochen und denkt über sein Verhalten nach.
Vielleicht kann der ein oder andere aber auch manche Situationen nachempfinden.
Und vielleicht ließt auch irgendwann jemand mal diesen Blog und erlangt irgendwie mehr Selbstbewusstsein, weil er merkt, dass er eben nicht alleine mit seinen Ängsten und Sorgen da draußen ist. 

Montag, 26. Oktober 2015

Wird Olympia 2024 in Hamburg stattfinden?

Auf die Plätze. Fertig. Los!
In den kommenden Wochen erhalten die rund 1,3 Mio. wahlberechtigten Bürger Hamburgs ihre Unterlagen, um über Olympische und Paralympische Spiele 2024 in unserer Hansestadt abzustimmen. Bis zum 29.11. geht das Referendum. Bis dahin müssen die Stimmen abgegeben sein. Aber was bedeutet Olympia? Warum bewirbt sich Hamburg für die Spiele 2024? Was macht Hamburg als Austragungsort so interessant? Und was macht unsere Bewerbung so einzigartig?

Seit knapp einem Jahr gibt es ein Thema über das jeder spricht. Zumindest hier in Hamburg. Was mit einer kleinen Schnapsidee begann ist nun in aller Munde. Es gab da eine Idee, einen Gedanken. Warum bewirbt sich Hamburg nicht für die Olympischen Spiele 2024? Was sagt die hamburger Bevölkerung dazu? Was meint Deutschland? Dank Facebook, Twitter und Co verbreitete sich dieser Gedanke schnell und fand auch Zustimmung. Aktionen wurden geplant und durchgeführt um ein Zeichen zu setzen, dass man für die Spiele 2024 in Hamburg ist.
In der Europa Passage wurde ein Miniatur-Stadion aufgebaut in das man eine Miniaturfigur setzen konnte. Dieses Stadion war so schnell voll, sodass es noch um einen weiteren Rang vergrößert werden musste.
Über Facebook wurde eine Veranstaltung erstellt, dass man sich an der Binnenalster trifft, um ein weiteres Zeichen für die Spiele 2024 in Hamburg zu setzen. Hierfür wurde extra ein Feuerwerk geplant, Fackeln wurden verteilt, die alle zu einem bestimmten Zeitpunkt entzündet wurden. Für diese Veranstaltung haben sich gut 7.000 Menschen auf Facebook gemeldet. An der Alster waren wir letztlich mit 20.000 und haben dabei sogar einen Weltrekord aufgestellt.
Das Hamburger Abendblatt hat sogar eine extra Kategorie eingeführt in der es ausschließlich um Olympia und die Bewerbung Hamburgs geht. An den einzelnen Universitäten werden Vortragsabende gehalten, in denen sich die Bürgerinnen und Bürger über die Bewerbung Hamburgs informieren können. Der Dialog mit den Bürgern ist eben mit das wichtigste.

Die Stimmung über die Olympischen Spiele in Hamburg ist also durchaus positiv. Aber es gibt eben auch immer Gegner. Leute, die dem ganzen Vorhaben eher skeptisch gegenüber treten, die das Vorhaben hinterfragen. Und das ist ok, das ist gut. Nur so werden die Spiele zu etwas einmaligem. Wozu brauchen wir die olympischen Spiele in Hamburg? Was geschieht mit den Bauten nach Olympia? Werden sie weiterhin genutzt und wenn ja, wie? Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Was hat der normale hamburger Bürger von den Spielen 2024? Wozu ein solches Mammut-Projekt? Wie hoch werden die Kosten sein?
All dies sind wichtige und entscheidende Fragen, wenn es um die olympischen Spiele 2024 in Hamburg geht. In den vergangenen Jahrzehnten ging es oftmals darum mit wahren Wundern der Baukunst zu glänzen. Die Kosten für solche Bauwerke schossen in die Höhe. Nur damit alle Welt für ein paar Tage dieses Ereignis verfolgt. Über die Nachnutzung der Gebäude wurde nur selten bis gar nicht nachgedacht. Im Gegenteil. Die Austragungsorte rutschten teilweise in den finanziellen Ruin. Davor haben viele Angst, denn die Kosten bleiben letztlich auf uns Steuerzahlern liegen.
Ein wichtiger Punkt bei der Bewerbung ist daher auch der Dialog mit den Bürgern. Die Ängste und Sorgen der Bürger müssen wahrgenommen werden. Man muss die Leute über den aktuellen Stand informieren und zwar so, dass es jeder Laie verstehen kann. Und es hilft. Man plant das Olympia-Gelände nicht einfach irgendwie, sondern so, dass die Gebäude auch für später genutzt werden können. So soll beispielsweise die Sporthalle später für ein weiteres Cruise Center umgebaut werden. Die Schwimmhalle soll später als Schwimm- und Freizeitbad dienen soll. Oder auch das Leichtathletikstadion, welches sich in ein Wohngebäude verwandeln soll.

Es gibt inzwischen sogar schon einige ehemals Olympia-Gegner, welche durch die Bewerbung Hamburgs und der damit verbundenen Planung ins grübeln kommen und sich eventuell bis zum 29.11. doch für die Spiele 2024 in Hamburg entscheiden werden.
Jetzt, wo die Planung immer konkreter wird melden sich auch immer mehr Prominente zu Wort und loben die Bewerbung unserer geliebten Hansestadt. Nichts scheint dem Zufall überlassen zu sein. Nicht nur Olympia allein wird geplant, nein sogar die Nachnutzung der Gebäude.

Die gesamte Planung und erläuternden Texten sind in einer 84-Seiten-Broschüre zusammengefasst und an vielen Stellen der Stadt erhältlich. Wer weiter weg wohnt kann sich das PDF herunterladen.
Wer mehr über die aktuellen Geschehnisse der Olympia-Bewerbung erfahren will kann das hier tun.

Donnerstag, 17. September 2015

K wie Kinder I ABC eines Schwulen


 Es ist eines der wenigen Wunder, die man als Mensch miterleben darf. Manchmal fragt man sich, wie so etwas überhaupt sein kann. Wie ist das möglich? Aus einer einzelnen Eizelle entsteht ein ganzer Mensch. Gerade einmal 9 Monate sind dazu nötig.
Aber damit nicht genug, denn die Schwangerschaft war nur zum warm werden. Nach der Geburt fängt es erst richtig an. Denn nun muss man immer ein Auge auf die Kinder werfen. Man muss sie füttern und wickeln. Wenn sie anfangen zu schreien, gehen sofort die Alarmglocken an. Denn niemand möchte, dass es dem eigenen Kind schlecht geht. Und so sucht man verzweifelt nach einer Lösung, warum das eigene Kind so am schreien ist. Mal hat es hunger. Ein anderes mal, will es einfach nur auf den Arm genommen werden. Doch am schlimmsten ist es, wenn das Kind schmerzen hat. Beispielsweise wenn es die ersten Zähnchen bekommt.
Doch all der Stress, die Wut und die Sorgen sind vergessen, wenn man diesem jungen Geschöpf in die Augen sieht. Wenn man dieses wunderschöne Lächeln sieht und man anhand der Reaktion erkennt wie sehr sich das eigene Kind doch gerade freut. Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn ein Säugling nach der Hand greift und es mit seinen eigenen kleinen Patschhändchen gerade einmal schafft den kleinen Finger zu umschließen.

Kinder zu bekommen, oder besser gesagt Kinder zu haben, dass war auch ein Traum von mir. Lange Zeit habe ich mir meine Zukunft immer so ausgemalt, dass ich eine Frau und Kinder habe. Dass ich ein Haus besitze und ein Auto. Dass ich einen Job habe der mir Freude bereitet und ich genug Geld verdiene.
Aber wie gesagt, es war ein Traum. Ein Traum, der sich wohl nie bewahrheiten wird. Der wie eine Seifenblase in der Luft zerplatzte. Vom einen in den anderen Moment war alles anders. Als würde eine Welt zusammenbrechen.
Der Grund: Mein inneres Coming Out. Ich hatte endlich selbst den Mut und die Erkenntnis mir einzugestehen, dass ich schwul bin. Plötzlich wurde mir klar, dass ich eben nicht zu all den Menschen gehöre die auf das andere Geschlecht stehe. Mir wurde klar, dass mein ganzes bisherige Leben aus einer einzigen Lüge bestand. Alles beruhte nämlich auf der Tatsache, dass ich hetero sei.

Inzwischen hat sich aber alles wieder etwas gelegt. Ein Traum mag zerplatzt sein, aber wer sagt, dass man nicht auch einen anderen Traum haben darf. Eine Welt ging für mich unter, doch gleichzeitig entstand eine Andere, eine schönere Welt. Eine Welt in der es egal ist ob du homo oder hetero bist. Eine Welt, in der es kein Unterschied macht, ob du dich nun als Mann oder als Frau fühlst. Eine Welt, in der das Außergewöhnliche als Bereicherung gesehen wird und nicht als Schande.
Ebenso wie mir wird es wohl auch manch anderen das Coming Out erstmal getroffen haben. Man muss selbst erstmal lernen damit umzugehen. Man muss sich selbst erstmal mit dem Thema auseinandersetzen. Homosexualität ist nunmal ein Tabuthema, wozu sich viele nicht gerne äußern.
In den letzten Jahren hat sich aber auch einiges positiv für LGBT-Menschen entwickelt. Das darf man nie vergessen. Aber gleichgeschlechtlichen Paaren ist es auch heute noch untersagt ein Kind wie ein heterosexuelles Paar zu adoptieren. Dabei gibt es diverse Statistiken und Gutachten, welche keinen Nachteil zeigen, wenn ein Kind bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwächst. Und dennoch wehren sich viele gegen die die vollkommene Gleichstellung von homo und hetero Paaren. Auch unser Gesetzgeber, der einiges bewirken könnte.

Montag, 7. September 2015

Mauern in unserem Kopf

Am 05. November ist es soweit. Der neue James Bond kommt in die Kinos. Zum vierten mal wird Daniel Craig als 007 auf der Leinwand zu sehen sein. Auch wenn dies im Vergleich nicht sonderlich lange ist, so wird dennoch darüber diskutiert, wer wohl der nächste Bond-Schauspieler sein könnte.

Jüngst hat sich das Bond-Urgestein Pierce Brosnan eingeschaltet. In einem Interview mit dem Männermagazin "Details" sagte er, er könne sich sehr wohl einen schwarzen oder auch einen schwulen Bond vorstellen. Allerdings glaube er, dass die Produzentin Barbara Broccoli einen schwulen Bond nicht auf die Leinwand lasse. Damit offenbarte Brosnan auch, wie festgefahren die Strukturen im Hollywood-Geschäft seien.
In diesem Zusammenhang begrüßte Brosnan die Entscheidung seiner Landsleute, die sich im Mai für die Gleichstellung der Homo-Ehen ausgesprochen hatten. "Genug des Schämens. Es ist ein großartiges Zeichen des zukunftsorientierten Denkens für eine Nation, die so von der Religion geschunden wurde."

Ob der nächste Bond nun schwarz oder schwul oder vielleicht beides wird, steht in den Sternen. Pierce Brosnan hatte jedenfalls den Rat: "Lassen Sie uns zunächst mit einem großartigen schwarzen Schauspieler als James Bond beginnen." Gemeint war damit Idris Elba, der schon seit einiger Zeit im Gespräch ist der neue 007 zu werden.
Die Bond-Kollegen scheinen das aber nicht so zu sehen. Roger Moore hatte in der Vergangenheit schon für einigen Wirbel gesorgt. Er sagte dem Blatt "Paris Match": Ein schwarzer Bond sei zwar eine 'interessante Idee', aber unrealistisch.
Ian Fleming, dem Autor des original Bonds zufolge, ist der Geheimagent der Sohn eines Schottischen Vaters und einer Schweizer Mutter. Seine frühe Kindheit verbrachte er demnach im Ausland. Mit elf Jahren verwaist, lebte er dann bei einer Tante im Südosten Englands und wurde später in Edinburgh ausgebildet.

Bedeutet das nun, dass James Bond weder schwarz noch schwul sein darf? Muss der Doppelnullagent wirklich von einem Engländer gespielt werden? Muss er tatsächlich europäisch aussehen? Wäre es wirklich so falsch unseren großartigen 007 als schwarzen darzustellen? Ist das so unrealistisch einen Schwarzen in England, Schottland oder Irland aufwachsen zu sehen? Und wenn wir schon bei unrealistisch sind, wie erklärt man die vielen verschiedenen Gesichter des James Bond?

Wir alle haben es mit Vorurteilen zu tun. Wir haben feste Meinungen und Weltbilder. Uns wird etwas gesagt und sofort entsteht ein Bild in unserem Kopf. Wir sehen einen Moslem und das erste an das wir denken ist Krieg, Terror und Zerstörung. Auch ich kann mich davon nicht freisprechen. Wir hören einen Namen und schon beginnen wir uns diese Person im Geiste vorzustellen.
James Bond zum Beispiel. Für ganze Generationen ist es ein weißer gutaussehender Mann, der schon diverse Damen an seiner Seite hatte. Er ist immer gut gekleidet, meist im schwarzen Anzug. Sein Lieblingsgetränk ist Martini, geschüttelt nicht gerührt. Er ist Geheimagent, im Dienste ihrer Majestät der Königin von England mit der Lizenz zu töten. Wenn der Name James Bond ertönt oder sein Kürzel 007, dann denken wir an Pierce Brosnan, Roger Moore oder Sean Connery. Die jüngeren wahrscheinlich eher an Daniel Craig, wobei dieser dem Bond-Image schon einen neuen schliff verpasst hat. Hier und da haben sich auch welche über diesen Imagewandel beschwert, aber letztlich wurde er doch als einer der Bonds anerkannt. Warum sollte er sonst nun zum vierten mal als 007 auf der Leinwand erscheinen?
Raphael Holzdeppe
Justin Gatlin
Aber gut das ist ein Beispiel, kann also auch eine Ausnahme sein. Aber ist es das, eine Ausnahme? An wen denken wir beispielsweise bei Thomas Müller, dem Durchschnittsdeutschen? Oder wie sieht es mit Raphael Holzdeppe, Justin Gatlin oder Mohamed Farah aus?
Mohamed Farah
Letztere sind alle drei schwarze. Sie sind bei der Leichtathletik-WM 2015 angetreten. Raphael Holzdeppe ist deutscher, Justin Gatlin ist Amerikaner und Mohamed Farah ist Brite. Wäre man diesen dreien auf der Straße begegnet, hätte wohl niemand mit solchen Namen oder gar diesen Nationalitäten gerechnet. Oder?


Montag, 31. August 2015

Ereignisse/Gemeinsamkeiten verbinden

Die Nachrichten sind voll davon. Jeden Tag hört, liest oder sieht man wie Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesteckt werden, wie neue Zeltplätze aufgebaut werden und es zu neuen Krawallen kommt. Inzwischen werden 800.000 Flüchtlinge bis zum Ende des Jahres hier in Deutschland erwartet. Niemand weiß wie man mit diesen Massen umgehen soll. Längst ist nicht mehr von einem Flüchtlingsstrom die Rede, sondern von einer Völkerwanderung.

Aber was geht mich das Ganze an? Warum soll ich ein Teil meiner geliebten Heimat opfern und diesen Flüchtlingen zur verfügung stellen? Warum sollen wir unsere Bedürfnisse zurückstellen? Was hab ich schon mit diesen Flüchtlingen zutun?

Die Zeiten, in denen in Deutschland Krieg, Tod und Zerstörung wüteten sind schon etwas länger her. Viele von uns haben den Krieg oder kriegsähnliche Zustände garnicht mitbekommen. So wie für mich beispielsweise. Ich kenne solche Situationen nur aus Geschichtsbüchern. Und meine Großeltern, die den zweiten Weltkrieg miterlebten, haben nie darüber gesprochen. Ich gehöre also zu denjenigen, die sich den Krieg und damit verbundenen Ängste, Sorgen und Leiden garnicht vorstellen kann.
Ob nun aber ein Besuch in einem Kriegsgebiet daran etwas ändern würde, kann ich mir nur schwer vorstellen. Ich werde nämlich nur ein Tourist sein. Ich werde nach ein oder zwei Wochen einfach sagen können: "Und jetzt geht es ab nach Hause." Ich werde mir also nie Gedanken darüber machen müssen, ob meine Eltern oder meine Geschwister noch leben. Ich werde mir nie die Frage stellen müssen, ob ich meine Wohnung am Mittag unversehrt vorfinden werde. Ich werde nie die Sorgen haben, ob ich überhaupt genug zu essen und zu trinken für die kommenden Tage haben werde. Ich werde also nie nachvollziehen können, wie sich ein Flüchtling fühlt. Jemand, der alles verloren hat und nun ein neues Leben in einem neuen Land beginnen möchte. Denn seines wird vom Krieg und Terror regiert. Ein Land, in dem es nicht mehr lebenswert ist.

Vor ein paar Wochen habe ich mir durch Zufall eine Doku auf YouTube angeschaut. Thema dieser Dokumentation ist der Krieg zwischen Ägypten und Israel im Juni 1967. Zu dieser Zeit ankerten 14 Schiffe aus unterschiedlichen Nationen im Bittersee. Sie waren dort gefangen. Eine Weiterfahrt durch den Suezkanal war nicht möglich.
Am 5. Juni 1967 brach ein 6-Tage-Krieg aus. Und die 14 Schiffe waren zwischen den Fronten gefangen. Sie waren wie ein paar Schaulustige, die das Kriegstreiben bewunderten. Teilweise fingen sie sogar an zu jubeln, wenn irgendwo auf dem Land wieder ein Gefecht zugange war. Nach einiger Zeit haben sich die unterschiedlichen Besatzungen sogar auf ihren Schiffen getroffen. Es war wie eine eigene kleine Nation, in der jeder willkommen war. egal welche Nationalität man nun hatte. Das Schicksal wollte es so, dass diese Menschen auf dem Bittersee gefangen waren und sie versuchten das Beste daraus zu machen. Der Krieg, der um sie herum passierte, war für die Schiffsbesatzungen nur ein Schauspiel. Jedenfalls bis zu dem Augenblick, an dem die ersten Leichen im Bittersee trieben und von den Matrosen geborgen wurden. Denn plötzlich wurde allen klar, in welcher Situation sie sich befanden.
Um sie herum herrschte Krieg und Zerstörung. Zwei Nationen kämpften gegeneinander. Tausende von Menschen ließen ihr Leben auf dem Schlachtfeld. Und auf dem Bittersee? Hier war es egal welche Nationalität man hatte. Im Gegenteil. Hier feierten sogar Menschen miteinander, die eigentlich feindlich gesinnt waren. Aber dieses Feind war erloschen, da diese Meinung nur auf irgendwelche Propagandareden beruhten.
"Simba, alles was du siehst lebt in einem empfindlichen Gleichgewicht zusammen. Als König musst du ein Gespühr dafür haben und alle Geschöpfe respektieren. Von der winzigen Ameise bis hin zur graziösen Antilope."
- Mufasa aus "Der König der Löwen" 

Das Ereignis bzw. die Gemeinsamkeit auf dem Bittersee gefangen zu sein, verband diese Männer. Anfangs waren bestimmt noch ein paar Berührungsängste, aber man konnte dem anderen eben nicht so leicht aus dem Weg gehen. Zudem schienen die Besatzungen auch Interesse daran zu haben den Nachbarn auf dem anderen Schiff kennen zu lernen. Sie alle steckten in der gleichen Situation und haben versucht das Beste daraus zu machen.

Aber es muss nicht immer nur Krieg und Zerstörung sein, die Menschen verbindet. Demnächst findet wieder das Festival "Burning Man" in Nevada statt. Es dauert insgesamt acht Tage und Endet traditionell am ersten Montag im September. Einerseits ist das Festival eine große Kunstausstellung, andererseits aber auch ein Ort intensiver Selbstdarstellung und natürlich eine große Party.
Auch hier ist es, wie bei so vielen Festivals, egal wo du herkommst oder wer du bist, die Hauptsache ist doch, dass man zusammen Spass hat. Es gibt da etwas, da ähneln sich unsere Interessen, da sind wir gleich. Da gibt es etwas, darüber können wir reden. Und je mehr Zeit wir miteinander verbringen, je mehr wir miteinander reden, je mehr wir uns kennenlernen, desto besser lernen wir uns auch kennen. Wir können viel leichter einschätzen, was den anderen bewegt. Wir wissen, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Irgendwann sehen wir nämlich nicht mehr den Syrer, den Araber, den Moslem, den Franzosen, den Italiener, den Deutschen usw. usw. Sondern wir sehen einen Bekannten, oder sogar einen Freund in unserem Gegenüber. Wir sehen einen Menschen, den ich kennenlernen durfte. Wir sehen jemanden, der das kostbarste mit uns Teilte, dass er/sie hat. Jemanden, der uns ein Teil seiner Zeit und seiner Aufmerksamkeit schenkte.
Anstatt einfach Menschen nach ihrem Äußeren oder nach ihrer Herkunft zu verurteilen sollten wir vielleicht erst überlegen, was diese Menschen schon alles erleben mussten. Wir sollten viel mehr Respekt vor der Biografie der Anderen haben. Wir sollten auf solche Menschen zugehen, anstatt sie auszuschließen. Wir können nämlich nur von der Erfahrung der anderen profitieren.

Donnerstag, 27. August 2015

H wie Homophobie I ABC eines Schwulen

Homophobie. Was ist das eigentlich?

Homo ist eine Gattung der Menschenaffen in der Klasse der Säugetiere. Am bekanntesten ist wohl der Homo Sapiens. Ihn treffen wir täglich auf der Straße, im Einkaufszentrum, im Büro und natürlich auch in freier Wildbahn. Homo, dass ist lateinisch und bedeutet Mensch.

Was eine Phobie ist, werden viele wissen. Es ist eine Angststörung. Meist handelt es sich bei Phobien um eine übertriebene unspezifische Angst oder konkrete Furcht vor einem Objekt oder einer bestimmten Situation.

Bedeutet Homophobie also, dass ich Angst vor Menschen habe? Also in gewisser weise auch vor mir selbst? Denn bisher wissen wir nur vom Leben auf der Erde. Wenn ich also den Wocheneinkauf mache oder Tanken fahre, dann begegne ich immer Menschen. Vor denen ich eigentlich eine panische Angst haben müsste.
Wenn Homophobie nun also die Angst vor Menschen ist und ich keine Panikattacke bekomme, wenn ich meine eigenen vier Wände verlasse. Dann muss es Außerirdisches Leben geben. Irgendwo muss also ein Volk siedeln, welches genauso aussieht wie die Menschen von der Erde. Wobei mir da nur eine Rasse / eine Gattung einfällt: Timelords. (oder Raxacoricofallapatorianer. Aber die müssten einen Reißverschluss auf der Stirn haben, also eher unwahrscheinlich.)
Ich brauchte zwei drei Minuten um außerirdisches Leben auf der Erde zu beweisen. Die NASA ist heute noch auf der Suche. Manches befindet sich einfach direkt vor der Nase.

Nun gut, jetzt mal Butter bei die Fische. Was ist Homophobie?
Zunächst einmal muss eine Phobie keine Angststörung sein. Sozialwissenschaftlich und umgangssprachlich kann es auch eine Abneigung bzw. eine Aversion gegen bestimmte Menschen, Handlungen, Dingen oder Situationen und Erinnerungen sein. In diesem Fall würde eine Aversion gegen bestimmte Menschen passen. Homo ist hier nämlich nicht die lat. Übersetzung für Mensch, sondern gemeint ist die Homosexualität. Homophobie bezeichnet also eine Aversion, eine Abneigung gegen Schwule und Lesben.
Homophones Verhalten steht dabei in engem Zusammenhang zur Transphobie, da viele Homosexualität mit der Abweichung geschlechtstypischer Verhaltens- und Ausdrucksweisen zu erkennen glauben.
Wer Schwule und Lesben kennt, der weiß, dass das so leicht nicht möglich ist. Man kann nicht einfach so durch die Straßen ziehen und sagen: " Der ist schwul. Und der ist Schwul. Und dahinten steht ne Lesbe..." Denn bevor man sieht, dass jemand schwul, lesbisch oder trans ist, hat man sich selbst entschieden diesen Weg zu gehen. Man hat selbst für sich entschieden, dass man sich nicht mehr vor anderen verstecken möchte. Man hat selbst entschieden, dass man zu sich selbst stehen möchte und dies auch öffentlich kund tun will. Und wenn die Verwandlung bei Trans-Menschen beendet ist, erkennt man auch nicht mehr, dass sie früher einmal ein anderes Geschlecht hatten.

Homophobie oder besser gesagt homophobes Verhalten kann also auch die falschen Leute treffen. Schwule zeichnet eben nicht aus, dass sie besonders gut auf ihr Äußeres wert legen oder mit einer Handtasche durch die Gegend ziehen oder sich schminken. Ebenso zeichnen sich Lesben dadurch aus, dass besonders muskulös und durchtrainiert sind oder sich gerne prügeln. Schwul oder lesbisch zu sein bedeutet nicht mehr als dass man auf das gleiche Geschlecht steht und sich in dieses verliebt.
Wer nun also in der nächsten Zeit plant angebliche Schwule, Lesben oder Trans-Menschen niederzuschlagen, der sollte sich vorher drei Dinge überlegen.

  1. Ist die Person die ich verprügeln will überhaupt homo- oder transsexuell?
  2. Was hat diese Person mir eigentlich angetan?
  3. Warum verprügele ich Menschen, die sich lieben?


Donnerstag, 20. August 2015

G wie Gleichberechtigung I ABC eines Schwulen

Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich.
Alle haben ein Recht auf Bildung.
Jeder darf seine Religion frei wählen.
Niemand darf benachteiligt werden.
Das Ziel ist die Gleichheit.
Die Gleichberechtigung aller.

Soweit jedenfalls die Theorie. Die Realität sieht hier und da schon anders aus. Was auf dem Papier geschrieben steht, muss noch lange nicht so umgesetzt werden. "Wir sind, was wir sagen", den Spruch habe ich noch nie gehört. Jedoch kennt wohl jeder den Satz: "Wir sind, was wir tun."
Aber was hat das Ganze nun mit dem Thema Gleichberechtigung zu tun? Was ist Gleichberechtigung? Sind wir alle gleichberechtigt? Oder ist es vielleicht nur ein Ideal, was man anzustreben sollte?

Gleichberechtigung ist ein immer währendes Thema. Es ist ein Dauerbrenner. Man kann immer und überall stundenlange Diskussionen darüber führen. Auch ich habe mich über Tage hinweg damit auseinandergesetzt. Habe mir immer wieder die Frage gestellt: Was ist Gleichberechtigung? In dem Zusammenhang kam auch immer wieder der Gedanke: Sind wir alle gleich? Und können wir es überhaupt allen Recht machen?

Eines ist klar: Niemand sollte aufgrund seiner Abstammung, seiner Hautfarbe, seiner ethnischen Herkunft, seiner Religion, seines Geschlechts oder der sexuellen Orientierung diskriminiert oder ausgegrenzt werden. Jeder einzelne von uns sollte ohne Vorurteile auf andere Menschen zugehen und diese erstmal kennenlernen bevor man ein Urteil fällt. Keiner von uns hat es schließlich verdient als Bombenleger, Terrorist, Kinderficker, Nazi oder sonst was bettituliert zu werden.
Gleichberechtigung bedeutet aber auch, dass man sich untereinander mehr wertschätzt. Dass die Kollegin das gleiche Gehalt für ihre Arbeit bekommt wie ich als Mann. Es bedeutet, dass jeder die Chance verdient eine gute Karriere zu machen. Es bedeutet, dass jeder die Chance auf eine gute Ausbildung haben sollte, dass Jeder ein Studium seiner Wahl machen kann. Egal ob man nun aus reichem Elternhaus stammt oder jeden Cent zwei drei mal umdrehen muss.
Gleichberechtigung bedeutet, dass jeder dazu in der Lage ist alles zu erreichen. Jeder von uns hat somit die gleichen Rechte. Was dabei aber oft vergessen wird ist, dass man immer auch seine Pflichten erledigen muss. Niemand wird gute Schulnoten erhalten, wenn er sich nicht mit den jeweiligen Themen auseinandersetzt. Niemand wird einen gut bezahlten Job erhalten, wenn man keine vernünftige Schulausbildung hat. Niemand kann erwarten ein einflussreicher Mensch zu sein, wenn man nie etwas arbeitet.
Wir sind, was wir tun. Wenn wir uns nur ein wenig anstrengen, dann können wir alles mögliche erreichen. Vom Tellerwäscher über einen einfachen Büroangestellten bis hin zur Leitung eines ganzen Firmenimperiums wird uns nichts verwehrt bleiben.
So sollte Gleichberechtigung sein. So sieht das anzustrebende Ideal aus. Aber es gibt etwas, was diesem Ideal schadet: Wir sind nicht gleich. Wir alle sehen unterschiedlich aus. Auch Zwillinge, Drillinge oder Vierlinge. Zudem haben wir alle einen anderen Charakter, der uns zudem einzigartig macht. Vollkommen identisch und gleich werden wir also nie sein. Bei rund 7 Milliarden Menschen auf der Erde wird man auch immer jemanden finden, dem man es nicht recht machen kann. Dafür sind wir einfach viel zu viele. Aber anstatt bei jedem Unterschied immer nur etwas schlechtes zu sehen ist letztlich auch falsch. Jeder Mensch ist schließlich ein Unikat. Jeder einzelne von uns macht die Menschheit zu einer großen abwechslungsreichen bunten Masse.
Um mehr Gleichberechtigung zu erlangen sollten wir viel öfter die Menschheit als solches sehen, anstatt immer nur den Araber, den Asiaten, den Europäer. den Amerikaner, den Juden, den Moslem, den Katholik oder sonst irgend eine Unterteilung vorzunehmen.

Montag, 10. August 2015

Neue Flüchtlingswelle

Hunderte. Nein, sogar Tausende flüchten täglich. Sie alle haben ein Ziel: Raus aus der Heimat. Sie wollen nicht unterdrückt werden. Sie wollen weg vom Krieg, vom Terror. Sie wollen ein neues, besseres Leben führen. Das Geschäft der Schleuser boomt. Beliebte Ziele sind vor allem Deutschland und Schweden, aber auch Großbritannien gehört dazu.

Wenn ich hier über eine neue Flüchtlingswelle informiere, so wird dies wohl wenige überraschen. Meist wurde schon auf diversen anderen Websites und Blogs darüber berichtet und in den Nachrichten wurde auch schon lang und breit darüber geredet.
Das Thema Flüchtlinge hat inzwischen aber auch in meinem Alltag nun sehr viel Raum eingenommen, was mich dazu bewogen hat diesen Artikel zu schreiben.

Haben wir nicht langsam mal genug von diesem Pack aufgenommen?
Ach diese Scheiß Kanaken sollen in ihrem eigenen Land bleiben.
Die sollte man allesamt verbrennen.
Flüchtlinge sind die, die hier herkommen, dem Staat auf der Tasche sitzen und keinen bock haben zu arbeiten.

Solche Hasstiraden kennt wohl jeder. Der Hass auf Flüchtlinge steigt immer weiter an. Längst wurden schon die ersten Flüchtlingsheime attackiert und in Brand gesteckt. Aber stimmt es überhaupt, was man über die Flüchtlinge so hört? Sind alle Flüchtlinge gleich? Hängen wirklich alle Flüchtlinge dem Staat auf der Tasche? Kommen die wirklich nur, weil hier das Leben so angenehm ist? Ist es die Flucht wert? Was bewegt einen Menschen eigentlich dazu die eigene Heimat zu verlassen und dabei alles zurück zu lassen?

Wir Menschen neigen dazu alles zu verallgemeinern. Wenn wir an Ausländer denken, dann sind dies oft diejenigen, welche auf Bahnhöfen alte, wehrlose Menschen niederprügelnd. Wir denken an Menschen, die hierher ausgewandert sind und keinen Job haben. Wir denken an all die Menschen, die nichts anderes im Kopf haben als Party und Randale zu machen.
Woran wir aber nie denken, sind auch diejenigen, die sich erfolgreich integriert haben. Wir denken nicht an den Professor an der Uni. Wir denken auch nicht an den Versicherungsvertreter von nebenan. Wir denken nicht an all die Kiosk-Besitzer. Wir denken auch nicht an den Bus- oder Taxifahrer. Denn all diese Leute haben sich in die Gesellschaft integriert. Sie alle haben einen Job. Sie alle verdienen ihr eigenes Geld. Ob sie nun geflüchtet sind? Man weiß es nicht. Vielleicht sind es auch ganz normale Auswanderer, die sich hier ein neues, besseres Leben aufbauen wollten.
Aber das wollen Flüchtlinge auch. Ein neues, besseres Leben. Einige von ihnen haben sich bestimmt schwer getan die eigene Heimat zurückzulassen. Aber was ist das für ein Leben, wenn man jeden Tag um das Überleben kämpfen muss. Wenn der Tag von Krieg und Terror regiert wird. Wenn jeden Moment der nächste Angriff beginnen kann. Wenn jeden Augenblick die nächste Detonation folgen kann.

Wenn man das nächste Mal an einem Zeltlager vorbeikommt sollte man vielleicht erstmal darüber nachdenken, ob man diesen Menschen vielleicht nicht sogar unrecht tut. Diese Menschen haben sich dazu entschieden ihre Heimat zu verlassen. Ihre gewohnte Umgebung aufgegeben, weil man dort nicht länger leben kann. Sie flüchten in Länder deren Sprache sie nicht einmal können. Sie flüchten in eine ungewisse Zukunft, weil alles besser ist als die eigene Heimat. Sie nehmen es sogar in kauf während der Flucht zu sterben.
Wer dazu bereit ist, der muss schon einiges erlebt haben. Dem muss es egal sein, ob er nun lebt oder tot ist. Alles was solchen Menschen noch wichtig erscheint, ist die Tatsache, dem Krieg und dem Terror im eigenen Land zu entkommen.
Wenn in den nächsten Tagen, Wochen und Monate also wieder eine Flüchtlingswelle nach Deutschland kommt, dann sollten wir uns vorher überlegen, was wir sagen. Heutzutage können sich nämlich nur noch wenige an den Krieg und deren Folgen erinnern. Wir wissen also gar nicht, wie sich diese Flüchtlinge eigentlich fühlen oder was diese alles erlebt haben.



Montag, 3. August 2015

Was ist Liebe?



Der Sommer ist da! Freibäder haben geöffnet. Die Strände füllen sich wieder. Jeder zeigt was er hat. Jeder möchte braun werden. Nochmal richtig Sonne tanken. Häuser und ganze Wohnsiedlungen scheinen an einem sommerlichen Tag wie ausgestorben zu sein. Jeder scheint irgendwo das kühle Nass zu suchen.
Natürlich trifft man dabei auch auf die ein oder anderen Paare. Manche haben sich erst vor kurzem kennengelernt. Andere kennen sich schon Jahre lang. Manche tragen den Partner auf Händen. Andere haben schon die erste große Krise hinter sich und sind trotzdem noch zusammen. Sie lieben sich trotzdem noch. Aber was ist Liebe eigentlich? Was macht Liebe aus? Wozu lieben wir? Was macht die eine große Liebe so besonders? Warum ist die große Liebe so selten geworden?

Was ist Liebe?
Ein sehr philosophisches Thema. Eine Frage, die so leicht gar nicht zu beantworten ist. Auch ich habe mir über Tage und Wochen Gedanken dazu gemacht. Es ist ein Thema welches mir am Herzen liegt. Hier und da habe ich nämlich immer wieder das Gefühl, dass die Worte: "Ich liebe dich" falsch gedeutet werden.

"Ah! Die Liebe. Ein grausamer Fehler - und doch so furchtbar leicht zu entzweien."
- Davy Jones, Pirates of the Caribbean 3 

Kaum wird über das Thema Liebe gesprochen, schon kommen die ersten Sexwitze. Und damit nicht genug. Innerhalb von Sekunden ist das Niveau am Boden angekommen. Jedenfalls wenn Männern unter sich sind. Hier scheint es nur die Gleichung Liebe = Sex zu geben.
Aber auch in anderen Bevölkerungsgruppen scheint sich diese Gleichung durchgesetzt zu haben. Vor allem bei Menschen, die sich nicht auskennen und nur versuchen möglichst viele Ängste zu schüren.
Ich bekomme das immer wieder mit, wenn es um gleichgeschlechtlich Liebende geht. Kaum sollen auch sogenannte LGBTI im Schulunterricht behandelt werden, schon heißt es, dass die Kinder demnächst lernen, was man von einer Prostituierten alles erwarten kann.
Ebenso das Thema Homo-Ehe. Sobald gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürften, sei die Ehe nichts mehr wert. Die Ehe zwischen Geschwistern, sowie von drei oder mehr Personen würde somit ins Leben gerufen.
All dies ist natürlich vollkommener Humbug. Den Schülern soll lediglich vermittelt werden, dass sie sich nicht zwangsläufig in das andere Geschlecht verlieben müssen. Es gibt sogar Schulen, die schon das Thema sexuelle Vielfalt mit im Unterricht behandeln und dort weder übermäßig viele Schwulen und Lesben gibt, noch dass Sex Thema Nummer 1 im Unterricht sei.

Aber was ist Liebe nun genau? Was bedeutet es "Ich liebe dich" zu sagen?

Das Gefühl verliebt zu sein wird wohl jeder kennen. Die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Dieses einmalige, unbeschreibliche Gefühl, wenn einem das Herz höher schlägt. Einen Menschen zu lieben ist doch ein wunderschönes Gefühl. Ein Mensch an seiner Seite zu haben. Jemanden, der einen beschützt, bei dem man sich sicher fühlt.

Ich liebe dich. Es sind die wohl schönsten Worte die man hören kann. 
Ich liebe dich. Drei Worte, die alles verändern können.
Ich liebe dich. Und alles scheint vergessen.
"Denn Liebe ist keine Emotion. Liebe ist ein versprechen. 
Er wird ihr niemals etwas antun."


- The Doctor, Doctor Who (S8 E12)

Einen Menschen zu lieben bedeutet nicht nur, dass man Zeit mit ihm verbringen will. Es bedeutet auch nicht, dass der Sex unglaublich gut ist und man gerne mehr hätte. Hinter den drei Worten steckt sehr viel mehr.
Ich liebe dich bedeutet auch, dass man einem Menschen vertraut. Dass man jede Entscheidung mit ihm trägt. Dass man mit diesem Menschen durch dick und dünn geht, komme was da wolle. Auch der größte Streit und die dunkelsten Stunden im Leben hält man zusammen. Man ist immer füreinander da. Denn Liebe ist keine Emotion. Liebe ist ein versprechen. Das Versprechen immer füreinander da zu sein. In guten wie in schlechten Tagen.

Donnerstag, 23. Juli 2015

C wie CSD I ABC eines Schwulen

Der Christopher Street Day (CSD) ist nicht nur einer der Attraktionen, sondern auch einer der wohl bekanntesten aus dem LGBT-Bereich. Der CSD (international auch Pride genannt) vereint Festtag, Gedenktag und Demonstrationstag. Gefeiert und demonstriert wird für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.

Der CSD geht zurück auf das Jahr 1969. In den frühen Morgenstunden des 28. Juni fand in der Bar Stonewall Inn, eine bekannte Szenenkneipe, der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Szenenkneipen . Am 28. Juni 1969 kam das Fass dann zum überlaufen. Aus dem Stonewall-Aufstand wurden Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei. Diesen wurden in der New Yorker Christopher Street im Stadtteil Greenwich Village ausgetragen.
Dieses war der erste bekanntgewordene Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür.

In fast jeder größeren Stadt in Deutschland gibt es heute einen CSD. Die Paraden und Demonstrationen währenddessen stellen mittlerweile ähnliche Attraktionen dar wie beispielsweise die Karnevalsumzüge oder die wesentlich neueren Technoparaden.
Inzwischen hat auch das feiern des CSD immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Beteiligten zeigen oft demonstrativ, dass sie stolz auf sich, ihr Leben und ihre sexuelle Identität sind. Neben der eigentlichen Parade und den diversen Kundgebungen haben sich so in verschiednen Städten ein- oder mehrtägige Straßenfeste gebildet.

Ist das noch im Sinne des CSD? Demonstrieren wir tatsächlich noch für Gleichberechtigung? Sind wir vielleicht schon gleichgestellt? Wozu dient der CSD überhaupt noch? Brauchen wir ihn oder eher nicht? Was ist aus dem Stonewall-Aufstand nur geworden?

Ich habe nun schon den ein oder anderen CSD mitbekommen. Hier und da habe ich auch Kommentare von anderen mitreisenden gelauscht. Diese hatten aber eher einen informativen Charakter mit der Botschaft: "Es ist wieder CSD." Man kann also durchaus sagen, dass wir LGBTI auf uns aufmerksam gemacht haben. Nun gibt es aber auch Menschen, die das Ganze auf die Spitze treiben, wo auch ich sagen muss, dass es zu weit geht. Beispielsweise wenn mir ein Mann mit einem hauch von Nichts entgegen kommt. Es gibt einfach bestimmte Kleidungsstücke, die haben in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Leider nehmen sich manche dennoch das Recht raus damit auf den CSD zu gehen, was der Community natürlich schadet.
Es sind eben diese Menschen die bei einem CSD so auffallen. Wer sich aber tatsächlich eine Meinung zur LGBTI-Szene machen möchte, der muss alle Menschen auf dem CSD betrachten. Sie alle gehören nämlich irgendwie dazu. Sie alle sind lesbisch, schwul, trans oder bi. Sie alle fallen in der Gesellschaft aber nicht auf. Es ist wie ein ganz normales Straßenfest, mit dem einzigen Unterschied, dass sich hier auch zwei Männer oder zwei Frauen küssen dürfen. Bisher ist es wohl der einzige Ort an dem dies geschehen kann ohne die Blicke auf sich zu ziehen oder sich dumme Sprüche anhören zu müssen. Es ist aber auch die Zeit in der erste Kontakte in die Szene geknüpft werden können. Für jemanden der sich gerade im Coming Out befindet kann dies eine gute Stütze sein. Am CSD wird eben deutlich, dass auch wir nur Menschen sind, die im Alltag gar nicht auffallen.
Seit dem Stonewall-Aufstand hat sich einiges getan. Homosexualität gilt nicht mehr als Krankheit. Uns wurden immer mehr Rechte zugesprochen. Aber die vollständige Gleichstellung haben wir noch lange nicht erreicht. Weder in der Politik noch in der Gesellschaft. Auch heute noch gibt es Diskriminierungen und Ausgrenzung und das nicht nur auf verbale Art.

Auch in Zukunft werden wir den CSD brauchen. Politisch gesehen könnten wir eines Tages gleichgestellt sein. Aber in der Gesellschaft wird es immer Gegner geben. Der CSD hilft dabei auf uns LGBTIs aufmerksam zu machen und erleichtert auch die Kontaktaufnahme in die Szene.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass man nicht so sehr die Extreme begutachtet und anhand dieser seine Meinung bildet. Man sollte öfters auch mal das große Ganze betrachten. Dann stellt man fest, dass die Extreme nur einen kleinen Prozentsatz ausmachen. Die meisten auf dem CSD fallen im Alltag nämlich gar nicht auf.

Donnerstag, 9. Juli 2015

A wie Angst I ABC eines Schwulen

Seit längerem stelle ich fest, dass immer mehr Menschen ihr eigenes ABC posten. Nachdem ich mir das ein oder andere auch durchgelesen oder auf Youtube angeschaut habe, hatte ich die Idee auch eines zu machen.
Schon länger habe ich den Gedanken mit mir rumgetragen zweimal in der Woche einen Beitrag zu posten und nun weiß ich auch womit. So ein ABC kann man schließlich gut vorbereiten und man hat nicht all zu viel Stress, sodass ich mich auch weiterhin auf die Uni konzentrieren kann.
Bei 26 Buchstaben im Alphabet wären es also 26 Beiträge. Bei einem zusätzlichen Post in der Woche also 26 Wochen und somit schonmal ein halbes Jahr gefüllt.

Fangen wir also an mit Buchstabe A.
Für mich stand direkt fest, dass ich in diesem Beitrag das Thema Angst aufgreifen möchte. Angst hatten, haben und werden wir immer haben. Auch wenn jemand ganz cool tut und meint, dass er vor nichts und niemandem zurückschrecken wird. Er wird auch schonmal Angst gehabt haben. Angst ist nämlich ein Grundgefühl des Menschen. Etwas, was sich nicht so leicht abstellen lässt.


"Angst. Ein Gefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können erwartete Bedrohungen der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein."

Angst ist also vollkommen normal. Ohne diesen Instinkt würden wir heute wohl nicht mehr leben. Durch ihn können wir Gefahren erkennen und diesen aus dem weg gehen. Angst, dafür muss sich niemand schämen und dennoch tun wir es. Immer wieder wird uns vorgegaukelt, Angst sei eine schwäche.
Ein kleines Beispiel dazu:
Gehen wir davon aus ein Gruppe von Menschen müsste eine Hängebrücke überqueren. Wie es die Situation will, die Brücke hängt nun schon länger dort und scheint auch reparaturbedürftig zu sein. Natürlich gibt es in jeder Gruppe mindestens einen der sich super toll fühlt und den Anderen zeigen möchte, dass die Brücke auch weiterhin dort hängen wird. Ohne groß zu überlegen macht er sich also auf die Brücke. Wie jede Hängebrücke bewegt sich auch diese hin und her. Sie macht ein paar Geräusche aber alles scheint in Ordnung zu sein.
Ich hingegen fühle mich nicht ganz wohl bei der Geschichte und bleibe erstmal auf festem Boden. Mein Instinkt sagt mir, dass an der Brücke irgendetwas faul ist. Ich habe ein komisches Gefühl im Bauch. Ich habe angst diese Brücke zu benutzen.
Inzwischen haben sich auch schon ein paar andere auf die Brücke getraut. Alles scheint in Ordnung zu sein. Bis plötzlich eines der Bretter unter dem Gewicht der ersten Person zerbricht. Demjenigen, der scheinbar keine Angst hat. Alles ist in heller Aufregung. Das Adrenalin schießt durch den Körper.  Er kann sich aber noch halten. Schnell kommen ihm ein paar andere zu Hilfe. Zum Glück ist nichts weiter passiert.
Meine Angst war also durchaus berechtigt. Es war keine Schwäche, wie es manch einer gerne sagt. Ich wollte eben kein Risiko eingehen. Wer weiß schon was sonst noch alles hätte passieren können.

Wer ein paar meiner Beiträge kennt, weiß, dass auch ich mich mit Ängsten und sorgen rumgeschlagen habe und es auch heute teilweise noch tue.
Meine größte Angst war dabei wohl die schwul zu sein. Ich wollte nicht jemand sein, auf den man herab sieht. Ich wollte nicht als etwas abgestempelt werden, was ich vielleicht gar nicht war. Zudem gab es nur eine Szenenkneipe in der Umgebung, sodass auch der Kontakt zu anderen LGBTI kaum bis gar nicht vorhanden war. Ebenso sah sich die Schule nicht in der Pflicht einen Aufklärungsunterricht zu diesem Thema abzuhalten. Somit konnte sich auch auf diesem Schulhof schwul als Schimpfwort #1 etablieren.
Mir als betroffener hat dies natürlich nicht geholfen. Ich habe mich über Jahre hinweg mit den Ängsten herumschlagen müssen eventuell schwul zu sein. Die Folgen: Ich habe mich immer weiter zurückgezogen. Meine schulischen Leistungen ließen nach. Bis ich nur noch vor mich hin vegetierte.

Aus heutiger Sicht bedauere ich es, dass ich nicht schon früher zu meiner Homosexualität gestanden habe. Manchmal beschleicht mich das Gefühl etwas verpasst zu haben, weil die Angst in mir die Macht hatte und nicht ich. Heute kenne ich wer weiß wie viele LGBTI und bei allen hätte ich nie erwartet, dass die schwul, lesbisch, bi oder Trans sein könnten. Vorurteile stimmen eben nur selten. Aber eben diese machen es einem unter anderem so schwer. Ich glaube wenn LGBTIs in der Gesellschaft und der Politik mehr Anerkennung ernten, dann würden auch mehr Menschen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen. Zugleich können so Vorurteile abgebaut werden und auch die ein oder anderen Berührungsängste.

Montag, 1. Juni 2015

Homo-Ehe? Nein, danke! - Ehe bleibt Ehe

Es ist nun gut ein Woche her, da hat Irland über die sogenannte Homo-Ehe per Volksentscheid abgestimmt. Das Ergebnis ist überwältigend. 62,1% der Iren haben für die Homo-Ehe gestimmt und dass obwohl Irland erzkonservativ ist. Mit einem solchen Ergebnis hätte wohl niemand gerechnet. Irland hat Geschichte geschrieben. Es zeigt das Glaube und Toleranz sich nicht ausschließen. Zudem ist es ein Meilenstein für die LGBT-Community. Seit Jahren kämpfen Schwule, Lesben und Transsexuelle für Gleichberechtigung, auch bei der Ehe.

Aber was bedeutet Ehe eigentlich? Ist es nicht ein überholtes Modell? Lassen sich nicht tausende wieder scheiden, weil sie feststellen, dass es doch nicht die Liebe fürs Leben war? Warum will man überhaupt einen Menschen heiraten? Reicht es nicht mit einem Menschen glücklich zusammen zu leben?

Wo man in der letzten Woche auch hinschaute, überall wurde über die Homo-Ehe geredet. Es schien als würde keine Diskussionsrunde ohne dieses eine Thema auskommen. Ob diese Debatten nun etwas gebracht haben wird sich zeigen. Die Gegner der Homo-Ehe haben natürlich ihre Bedenken, aber auch diese mussten Zugeben, dass die Homo-Ehe in den nächsten Jahren eingeführt werde. Fragt sich nur wann.

"Ehe. Ein Begriff aus dem althochdeutschen für Ewigkeit, Recht, Gesetz. Es bezeichnet eine durch Naturrecht, Gesellschaftsrecht und Religionslehre begründete Verbindung zweier Menschen. Traditionell wird die Ehe als dauerhafte Verbindung zwischen Mann und Frau verstanden. Die Bedeutung ist jedoch stark von den gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen abhängig und hat sich im Zuge der menschlichen Entwicklung stark verändert."

Noch nie zuvor gab es so viele Single-Haushalte wie heute. Scheinbar möchte sich kaum noch jemand binden. Alle wollen frei und unabhängig sein. Partnerschaften scheint es kaum noch zu geben, geschweige denn von der Liebe fürs Leben. Es gibt zwar immer noch Menschen welche heiraten und den Bund fürs leben eingehen, wenn es aber mal nicht so nach Plan läuft und die Liebe erlischt, lässt man sich einfach wieder scheiden. Die Ehe ist ein überholtes Modell. Warum kämpfen dennoch LGBTI für die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern? Reicht die eingetragene Lebenspartnerschaft nicht aus?
In erster Linie geht es natürlich um die Gleichstellung. Nur weil man in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt bedeutet dies noch lange nicht, dass man die selben Rechte hat. Zwar wurden aus gegebenem Anlass ein paar Änderungen im Gesetzestext geändert, allerdings war dies auch nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Ganz nach dem Motto "Hier habt ihr wieder ein paar Rechte und seid im Gegenzug für die nächste Zeit wieder still." Gleichstellung sieht aber anders aus.
Allein schon dass der Begriff Homo-Ehe eingeführt wurde ist doch ein Ding der Unmöglichkeit. Warum kann es nicht auch Ehe heißen wie bei heterosexuellen? Ist es nicht eines der wundervollsten Momente vorne am Altar zustehen mit dem Menschen, den man über alles liebt, mit dem man sein Leben verbringen möchte. Dieser eine Moment, an dem es heißt: "Willst du den hier anwesenden ... zu deinem rechtmäßigen Mann machen? Ihn lieben und ehren bis dass der Tod euch scheidet, so antworte mit Ja, ich will."
Eben diesen Moment scheinen viele zu übersehen. Ich heirate keinen Menschen, weil ich mir ein paar steuerliche Vorteile zu sichern. Nein, ich heirate, weil ich mir ein Leben ohne diesen Menschen nicht mehr vorstellen kann. Ich heirate, weil ich diesen einen Menschen über alles liebe und ehre. Ich heirate, weil ich meinem Partner zeigen will, dass ich immer zu ihm halten werde, in guten wie in schlechten Zeiten.

Die Homo-Ehe haben wir hier in Deutschland schon lange eingeführt. Sie ist besser bekannt unter dem Begriff der eingetragenen Lebenspartnerschaft. Wenn heutzutage jedoch Debatten über die Homo-Ehe geführt werden, so ist damit die Öffnung der traditionellen Ehe gemeint. Der Ehe wischen Mann und Frau. Letztlich geht es bei der Eheschließung doch um die Vereinigung zweier Menschen, welche sich lieben und ehren bis dass der Tod sie scheidet. Durch die Ehe wird eben dieses Bekenntnis vor Gott und der Gemeinde gemacht. Warum also sollte dies einigen Menschen verwehrt bleiben? Die Ehe bleibt doch die Ehe, das Bündnis zwischen zwei Menschen.

Montag, 25. Mai 2015

ESC 2015 - Building Bridges

Wir schreiben das Jahr 2014 - oder besser gesagt den 10. Mai 2014. An diesem Tag schaut alles auf die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Hier wurde der Eurovision Song Contest 2014 ausgetragen. An diesem Abend fand das Finale statt. Es standen 37 Kandidaten zur Auswahl. 26 haben es in das Finale geschafft.
Einer dieser Kandidaten ist Tom Neuwirth. Er hat immer vom Showbuisness geträumt. Vom Glitzer und Glamour - und von Kleidern. Er hat eine Kunstfigur erschaffen namens Conchita Wurst. Sie ist eine Drag Queen, die einen Bart trägt. Anfangs ist nicht ganz klar, ist es ein Mann in Frauenkleidern oder eine Frau, die einen Bart trägt. Doch eines ist sicher. Conchita Wurst geht für Österreich an den Start und kämpfte sich bis ins Finale des ESC 2014.
Noch nie zuvor mag ein Auftritt so sehr polarisiert haben wie der von Conchita Wurst. Sie sang das Lied "Raise like a Phoenix". Eine typische James-Bond-Ballade. Ein Song der nicht hätte besser gewählt werden können. Österreich hatte lange Zeit keinen Erfolg mehr beim ESC. Zeitweise ist das Land noch nicht einmal angetreten. Dies sollte sich nun ändern. Wie der Phönix, der aus seiner Asche wieder aufersteht.
Relativ schnell erlangte Österreich seine ersten Punkte. Die Top 10 zu erreichen war ein leichtes, sogar in den Top drei war man schnell angelangt. Es regnete immer wieder acht, zehn oder Zwölf Punkte. Nach der Hälfte der Punktevergabe hatte Österreich schon lange den ersten Platz erreicht. Auch die folgenden Punkte konnten an diesem Ergebnis nichts mehr ändern. Mit insgesamt 290 Punkten (Das viert beste Ergebnis in der Geschichte) holte Conchita Wurst den sieg nach Hause.

Conchita Wurst schrieb Geschichte. Nicht nur weil Österreich zum ersten mal seit 1966 wieder den ersten Platz beim ESC belegte, nein, Sie rückte auch die LGBT-Community näher ins Rampenlicht. Die ganzen Gender-Debatten wurden wieder neu angeheizt. Die Frage nach Gleichberechtigung von LGBTI's wurde wieder neu aufgerollt. Der Sieg von Conchita brachte nicht nur ihr den Erfolg, sondern half auch all den Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen, die für mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft kämpfen. Der ESC 2014 zeigte uns, dass die Welt vielleicht doch toleranter ist als wir manchmal annehmen.

Am vergangenen Samstag fand das Finale des Eurovision Song Contest 2015 in Wien statt. Überall auf der Welt verfolgte man den Contest. Zum 60. Jubiläum des ESC durfte zum ersten mal auch Australien einen Kandidaten an den Start bringen. Insgesamt 27 Nationen schafften es in das Finale. Die Sendung schaffte es sogar in die Guiness World Records als längste musikalische Sendung.
Auch an diesem Abend standen die möglichen Gewinner des ESC 2015 relativ schnell fest. Italien, Russland und Schweden kämpften um die ersten drei Plätze. Die beiden letzteren setzten sich jedoch ab und führten ein enges Kopf an Kopf rennen. Zeitweise sah es so aus, als ob Russland gewinnen würde, dann bekam Schweden aber immer wieder zwölf Punkte und siegte schließlich mit 365 Punkten. Zum sechsten mal hat nun Schweden den ESC gewonnen.

2014 ein beispielloser Sieg für Österreich und die LGBT-Community.
2015 nun der Rückschritt?

Wer das Finale und die Punktevergabe des ESC verfolgt hat weiß, dass die möglichen Gewinner schnell feststanden. Vor allem Russland und Schweden kassierten immer wieder viele Punkte ab. Letztlich ging es nur noch um eben diese beiden Länder. Die Wahl stand also zwischen einem homophoben Staat und einem Sänger, der durch seine homophoben Äußerungen aufgefallen war.

Aber bedeutet es wirklich ein Rückschritt für die Community? All die Hoffnungen, die Fortschritte, plötzlich verschwunden? Waren all die Debatten und Diskussionsrunden umsonst? Wir wollen toleriert und Akzeptiert werden, schaffen es aber noch nicht mal andere zu tolerieren?

Der ESC 2015 stand unter dem Motto Building Bridges. Er sollte eine Verbindung zwischen den einzelnen Ländern und Kulturen schaffen. Er sollte darauf aufmerksam machen wie vielseitig unsere Gesellschaft doch ist. Ganz Europa vereint in Wien.
Es existieren rund 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Jeder von denen hat andere Vorlieben. Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder hat das Recht seine Meinung zu äußern, auch wenn sie mir nicht passt. Meine eigene Meinung passt schließlich auch nicht jedem. Aber einen Menschen deswegen zu verurteilen? Einen Menschen, den ich nie kennengelernt habe einfach so in die "dislike" Schublade zu stecken? Zu sagen mit dir möchte ich nichts zu tun haben ist leicht, aber nehme ich dadurch nicht dem Menschen die Möglichkeit sich zu ändern? Seine Meinung zu revidieren? Bleibe ich dadurch nicht auf meinem eigenen Standpunkt stehen und zwinge meiner Umwelt meine Meinung auf? 7 Milliarden Menschen die eines Tages alle so sind wie ich, wäre das nicht ziemlich öde und Langweilig?

Building Bridges, das Motto des ESC 2015. Letztes Jahr sah man Regenbogenflaggen und auch dieses Jahr haben sich wieder einige raus getraut und haben ihre Individualität zum Ausdruck gebracht. Dieser verdienst gilt vor allem Conchita. Sie brachte den Mut auf und sang vor einem Millionen Publikum ihre Ballade. Sie zeigte den Menschen, wie unterschiedlich jeder einzelne sein kann. Mit ihrem Song sprach sie tausenden, wenn nicht sogar Millionen von Menschen aus dem Herzen und hat gewonnen.
Conchita Wurst kämpft für die Gleichberechtigung aller Menschen. Dank des ESC kommen viele unterschiedliche Kulturen zusammen. Alle befinden sich unter einem Dach. Die Brücken sind gebaut. Das Ergebnis des letzten Jahres zeigt die Welt ist doch toleranter als man manchmal glaubt. Jeder selbst muss seine Vorurteile beiseite räumen und selbst entscheiden, ob er diese Brücken auch überquert.