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Mittwoch, 28. Februar 2018

Leben und leben lassen


In den letzten Wochen habe ich mal wieder etwas weniger gepostet. Liegt unter anderem daran, dass ich mal wieder für ein paar Klausuren lernen muss und daher auch nicht so viel Zeit habe. In der vergangenen Woche ist aber mal wieder ein Thema in aller Munde, worüber auch ich mich hier einmal auslassen möchte.
Es geht um einen Artikel, der im Zeit Magazin erschienen ist. Darin geht es um den weltbekannten DJ Felix Jaehn. Dieser hat sich nun öffentlich zu seiner Bisexualität bekannt. Ein Statement, welches sich in der LGBT-Szene natürlich verbreitet wie ein Lauffeuer. Jede Internetseite, jedes Magazin berichtet nun über dieses Outing. Der Musiker und Produzent Felix Jaehn ist mal wieder in aller Munde.
Warum er sich gerade jetzt zu seiner Bisexualität bekennt, sei mal dahin gestellt. Einige böse Zungen werden vermutlich sagen, dass es mit der Veröffentlichung seines Debutalbums I zu tun hat und er so größere Verkaufszahlen, mehr Downloads bzw. häufigere Streams damit erreicht. Ein so erfolgreicher Musiker wie Felix Jaehn, der innerhalb kürzester Zeit weltbekannt geworden ist, hat es aber eigentlich nicht nötig sich durch klatsch und tratsch wieder zum Gesprächsthema zu machen. Letztlich spricht eben die Musik für seinen erfolg und dieses Handwerk beherrscht der junge Mann wirklich gut. Selbst ich, der lieber Lieder aus dem Genre Pop/Rock oder auch mal Metall hört, kann bei den Liedern von Felix Jaehn nicht still sitzen. Ja, es macht sogar richtig spass sich diese Songs anzuhören und gerade jetzt, wo ich so einige Songs von diesem Ausnahmekünstler kenne, habe ich auch irgendwie bock mir ein Konzert von ihm anzuschauen und seine Show live mitzuerleben.

"Ich träume davon, den Menschen zu finden, mit dem ich mein Leben teilen möchte"
- Felix Jaehn


Aber genug der Schleimerei. Warum ich diesen Artikel eigentlich verfasse ist, dass endlich auch mal eine prominente Persönlichkeit zu ihrer Bisexualität steht. Diese Gesellschaft besteht eben nicht nur aus homo- und heterosexuellen Menschen. Im Gegenteil. Es gibt sogar sehr viele unterschiedliche Sexualitäten, genauso wie es unzählig viele verschiedene Charakteren und Eigenarten von Menschen gibt. Die Menschheit sieht nur oft nicht die Vielfalt unserer Gesellschaft. Selbst in der LGBT-Szene, in der man doch eigentlich davon ausgehen kann, dass man sich mit Ehre und Respekt begegnet und keinen Menschen ausgrenzt, gibt es leider auch eine Form der Ausgrenzung. Gerade Bisexuelle sind davon häufig betroffen, weil sich viele Schwule oder Lesben sich nicht vorstellen können, dass man sowohl auf das männliche, als auch auf das weibliche Geschlecht steht.
Ein Outing als Bisexueller ist also gleich doppelt schwierig, da sowohl ein Teil der heterosexuellen Bevölkerung, als auch ein Teil der homosexuellen Bevölkerung einen nicht versteht und lieber Ausgrenzt. Das Outing von Felix Jaehn als Bisexueller lässt uns also nicht nur ein weiteres Mal erkennen, dass Schwule und Lesben mitten unter uns leben, sondern auch, dass es Bisexuelle gibt. Und wer weiß, vielleicht wird auch eines Tages eine berühmte Persönlichkeit an die Öffentlichkeit treten und sich zu seiner/ihrer Transsexualität stehen, wovon früher noch keiner wusste.
Ich persönlich bin auf jeden Fall sehr sehr dankbar, dass Felix Jaehn nun den Schritt gegangen ist und sich öffentlich geoutet hat. Damit zeigt er uns allen, Homo- wie Heterosexuellen, dass unsere Gesellschaft eben nicht nur schwarz oder weiß ist, sondern wie ein Regenbogen viele verschiedene Farben hat.
Ich hoffe, dass der Traum von Felix Jaehn eines Tages in Erfüllung geht. Dass er eines Tages neben der Person aufwacht, mit der er sein Leben verbringen möchte. Es ist nämlich eines der schönsten Dinge im Leben. Und vielleicht wird es dann auch gar nicht mehr so einen großen Presserummel geben, weil es doch eigentlich egal ist, mit wem wir unser leben verbringen möchten. Die Hauptsache ist doch, dass wir glücklich sind.
Am Ende sollten wir uns eben alle als eine Gemeinschaft sehen, in der viele unterschiedliche Persönlichkeiten leben. Niemand sollte erfahren müssen, wie es ist, wenn man ausgegrenzt und verachtet wird. Wir sollten alle viel öfter nach der Devise handeln: 'Leben und leben lassen.'

Mittwoch, 17. Januar 2018

Ein Satz - eine Aussage - eine Wirkung

Wie bereits in den vorigen Posts ist mir zwischen den Jahren sehr viel passiert, was ich gerne in diesem Blog niederschreiben möchte. So verhält es sich auch mit dem Inhalt dieses Beitrages. Es geht um eine Situation, die ich am Morgen des 24. Dezembers miterleben musste. Eine Situation, welche eigentlich nur aussagen sollte "pass auf dich auf", aber am Ende doch nur für Verunsicherung sorgte. Und das alles nur weil sich die Eltern Sorgen machen um ihr Kind.

Aber beginnen wir doch einfach von Vorne. Wie in jedem Jahr wird bei uns in der Familie der Weihnachtsbaum am 23. Dezember geschmückt. Früher haben noch die Engel geholfen, aber dafür sind wir wohl inzwischen alle etwas zu alt geworden. Oder auch zu viele. In den letzten Jahren wurde daraus nämlich eine kleine Vorweihnachtsfeier, bei der ein paar Nachbarn und Freunde mitfeiern und jeder darf natürlich den Baum schmücken.
Doch was wäre eine Feier ohne Alkohol. Natürlich kann man auch ohne feiern und sehr viel spaß haben. An dieser alljährlichen Baumschmückparty floss bislang aber immer Alkohol. So auch im Jahre 2017. Da man natürlich im besoffenen Kopf auch kein Auto fahren sollte, gab es auch ein paar Leute, die direkt über Nacht geblieben sind.
So kam es dann auch zu der Situation am Morgen des 24.12.2017. Mein kleiner Bruder hat gefragt, ob er seine Freunde nach Hause fahren könne. Eigentlich kein Problem, wenn da nicht der etwas feucht, fröhliche Abend gewesen wäre. Und so Antworteten meine Eltern eben nicht mit: "Ja, aber fahr vorsichtig.", sondern mit der Frage: "darfst du denn schon wieder fahren?"
Beide Sätze tragen letztlich die Aussage in sich "sei Vorsichtig, ich mache mir sorgen um dich." Rüberkommen tun sie aber auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Letztlich wurde mein kleiner Bruder durch die Frage nach seiner Fahrtüchtigkeit total verunsichert, was man auch an seinem Verhalten feststellen konnte. Die Frage impliziert nämlich nicht nur: "ich mache mir sorgen um dich", sondern auch: "ich traue dir in deinem Zustand nicht zu ein Auto zu führen." Genau um diese Aussage geht es letztlich, welche mich dazu bewegt diesen Beitrag zu schreiben.

Ich traue dir in deinem Zustand nicht zu ein Auto zu führen.
Eine Aussage, welche meine Eltern so wahrscheinlich garnicht beabsichtigt haben. Letztlich ist es nämlich ein enormer Vertrauensverlust. Wenn die eigenen Eltern einem nicht mehr zutrauen das Auto von A nach B zu fahren, obwohl man eigentlich total klar im Kopf ist. Natürlich ist am Morgen nach einem feucht, fröhlichen Abend noch Restalkohol im Blut. Oftmals sogar mehr als wir glauben. Ich weiß auch dass dadurch schon einige Unfälle geschehen sind, weil wir uns maßlos überschätzt haben. Doch ich kenne meinen kleinen Bruder. Ich habe ihn am Frühstückstisch erlebt und ich habe ihm diese Fahrt auch zugetraut. Er ist schließlich mein kleiner Bruder.
Eben weil er mein Bruder ist, mache ich mir auch ein wenig sorgen. Ich wohne nicht mehr bei meinen Eltern, wie er es tut. Ich bekomme also garnicht mehr alles mit, was dort alles vorfällt. Ich kann meinen Eltern garnicht mehr immer beratend zur Seite stehen. Ich kann meinen kleinen Bruder, und meine anderen Geschwister garnicht in Schutz nehmen, wenn es nötig ist. Denn was passiert mit einem Menschen, an den keiner mehr so richtig glaubt? Was passiert, wenn ein Mensch keinen Rückhalt erfährt? Was passiert mit einem, wenn die eigene Familie nicht mehr zu einem hält?

Ich kann verstehen, dass Eltern sich große Sorgen um die eigenen Kinder machen. Das ist okay. Das ist gut. Doch manchmal kann man sich eben auch zu viele Sorgen machen. Auch wenn es die Eltern nur gut meinen, können die Auswirkungen eben doch unangenehme Nebenwirkungen haben. Als Elternteil will man, dass das kleine Kind am liebsten immer zu Hause in den eigenen vier Wänden bleibt. Die Wahrheit ist aber, dass jeder Mensch irgendwann an einen Punkt kommt, wo er sein eigenes Leben führen möchte. Wo man einfach selbst da raus möchte und die Welt entdecken will.
Doch darauf muss man vorbereitet werden. Jeder Mensch lernt nach und nach wie er Dinge meistern kann. Jeder Mensch braucht einfach die Erfolgserlebnisse. Die ersten Worte, das erste Krabbeln, die ersten Schritte. Alles gehört dazu und die Eltern spielen da eben eine sehr sehr große Rolle. Wenn die Eltern einen damals nicht ermutigt hätten nach den ersten Schritten, noch weiter zu laufen, hätte man vermutlich nicht so viel Freude daran gehabt und das Ganze garnicht groß verfolgt, sondern mehr also notwendiges übel gesehen. Wenn man läuft kommt man schließlich schneller voran, als wenn man die ganze Zeit krabbelt.
Genau so verhält es sich wohl mit allem. Wenn uns keiner groß ermutigt etwas zu tun, dann sehen wir es nunmal als notwendiges Übel an. Als eine Sache, die für selbstverständlich gehalten wird. Letztlich fühlt es sich so an, als ob man den eigenen Eltern nichts recht machen kann. Ständig ist man der Buh-Mann. Immer hacken alle auf einem rum. Nie kann man es einem recht machen. Nicht mal den eigenen Eltern. Solche Situationen und Ereignisse können einem sehr an die Substanz gehen. Es nagt am Selbstvertrauen und am Selbstbewusstsein. Man selbst fällt nach einiger Zeit in ein tiefes, schwarzes Loch. Das Selbstwertgefühl sinkt immer weiter. Man hat keine Lust mehr überhaupt die Wohnung zu verlassen und man vereinsamt nach und nach.

Doch all das kann man verhindern. Denkt einfach ein wenig nach bevor ihr es aussprecht. Überlegt, was ihr aussagen wollt und entscheidet dann mit welchen Worten ihr es am Besten tun könnt. Natürlich gelingt das nicht immer. Gerade wenn man sauer auf jemanden ist und sich in rage geredet hat, fällt es sehr schwer. Im Normalfall kann man sich aber durchaus die Zeit nehmen und erst kurz überlegen, was man überhaupt aussagen möchte bzw. im Gespräch näher erläutern was man überhaupt gemeint hat.
Meinem kleinen Bruder hätte es bestimmt geholfen, wenn meine Eltern erstmal kurz nachgedacht hätten, was sie eigentlich aussagen wollten und mit welchen Worten. Der Satz: "Ja, aber fahr bitte vorsichtig." wäre in dieser Situation wohl passender gewesen. Er hätte nämlich ausgesagt: ja, wir trauen dir diese Fahrt zu. Und am Ende wäre das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein ein wenig gewachsen und stärker geworden. Manchmal sind es eben Kleinigkeiten, die eine ungeheure Wirkung haben.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Neues Jahr, Neues Glück

Und da bin ich auch schon wieder. ich habe mich ziemlich genau zwei Jahre hier nicht mehr gemeldet. Doch in den vergangenen Tagen und Wochen juckt es mich doch ein wenig in den Fingern diesen Blog noch einmal aufleben zu lassen.
Ursprünglich habe ich mir gedacht einen neuen Blog zu starten, doch gerade während der Weihnachtsfeiertage ist mir doch klar geworden, dass sich dieser Blog doch recht gut eignet. Es passt einfach irgendwie zusammen. Thematisch wird sich dieser Blog vielleicht ein wenig mehr spezialisieren, aber nach meiner kürzlich gemachten Erfahrung ist dies glaube ich auch recht sinnvoll. Ich möchte in Zukunft einfach ein wenig mehr über meine eigenen Erfahrungen im Leben schreiben. Ich möchte den Leuten da draußen zeigen, wie ich mich teilweise fühle und was ich empfinde. Ich möchte Fragen beantworten, wie es denn ist als schwuler in dieser Welt zu leben. Wo gibt es positive Seiten, wo eher negative. Ab wann ist eine Aussage eigentlich homophob? Wissen manche eigentlich wie homophob manche Dinge klingen?

Wie gut, dass wir nun das Jahr 2018 schreiben. So kann es nämlich als eine Art Neujahrsvorsatz gesehen werden, dass ich mich wieder verstärkt um diesen Blog kümmern werde.
Wer weiß vielleicht werden am Ende diesen Jahres mehr Besucher auf diesem Blog sein.
Vielleicht fühlt sich auch der ein oder andere angesprochen und denkt über sein Verhalten nach.
Vielleicht kann der ein oder andere aber auch manche Situationen nachempfinden.
Und vielleicht ließt auch irgendwann jemand mal diesen Blog und erlangt irgendwie mehr Selbstbewusstsein, weil er merkt, dass er eben nicht alleine mit seinen Ängsten und Sorgen da draußen ist. 

Donnerstag, 3. September 2015

I wie Infektionen I ABC eines Schwulen




HIV/Aids, Hepatitis A/B, Tripper, Chlamydien, Syphilis... die Liste an sexuell übertragbaren Infektionen (STI) scheint unendlich lang. Wer sich da sorgen über eine mögliche Ansteckung macht, kann schnell mal die Lust verlieren. Dazu gesellt sich die Angst vor dem Arztbesuch oder besser gesagt die Angst vor dem Testergebnis. Die Angst, dass das Ergebnis doch positiv sein könnte.
Aber warum habe wir diese Angst? Was lässt uns davor zurückweichen einen Test zu machen? Ist es die Angst bewusst mit einer Krankheit leben zu müssen? Sind es die möglichen Veränderungen in unserem Leben? Oder doch etwas anderes?

Eigentlich ist es ganz einfach. Man geht zum Arzt, lässt sich auf die verschiedenen STI's untersuchen und wartet auf das Testergebnis. Je nachdem ob dieses nun positiv oder negativ ausfällt, kann man weitere Schritte einleiten. Wobei ein negatives Resultat natürlich immer am Besten ist. Zudem sollte man nie unterschätzen: Je früher eine Krankheit bzw. eine Infektion erkannt wird, desto größer sind auch die Chancen einer vollständigen Genesung.
Und dennoch fürchten sich viele vor dem Gang zum Arzt. Die Angst vor dem Testergebnis scheint gigantisch zu sein. "Wenn man es mir nicht ansieht, kann ich auch nicht krank sein." So scheinen viele zu denken. Was auch nachvollziehbar ist, denn warum sollte ich mich Tag für Tag mit dem Gedanken rumschlagen, dass ich HIV oder andere STI's habe. Es ist doch immer gut gegangen.
Natürlich kann es bisher immer gut gegangen sein, aber was sagt meine Vergangenheit schon über meine Zukunft aus? Und wenn es schon immer gut ging, ist es dann nicht an der Zeit auch mal etwas schlechtes zu erleben?
Ich will hier niemandem irgendeine Infektion oder Krankheit wünschen, es hat schließlich niemand verdient. Aber ist es nicht so, dass wir die guten und schönen Dinge im Leben erst richtig wertschätzen, wenn wir auch die negativen Dinge einmal erlebt haben?

Mein erster Post auf diesem Blog befasst sich mit dem Thema Sterbehilfe. Zu diesem Zeitpunkt wieder ein aktuelles Thema, da sich eine krebskranke Frau dazu entschieden hatte am 01.11.2014 zu sterben. Dazu zog sie extra nach Oregon, da dort die aktive Sterbehilfe erlaubt ist.
Eine halbes Jahr zuvor habe ich selbst miterlebt, wie eine gute Bekannte an Krebs gestorben war. Sie hat immer und immer weiter gekämpft und hat schließlich ein halbes Jahr länger gelebt, als es die Ärzte vorhergesagt hatten. Eine erstaunliche Leistung wie ich finde.
Aber was hat dies nun mit dem Thema oben zu tun? Krebs und STI's haben nun nicht so viele Gemeinsamkeiten. Auf diese kommt es mir aber auch nicht an. Es ist der Fall an sich, der das ganze zusammenfügt. Die Bekannte, um die es sich hier dreht, hatte nämlich auch Angst zum Arzt zu gehen. Über Wochen und Monate hinweg hat sie sich über Knötchen am Hals beschwert. Die Angst, dass es Krebs oder etwas ähnliches sein könnte, war für sie wohl enorm groß. Durch Zureden und Mut machen hatte sie sich dann endlich dazu entschlossen zum Arzt zu gehen. Diagnose: Krebs, Metastasen im ganzen Körper. Die Entscheidung zu warten und zu hoffen, dass eventuell doch alles in Ordnung ist, war wohl falsch gewesen.
Vielleicht wäre sie heute noch am Leben. Vielleicht hätte sie den Krebs besiegen können. Man weiß es nicht. Ihr deshalb einen Vorwurf machen will und kann ich ihr nicht machen. Ich glaube nämlich, dass ich in der Situation ganz ähnlich reagiert hätte.
Dieser Vorfall regt aber auch zum nachdenken an. Vor allem, wenn man das Ganze live miterleben konnte. Der Besuch beim Arzt wird plötzlich in ein ganz anderes Licht gerückt. Das Testergebnis wird nicht mehr als mögliche Horror-Nachricht gesehen, sondern als Chance eine Krankheit zu erkennen und zu bekämpfen. Und wenn die Tests regelmäßig stattfinden, kann eine Infektion sogar frühzeitig behandelt werden. Die Denkweise hat sich also komplett geändert.
Liegt darin vielleicht die Angst? Dass man eben nicht mehr als gesunder Mensch gilt? Dass der Besuch beim Arzt automatisch eine Krankheit voraussetzen muss?

Donnerstag, 9. Juli 2015

A wie Angst I ABC eines Schwulen

Seit längerem stelle ich fest, dass immer mehr Menschen ihr eigenes ABC posten. Nachdem ich mir das ein oder andere auch durchgelesen oder auf Youtube angeschaut habe, hatte ich die Idee auch eines zu machen.
Schon länger habe ich den Gedanken mit mir rumgetragen zweimal in der Woche einen Beitrag zu posten und nun weiß ich auch womit. So ein ABC kann man schließlich gut vorbereiten und man hat nicht all zu viel Stress, sodass ich mich auch weiterhin auf die Uni konzentrieren kann.
Bei 26 Buchstaben im Alphabet wären es also 26 Beiträge. Bei einem zusätzlichen Post in der Woche also 26 Wochen und somit schonmal ein halbes Jahr gefüllt.

Fangen wir also an mit Buchstabe A.
Für mich stand direkt fest, dass ich in diesem Beitrag das Thema Angst aufgreifen möchte. Angst hatten, haben und werden wir immer haben. Auch wenn jemand ganz cool tut und meint, dass er vor nichts und niemandem zurückschrecken wird. Er wird auch schonmal Angst gehabt haben. Angst ist nämlich ein Grundgefühl des Menschen. Etwas, was sich nicht so leicht abstellen lässt.


"Angst. Ein Gefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können erwartete Bedrohungen der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein."

Angst ist also vollkommen normal. Ohne diesen Instinkt würden wir heute wohl nicht mehr leben. Durch ihn können wir Gefahren erkennen und diesen aus dem weg gehen. Angst, dafür muss sich niemand schämen und dennoch tun wir es. Immer wieder wird uns vorgegaukelt, Angst sei eine schwäche.
Ein kleines Beispiel dazu:
Gehen wir davon aus ein Gruppe von Menschen müsste eine Hängebrücke überqueren. Wie es die Situation will, die Brücke hängt nun schon länger dort und scheint auch reparaturbedürftig zu sein. Natürlich gibt es in jeder Gruppe mindestens einen der sich super toll fühlt und den Anderen zeigen möchte, dass die Brücke auch weiterhin dort hängen wird. Ohne groß zu überlegen macht er sich also auf die Brücke. Wie jede Hängebrücke bewegt sich auch diese hin und her. Sie macht ein paar Geräusche aber alles scheint in Ordnung zu sein.
Ich hingegen fühle mich nicht ganz wohl bei der Geschichte und bleibe erstmal auf festem Boden. Mein Instinkt sagt mir, dass an der Brücke irgendetwas faul ist. Ich habe ein komisches Gefühl im Bauch. Ich habe angst diese Brücke zu benutzen.
Inzwischen haben sich auch schon ein paar andere auf die Brücke getraut. Alles scheint in Ordnung zu sein. Bis plötzlich eines der Bretter unter dem Gewicht der ersten Person zerbricht. Demjenigen, der scheinbar keine Angst hat. Alles ist in heller Aufregung. Das Adrenalin schießt durch den Körper.  Er kann sich aber noch halten. Schnell kommen ihm ein paar andere zu Hilfe. Zum Glück ist nichts weiter passiert.
Meine Angst war also durchaus berechtigt. Es war keine Schwäche, wie es manch einer gerne sagt. Ich wollte eben kein Risiko eingehen. Wer weiß schon was sonst noch alles hätte passieren können.

Wer ein paar meiner Beiträge kennt, weiß, dass auch ich mich mit Ängsten und sorgen rumgeschlagen habe und es auch heute teilweise noch tue.
Meine größte Angst war dabei wohl die schwul zu sein. Ich wollte nicht jemand sein, auf den man herab sieht. Ich wollte nicht als etwas abgestempelt werden, was ich vielleicht gar nicht war. Zudem gab es nur eine Szenenkneipe in der Umgebung, sodass auch der Kontakt zu anderen LGBTI kaum bis gar nicht vorhanden war. Ebenso sah sich die Schule nicht in der Pflicht einen Aufklärungsunterricht zu diesem Thema abzuhalten. Somit konnte sich auch auf diesem Schulhof schwul als Schimpfwort #1 etablieren.
Mir als betroffener hat dies natürlich nicht geholfen. Ich habe mich über Jahre hinweg mit den Ängsten herumschlagen müssen eventuell schwul zu sein. Die Folgen: Ich habe mich immer weiter zurückgezogen. Meine schulischen Leistungen ließen nach. Bis ich nur noch vor mich hin vegetierte.

Aus heutiger Sicht bedauere ich es, dass ich nicht schon früher zu meiner Homosexualität gestanden habe. Manchmal beschleicht mich das Gefühl etwas verpasst zu haben, weil die Angst in mir die Macht hatte und nicht ich. Heute kenne ich wer weiß wie viele LGBTI und bei allen hätte ich nie erwartet, dass die schwul, lesbisch, bi oder Trans sein könnten. Vorurteile stimmen eben nur selten. Aber eben diese machen es einem unter anderem so schwer. Ich glaube wenn LGBTIs in der Gesellschaft und der Politik mehr Anerkennung ernten, dann würden auch mehr Menschen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen. Zugleich können so Vorurteile abgebaut werden und auch die ein oder anderen Berührungsängste.

Montag, 25. Mai 2015

ESC 2015 - Building Bridges

Wir schreiben das Jahr 2014 - oder besser gesagt den 10. Mai 2014. An diesem Tag schaut alles auf die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Hier wurde der Eurovision Song Contest 2014 ausgetragen. An diesem Abend fand das Finale statt. Es standen 37 Kandidaten zur Auswahl. 26 haben es in das Finale geschafft.
Einer dieser Kandidaten ist Tom Neuwirth. Er hat immer vom Showbuisness geträumt. Vom Glitzer und Glamour - und von Kleidern. Er hat eine Kunstfigur erschaffen namens Conchita Wurst. Sie ist eine Drag Queen, die einen Bart trägt. Anfangs ist nicht ganz klar, ist es ein Mann in Frauenkleidern oder eine Frau, die einen Bart trägt. Doch eines ist sicher. Conchita Wurst geht für Österreich an den Start und kämpfte sich bis ins Finale des ESC 2014.
Noch nie zuvor mag ein Auftritt so sehr polarisiert haben wie der von Conchita Wurst. Sie sang das Lied "Raise like a Phoenix". Eine typische James-Bond-Ballade. Ein Song der nicht hätte besser gewählt werden können. Österreich hatte lange Zeit keinen Erfolg mehr beim ESC. Zeitweise ist das Land noch nicht einmal angetreten. Dies sollte sich nun ändern. Wie der Phönix, der aus seiner Asche wieder aufersteht.
Relativ schnell erlangte Österreich seine ersten Punkte. Die Top 10 zu erreichen war ein leichtes, sogar in den Top drei war man schnell angelangt. Es regnete immer wieder acht, zehn oder Zwölf Punkte. Nach der Hälfte der Punktevergabe hatte Österreich schon lange den ersten Platz erreicht. Auch die folgenden Punkte konnten an diesem Ergebnis nichts mehr ändern. Mit insgesamt 290 Punkten (Das viert beste Ergebnis in der Geschichte) holte Conchita Wurst den sieg nach Hause.

Conchita Wurst schrieb Geschichte. Nicht nur weil Österreich zum ersten mal seit 1966 wieder den ersten Platz beim ESC belegte, nein, Sie rückte auch die LGBT-Community näher ins Rampenlicht. Die ganzen Gender-Debatten wurden wieder neu angeheizt. Die Frage nach Gleichberechtigung von LGBTI's wurde wieder neu aufgerollt. Der Sieg von Conchita brachte nicht nur ihr den Erfolg, sondern half auch all den Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen, die für mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft kämpfen. Der ESC 2014 zeigte uns, dass die Welt vielleicht doch toleranter ist als wir manchmal annehmen.

Am vergangenen Samstag fand das Finale des Eurovision Song Contest 2015 in Wien statt. Überall auf der Welt verfolgte man den Contest. Zum 60. Jubiläum des ESC durfte zum ersten mal auch Australien einen Kandidaten an den Start bringen. Insgesamt 27 Nationen schafften es in das Finale. Die Sendung schaffte es sogar in die Guiness World Records als längste musikalische Sendung.
Auch an diesem Abend standen die möglichen Gewinner des ESC 2015 relativ schnell fest. Italien, Russland und Schweden kämpften um die ersten drei Plätze. Die beiden letzteren setzten sich jedoch ab und führten ein enges Kopf an Kopf rennen. Zeitweise sah es so aus, als ob Russland gewinnen würde, dann bekam Schweden aber immer wieder zwölf Punkte und siegte schließlich mit 365 Punkten. Zum sechsten mal hat nun Schweden den ESC gewonnen.

2014 ein beispielloser Sieg für Österreich und die LGBT-Community.
2015 nun der Rückschritt?

Wer das Finale und die Punktevergabe des ESC verfolgt hat weiß, dass die möglichen Gewinner schnell feststanden. Vor allem Russland und Schweden kassierten immer wieder viele Punkte ab. Letztlich ging es nur noch um eben diese beiden Länder. Die Wahl stand also zwischen einem homophoben Staat und einem Sänger, der durch seine homophoben Äußerungen aufgefallen war.

Aber bedeutet es wirklich ein Rückschritt für die Community? All die Hoffnungen, die Fortschritte, plötzlich verschwunden? Waren all die Debatten und Diskussionsrunden umsonst? Wir wollen toleriert und Akzeptiert werden, schaffen es aber noch nicht mal andere zu tolerieren?

Der ESC 2015 stand unter dem Motto Building Bridges. Er sollte eine Verbindung zwischen den einzelnen Ländern und Kulturen schaffen. Er sollte darauf aufmerksam machen wie vielseitig unsere Gesellschaft doch ist. Ganz Europa vereint in Wien.
Es existieren rund 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Jeder von denen hat andere Vorlieben. Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder hat das Recht seine Meinung zu äußern, auch wenn sie mir nicht passt. Meine eigene Meinung passt schließlich auch nicht jedem. Aber einen Menschen deswegen zu verurteilen? Einen Menschen, den ich nie kennengelernt habe einfach so in die "dislike" Schublade zu stecken? Zu sagen mit dir möchte ich nichts zu tun haben ist leicht, aber nehme ich dadurch nicht dem Menschen die Möglichkeit sich zu ändern? Seine Meinung zu revidieren? Bleibe ich dadurch nicht auf meinem eigenen Standpunkt stehen und zwinge meiner Umwelt meine Meinung auf? 7 Milliarden Menschen die eines Tages alle so sind wie ich, wäre das nicht ziemlich öde und Langweilig?

Building Bridges, das Motto des ESC 2015. Letztes Jahr sah man Regenbogenflaggen und auch dieses Jahr haben sich wieder einige raus getraut und haben ihre Individualität zum Ausdruck gebracht. Dieser verdienst gilt vor allem Conchita. Sie brachte den Mut auf und sang vor einem Millionen Publikum ihre Ballade. Sie zeigte den Menschen, wie unterschiedlich jeder einzelne sein kann. Mit ihrem Song sprach sie tausenden, wenn nicht sogar Millionen von Menschen aus dem Herzen und hat gewonnen.
Conchita Wurst kämpft für die Gleichberechtigung aller Menschen. Dank des ESC kommen viele unterschiedliche Kulturen zusammen. Alle befinden sich unter einem Dach. Die Brücken sind gebaut. Das Ergebnis des letzten Jahres zeigt die Welt ist doch toleranter als man manchmal glaubt. Jeder selbst muss seine Vorurteile beiseite räumen und selbst entscheiden, ob er diese Brücken auch überquert.

Montag, 13. April 2015

Flug 4U 9525 und seine Folgen

Knapp drei Wochen ist es nun her. Am 24.03.2015 um 10:53 Uhr brach der Kontakt zur Germanwings-Maschine ab. Kurze Zeit später muss sie am Boden zerschellt sein. Um 11:10 Uhr wurde das Wrack identifiziert. Es gab keine Überlebenden.
Mit diesem Absturz brach auch ein Mythos von jetzt auf gleich in sich zusammen. Alles wofür wir Deutschen bis zu diesem Zeitpunkt standen wurde in Frage gestellt. Arbeiten wir Deutschen wirklich so präzise? Sind wir wirklich ein Volk, was es so genau nimmt? Sind denn all die Sicherheitsvorkehrungen nötig?
Bisher wurden wir immer dafür belächelt. Unsere Sicherheitsvorkehrungen waren immer ausreichend, doch nun? Auch wir Deutschen scheinen nicht vor diesen Horror-Nachrichten verschont zu werden.

Ich habe recht schnell von dem Unglück in den Alpen erfahren. Doch realisiert habe ich es erst ein paar Tage danach. Oder vielleicht wollte ich es auch nicht wahr haben.
Ostern ist nun schon wieder rum. Über die Feiertage war ich bei meinen Eltern. Gefeiert wird immer im engsten Familienkreis. Daher stand schon lange fest, dass ich die Tage nicht in Hamburg verbringen würde. Ich konnte mich also früh genug um die Anreise kümmern. Natürlich wollte ich fliegen und habe mir daher auch ein paar Flugtickets bestellt.
Alles war ok, bis ich von diesem Flugzeugunglück in den Alpen hörte und es schließlich auch realisierte. Zunächst dachte ich mir nicht viel dabei, es kommt schließlich immer mal wieder zu einem technische Defekt oder zu menschlichem Versagen. Doch dann habe ich mich näher mit dem Thema beschäftigt.
In letzter Zeit stürzen tatsächlich relativ viele Flugzeuge ab. Man denke nur mal an MH 370 oder MH 17. Aber wenn man schon Malaysia Airline hört, da kommen einem solche Horror-Szenerien so weit weg vor. Wenn man hingegen Germanwings hört, bekommt man schon ein komisches Gefühl.
Im Spiegel (Nr.: 13, veröffentlicht am 21.03.2015) gibt es einen Bericht zu Flug LH 1829. Es ist ein Airbus welcher mit dem Fly-by-Wire System ausgestattet ist. Eigentlich soll es die Piloten vor einem Fehler bewahren. Beim Flug LH 1829 gab es aber falsche Messwerte. Dadurch kämpften die Piloten gegen den Absturz der Maschine an. Mit Erfolg. Der Airbus landete planmäßig in München. Die Fluggäste bekamen von den Problemen im Cockpit jedoch nichts mit. Der Tod ist manchmal eben doch präsenter als man es manchmal wahr haben möchte.
Trotz all dieser Unglücksfälle darf man eines aber nie vergessen. Das Flugzeug ist und bleibt eines der sichersten Verkehrsmittel. Ich selbst habe darauf geachtet. Als Ich in den Flieger gestiegen bin, war das Unglück in den Alpen natürlich präsent. Dennoch hat es die Bordcrew geschafft, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.
In Köln haben mich meine Eltern dann abgeholt. Zum Vergleich habe ich natürlich auch verstärkt auf den Straßenverkehr geachtet. Dabei sind mir ein paar Situationen aufgefallen, in denen man letztlich froh sein konnte, dass nichts passiert war. Vor allem auf der Autobahn, wo immer wieder Fahrer meinen in den Sicherheitsabstand zu fahren, oder auch die Raser, welche einem so dicht hinten auffahren, dass man meint, man sitze in ein und dem selben Auto. Wer zudem die Nachrichten aufmerksam verfolgt stellt fest, dass ziemlich häufig von Autounfällen berichtet wird. Jedoch wird hier eher selten von 150 oder mehr Toten geredet. Zudem haben wir uns irgendwie daran gewöhnt von Unfällen im Straßenverkehr zu hören.

Wir Menschen meinen immer uns könnte nichts passieren. Dinge, die früher unmöglich erschienen, sind heute zum Alltag geworden. Hochhäuser werden immer höher. Gebäude bekommen Formen von denen man früher nur träumen konnte. Wir reisen von Ort zu Ort in rasanter Geschwindigkeit. Dank der Gebrüder Wright können wir uns in die Lüfte erheben. Sogar auf dem Mond waren wir schon und bald auch auf dem Mars. Uns scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Sogar den Tod scheinen wir überlisten zu können. Krankheiten, die früher noch zum Tod geführt haben, sind heute heilbar.
Wenn man sich die Geschichte der Menschheit mal anschaut, so ist es doch bewundernswert, was wir alles schon erschaffen haben. Dabei hat jedes Volk seinen eigenen Ruf bzw. Mythos erschaffen. Wir Deutschen sind ein Volk, welche sehr viel Wert auf Präzision und Genauigkeit legen. Dafür werden wir immer wieder bewundert, auch wenn es manchmal ganz schön lästig und kompliziert sein kann.
Nach dem Unglücksflug 4U9525 bekommt der Mythos aber erste Risse. Wir können eben doch nicht alles kontrollieren. Leider vergessen wir das aber immer wieder. Der Tod ist eben doch allgegenwärtig. Der Absturz der Germanwingsmaschiene verdeutlicht dies noch einmal ganz gut. Letztlich ist es aber egal, wo sich der Unfall ereignet. Ob im Schienen- oder Straßenverkehr oder auch in der Luftfahrt. Ein Unfall ist immer ein tragisches Ereignis, welches am Besten nie wieder vorkommen sollte.


Montag, 6. April 2015

It can happen to you - Oder: Die Frage, die mein Leben veränderte

Nun beginnt er wieder. Der Stress in der Uni. Kaum sind alle Klausuren geschrieben und die Arbeitsphase erfolgreich hinter sich gebracht, da beginnt auch schon wieder die Vorlesungszeit. Nun heißt es wieder im Vorlesungssaal sitzen, Projekte fertigstellen und Laborpraktika absolvieren. Ja, dass Studentenleben ist schon manchmal hart. Da ist man froh über jede freie Minute die man hat. Aber auch die sind manchmal gar nicht so leicht. Jedenfalls bei mir.
Im Moment habe ich wieder eine Phase, in der ich verstärkt in meinen Erinnerungen verweile. Dazu gehören auch die Zeiten, in denen ich selbst noch nicht so recht wusste, wer ich überhaupt war oder was ich überhaupt wollte. Ich dachte mir einfach: irgendwie wird schon alles klappen. Bis jetzt hat es das auch, wenn man mal von der ein oder anderen Hürde in meinem Leben absieht.

Eine der größte Hürden war wohl mein schwul sein anzuerkennen. Ich ging einfach davon aus, dass es nicht richtig sei. Sonst wäre es schließlich in irgendeiner Form auch mal thematisiert worden. Aber das wurde es nicht. Wenn doch, dann habe ich es immer als negativ empfunden. Ich wollte nicht etwas negatives verkörpern, also verbannte ich das Thema Homosexualität aus meinem Kopf.

"Jack Sparrow hast keine Ahnung was du willst.
Oder weißt du es doch? Bist aber zu unwillig es als
dein Eigen an zu erkennen. Hm?"

- Pirates of the Caribbean 2

Im nach hinein ärgere ich mich über diesen Schritt. Ich habe meine eigenen Gefühle unterdrückt. Ich habe meine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt, nur weil es angeblich eine Schande ist, dass sich zwei Männer lieben. Indirekt wurde mir so verboten ich selbst zu sein bzw. meine eigene Persönlichkeit auszuleben. Dabei steht doch im Grundgesetz: "Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer Verletzt."
Wenn ich an die damalige Zeit zurück denke, gab es schon recht früh Anzeichen dafür, dass ich schwul war. Aber wie gesagt, ich ignorierte sie. Denn genau wie jeder andere Mensch auch, bin auch ich davon ausgegangen eine Hete zu sein. Auch ich dachte, dass meine Gefühle für das gleiche Geschlecht nur eine vorübergehende Phase sein würden. Ich war mir sicher, eines Tages würde ich eine Freundin haben.
Es handelte sich tatsächlich nur um eine Phase. Darin ging es auch um die alles entscheidende Frage: "Bin ich schwul?" Eben die Frage, vor der man sich ein wenig fürchtet, auch wenn man das nicht muss. Ich habe die Frage, die mein Leben veränderte beantwortet. Die Phase war eben nicht, homosexuelle Neigungen zu haben, sondern eher heterosexueller. Ich wollte mich eben nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ich schwul sein könnte. Letztlich habe ich es aber doch geschafft. Also: "Ja, ich bin schwul."
Die Antwort hat lange auf sich warten lassen. Aber niemand weiß, was ich in dieser Zeit alles durchgemacht habe. Niemand weiß, mit welchen Ängsten und Sorgen ich zu kämpfen hatte. Solange dass der Fall ist, sollte sich auch niemand ein Urteil darüber erlauben. Wir sind alles Individuen. Wir leben alle unser eigenes Leben. Und wir haben unsere eigene Vergangenheit, mit der wir leben müssen.
Manchmal stelle ich mir natürlich die Frage was wäre wenn. Aber wer kann solche Fragen schon mit Gewissheit beantworten. Vielleicht wäre die Alternative ja schlimmer ausgegangen.

Ich habe mir nicht ausgesucht schwul zu sein. Ich habe es nur eines Tages als mein Eigen anerkannt. Diesen Schritt zu gehen ist nicht immer ganz leicht, dass weiß ich nur zu gut. Wenn man ihn aber erstmal gegangen ist, ist es mit das Beste, was einem passieren kann. Und dass kann wahrlich jedem widerfahren.

"Ich wünsche mir nur, dass sich mehr Gleichgesinnte outen.
Es ist schön hier draußen wisst ihr?!"

- Elton John

Man kann sein Leben auf zwei Arten führen. Entweder man geht jeder noch so unangenehmen Situation aus dem weg und wird dabei nie richtig glücklich. Oder man stellt sich den Hürden im Leben, wächst an seinen Aufgaben, durchläuft vielleicht sogar die Hölle auf Erden, aber am Ende ist man glücklich.
Würdest du es tun? Hm? Was würdest du? Hm? Was würde jeder von euch dafür tun? Hm?

Dienstag, 31. März 2015

Flug 4U 9525

Dienstag, 24. März 2015 10:00 Uhr:
Der Germanwings-Flug 4U 9525 startet in Barcelona. An Bord sind 144 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder. Es ist ein Routineflug, wie er mehrmals täglich durchgeführt wird.

10:31 Uhr:
Die Maschine verlässt nach einer Kurskorrektur nach Nordosten ohne Freigabe der Flugsicherung ihre Reiseflughöhe und beginnt einen Sinkflug.

10:36 Uhr:
Der Tower von Marseille versucht zum letzten Mal Kontakt mit der Germanwings-Maschine auf der internationalen Notfrequenz auf zu nehmen - ohne Erfolg.
Der Routineflug scheint heute keiner zu sein. Da die Maschine nicht antwortet wird ein anderer Routineplan eingeleitet. Ein Plan, den niemand gerne hört: es ist der Notfallplan.

10:40 Uhr:
Der Airbus A320 verschwindet vom Radar. Die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten. Der Airbus scheint abzustürzen. Jeden Moment könnte er auf dem Boden aufschlagen. Die letzte bekannte Flughöhe betrug gerade einmal 1890 Meter.

11:10 Uhr:
Nun gibt es auch Gewissheit. Das Wrack von Flug 4U 9525 wird durch die Hubschrauber des französischen Such- und Rettungsdienstes identifiziert. Die Frage, die sich in diesem Moment wohl jeder stellt ist nach dem Warum?

Die Nachricht vom Absturz der Germanwings-Maschine verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Die Medien stürzen sich wie die Aasgeier auf das Geschehen. Jeder möchte wissen, was auf diesem Flug geschehen ist. Sind Billig-Airlines vielleicht unsicher? Wurde das Flugzeug regelmäßig gewartet? War es ein technischer Defekt? Könnte es ein Terroranschlag gewesen sein? Oder doch eher menschliches Versagen?
Inzwischen haben wir Gewissheit. Der Voice-Recorder des Flugzeugs wurde gefunden. Demnach war der Co-Pilot allein im Cockpit und scheint die Maschine mutwillig zum Absturz gebracht zu haben. Der Pilot hat zwar noch versucht sich Zugang zum Cockpit zu verschaffen, hat es aber nicht mehr geschafft. Sein Co-Pilot hat ihn ausgesperrt.
Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 muss man die Tür zum Cockpit von innen freigeben. Zwar gibt es einen Notfallcode, um die Tür auch von außen öffnen zu können. Aber auch dieser hat nicht geholfen. Der Co-Pilot des Fluges 4U 9525 hat die Tür verriegelt und konnte so für fünf Minuten nicht geöffnet werden. Wertvolle Zeit, in der die Maschine mehrere tausend Meter in die Tiefe stürzte.

Warum tut ein Mensch so etwas? Was befähigt eine Person dazu, sich selbst und 149 weitere Personen umzubringen? Hätte man die Tat verhindern können? Was muss sich in Zukunft ändern, damit solche Taten nicht noch einmal vorkommen? Wussten die Passagiere, was auf sie zu kommt? Und die wohl wichtigste Frage,  die sich die Angehörigen stellen: Mussten ihre Liebsten leiden?

Letzteres kann man wohl mit nein beantworten. Auf den Aufzeichnungen des Voice-Recorders hört man erst ganz am Ende Schreie aus der Kabine. Den Passagieren schien also nichts aufgefallen zu sein, bis kurz vor dem Aufprall. Für Sie schien es eben ein ganz normaler Flug zu sein.
Die Frage nach dem Warum wird man hingegen nie mit Gewissheit beantworten können. Wir alle können niemandem in den Kopf schauen. Niemand kann sagen, was in seinem Gegenüber vorgeht. Wir wissen nur, dass der Co-Pilot wohl unter Depressionen gelitten haben soll. Vielleicht durchlebte er gerade eine tief depressive Phase. Vielleicht hat er nur auf den passenden Augenblick gewartet um sich das Leben zu nehmen. Aber auch dieser Schritt erfordert sehr viel Mut. Vielleicht hatte er ihn eben zu diesem unglücklichen Zeitpunkt und hat so 149 unschuldige Personen mit in den Tod gerissen.
Aber all dies bleibt reine Spekulation. Niemand von uns war in dem Flieger. Niemand von uns war im Cockpit. Niemand wusste, wie sich der Co-Pilot fühlte. Niemand wusste, was er gerade alles durchmachen musste.

Was kann man nun in Zukunft tun, um solche Ereignisse zu verhindern? Würde eine Vier-Augen-Regel helfen, so wie es bei amerikanischen Airlines Vorschrift ist? Würde eine Frauenquote helfen?

Der Flug 4U 9525 ist nun gerade einmal eine Woche her, da gibt es schon die ersten Personen, welche ihr Wissen kund tun. Sie geben Ratschläge, wie man alles besser machen kann. Natürlich ist es wichtig sich darüber Gedanken zu machen und dass auch möglichst schnell. Dennoch scheinen manche Menschen nur Profit aus diesem Unglück schlagen zu wollen. Über die derzeitige Situation scheint sich keiner so richtig im klaren zu sein.
Die Bergungsarbeiten hatten gerade erst begonnen. Angehörige wurden zum Ort des Geschehens gebracht. Die Leichen wurden noch nicht einmal geborgen, da trudeln schon die ersten Kommentare zum Flugzeugabsturz ein.
Luise Pusch ist feministische Linguistin und Schriftstellerin und veröffentlichte einen Gastbeitrag bei dem online Magazin "Emma" (veröffentlicht am 27.03.15). Darin fordert sie eine Frauenquote für Piloten. 94% der Piloten bei Lufthansa seien Männer, welche ein Risiko darstellen, denn "Amoktrips sind Männersache", sagt Pusch.
Ein Kommentar, der meiner Meinung nach zum falschen Zeitpunkt verfasst wurde. Darin geht es gar nicht so sehr um den Selbstmord und die 149 Opfer, sondern eigentlich nur darum, dass Frauen zu wenig Beachtung geschenkt wird. Was Frau Pusch jedoch nicht zu sehen scheint ist, dass eine Frauenquote allein nicht viel bringt. Denn dann könnte immer noch die Pilotin nach dem Gang zu Toilette aus dem Cockpit ausgesperrt werden. Aber auch die Bedingung, dass Pilotinnen während des gesamten Fluges im Cockpit verweilen müssten, würde bestimmt die ein oder andere Feministin aufschreien lassen. Was soll man also tun?
Die Idee eine Frauenquote einzuführen ist generell nicht schlecht. Solche Aktionen unterstütze ich auch gerne, aber der Zeitpunkt gefällt mir eben nicht. Frauenquote plus die Vier-Augen-Regel ist da schon besser. So würde gewährleistet, dass immer zwei Personen im Cockpit sein müssten und die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem weiteren Mitnahme-Selbstmord kommt verringert sich erheblich, da Männer tatsächlich häufiger Suizide erfolgreich begehen.

Montag, 23. Februar 2015

Ich bin ein toleranter Mensch, aber ...

Ich bin ein toleranter Mensch.
Ein Satz, den wir nur zu gerne hören. Auf einmal fällt eine große Last von unseren Schultern. Alle Ängste, alle Sorgen sind auf einmal weg. Wir müssen uns nicht mehr verstellen. Wir müssen nicht irgendetwas vorgeben, was wir gar nicht sind. Wir können einfach nur der sein, der wir sind.

Aber was macht einen toleranten Menschen eigentlich aus? Woran erkennen wir einen toleranten Menschen? Wann wissen wir, wenn ein Mensch tolerant ist und wie tolerant ist er dann tatsächlich?

Wir leben in einer Gesellschaft in der wir Vorurteile gegenüber bestimmte Gruppen von Menschen haben. Ob sich diese nun bewahrheiten oder nicht ist eine andere Frage. Jeder Mensch ist schließlich einzigartig. Man wird nie zwei exakt gleiche finden. Dennoch haben wir Vorurteile und durch diese diskriminieren wir andere Menschen, auch wenn wir das gar nicht möchten.
Durch solche Diskriminierungen machen wir Anderen das Leben schwer. Sie trauen sich nicht offen und ehrlich zu sein. Sie haben viel zu viel Angst davor selbst ein Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung zu werden. Sie werden vielleicht nie richtig glücklich im Leben sein, weil sie nicht zu sich selbst finden.
Ich selbst weiß nur zu gut, wie es ist zu einer diskriminierten Randgruppe zu gehören und das nicht nur weil ich schwul bin. Nein, ich bin auch auf die Waldorfschule gegangen. Es ging also immer mal wieder darum, ob ich meinen Namen tanzen könne, ob man für sein Abitur nur einen Baum pflanzen müsse oder dort nur zurückgebliebene Öko-Freaks seien. Ja, man lernt dort auch seinen Namen zu tanzen und ab und zu frage auch ich mich was da manchmal für Öko-Freaks rumlaufen, aber das sind vielleicht einer unter 100.000. Es sagt also überhaupt nichts aus.
Dennoch bleiben die Vorurteile bestehen. Erst wenn man sich mal näher mit dem Thema auseinandersetzt, fängt ein umdenken statt. So auch bei Bekannten von mir. Ihnen habe ich von der Waldorfschule erzählt. Mit der Zeit waren sie so begeistert, dass sie ihr Kind auch auf der Waldorfschule anmelden wollten. Über Wochen und Monate haben sie sich immer wieder gemeldet und wollten weitere Dinge über die Schule erfahren, allerdings haben sie ihr Kind nie dort angemeldet. Der Grund: Es gibt zu viele Vorurteile. Sie wollen nicht, dass ihr Kind ausgegrenzt und diskriminiert wird.
Ein durchaus verständliches Argument. Wer will schon, dass das eigene Kind unglücklich ist. Aber was sagt das über die Toleranz eines Menschen aus?
Letztlich mag man auch weiterhin ein toleranter Mensch sein, aber dass man selbst zum Kreis der Betroffenen gehört will man nicht wahr haben und versucht es zu umgehen. Viel eher geht man den möglichen Problemen aus dem Weg. In einem selbst mag ein Umdenken stattgefunden haben, aber irgendwie schämt man sich dafür. Man will es nicht wahr haben. Zu zeigen, dass an den Vorurteilen nichts dran ist, soweit geht der Mut und die Toleranz dann doch nicht.

Wir mögen in einer Gesellschaft leben, in der sehr viel toleriert wird, aber wer und vor allem was toleriert wird bleibt erstmal ein Geheimnis. So auch bei dem Coming Out. Manchmal schlägt man sich Tage, Wochen und Monate mit ein und dem selben Gedanken herum. Man spielt die verrücktesten Szenen durch. Man macht sich die größten Gedanken, was alles passieren könnte, nur um dann zu erfahren, dass alles in Ordnung ist, dass man sein Gegenüber einfach falsch eingeschätzt hat.

Warum zeigt man sich dann nicht einfach mal so von seiner toleranten Seite? Warum kämpft man nicht auch mal so für die Rechte anderer? Warum geht man nicht auch mal als Heteerosexueller über den CSD und bekundet so seine Toleranz? Ist es nicht schon schlimm genug, dass das eigene Kind von anderen diskriminiert wird?

Wenn es um ein Coming Out geht, würden solche Aktionen bestimmt helfen. Ich selbst habe lange Zeit mit dem Gedanken gespielt, wann ich mich denn nun vor meiner Familie outen sollte. Immer wieder kamen Ängste hoch, dass ich von der Familie verstoßen  würde, der Kontakt abbrechen könnte oder andere Dinge geschehen würden. Letztlich habe ich da aber falsch gelegen. Ich habe das Verhalten meiner Familie nur falsch gedeutet.
All die Sorgen und Ängste waren also mehr oder minder umsonst. Ich habe mir es unnötig schwer gemacht. Hätten sich meine Eltern klarer positioniert zu dem Thema Homosexualität, wäre das Ganze vermutlich auch für mich einfacher gewesen. Das ein Mensch tolerant ist erfährt man eben oft erst hinterher.

Samstag, 3. Januar 2015

Bildungsplan / Hamburg demonstriert

Der Bildungsplan ruft mal wieder auf die Straßen. Nun ist Hamburg an der Reihe. Der Verein 'Besorgte Eltern' demonstriert am Samstag, den 24. Januar 2015 gegen den neuen Bildungsplan. Sie kämpfen für das Recht aller Eltern, ihre Kinder altersentsprechend und sensibel bei der Herausbildung ihrer Sexualität zu begleiten. Dabei wird auch gegen jede Form der Frühsexualisierung in Kitas, Kindergärten und Schulen demonstriert. Aber liegt das wirklich am Bildungsplan? Ist der Bildungsplan schuld daran, dass Kinder und Jugendliche viel früher mit Sexualität in Berührung kommen? 
Es ist zu einem alltäglichen Bild geworden. Kinder und Jugendliche hängen nur noch an ihrem Smartphone. Gespräche von Angesicht zu Angesicht scheint es nur noch bei älteren Generationen zu geben. Es ist viel einfacher jemanden über Facebook, WhatsApp, Snapchat, Instagram oder Twitter zu erreichen. Die Kommunikation scheint ausschließlich über das Internet zu funktionieren. Innerhalb kürzester Zeit kann man hunderte von Menschen über ein Ereignis informieren. Bereits mehr als 80% aller 12- bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone mit Internetzugang, bei den 16- bis 17-Jährigen sind es 93%. Niemand scheint sich noch Gedanken darüber zu machen, auf welchen Seiten die Kinder und Jugendlichen unterwegs sind. Es ist ein leichtes auf Internetseiten mit pornografischem Inhalt zu gelangen. Auch die Abfrage ob man schon über 18 Jahre alt ist, lässt die Jugendlichen nicht zurückschrecken. Nach einer bislang unveröffentlichten Pilotstudie der Uni Münster haben 46% der 14- bis 15-Jähringen schon einmal pronografische Bilder oder Videos gesehen.
Hamburg demonstriert Vielfalt
24.01.2015 11:00 Uhr

Aber ist nun der Bildungsplan an einer Übersexualisierung schuld? Nein, sagt Alexandra Wolfram. Sie unterrichtet seit 41 Jahren Grundschüler in Berlin. Sie findet es sogar richtig, wenn die Aufklärung schon früh beginne. Durch Internet und Fernsehen, aber auch durch Sprüche älterer Geschwister kommen die Schüler schon früh mit Sexualität in Berührung. Die Jüngeren verstehen aber oft nicht, was sie sehen oder hören. Aufklärung könne dabei helfen, Diskriminierung zu bekämpfen. Am 24.01.2015 wird daher auch unter dem Motto: "Vielfalt statt Einfalt" demonstriert. Hier macht man sich für den Bildungsplan stark. Es geht eben nicht darum irgendwelche Sexstellungen oder ähnliches zu unterrichten, sondern vielmehr darum Lebensvielfalt angemessen abzubilden und für mehr Toleranz und Akzeptanz zu sorgen. "Lieber selber aufklären und dann altersgerecht, als es dem Zufall überlassen."  Wie man die Schüler aufklären kann zeigt ein Grundschullehrer, welcher eine Anti-Mobbing-Woche dazu nutzte.

Aber was ist nun so schlimm an dem neuen Bildungsplan? Was ist so schlimm daran Lebensvielfalt angemessen abzubilden? Ist es nicht egal ob ich eine Schwiegertochter oder einen Schwiegersohn bekomme? Wünschen sich nicht alle Eltern, dass ihr Kind glücklich ist? Dass es mit einem anderen Menschen zusammen lebt?


Im neuen Bildungsplan geht es darum die Schüler zu mehr Toleranz und Akzeptanz zu erziehen und das nicht nur gegenüber Homosexuellen und Transgendern. Der Bildungsplan soll auch für mehr Toleranz gegenüber anderen ethnischen oder religiösen Abstammungen sorgen oder auch für die Inklusion behinderter Menschen. Aber all diese Dinge scheinen keine Bedeutung zu haben. Die Angst vor Homosexuellen scheint dann doch größer als gedacht. die Angst, dass das eigene Kind schwul oder lesbisch sein könnte. Aber wie viele Homosexuelle kennen wir? Und wie viele kennen wir so gut, dass wir uns eine Meinung über diese bilden dürfen? Reicht einer? Zwei? Vielleicht fünf?Fakt ist, solange man sich nicht mit dem Thema beschäftigt hat, sollte man sich auch nicht dazu äußern. Leider gibt es aber immer wieder Menschen die blind einer Bewegung folgen. Die Behauptungen nicht hinterfragen. Menschen die nicht selber über ein Thema nachdenken. Manchmal wäre es ganz hilfreich sich auch selber Gedanken zu machen. Sich selber Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen zu suchen. Bei LGBT-Menschen wird man schnell feststellen, dass sie auch nur Menschen sind. Menschen, die ein ganz normales Leben führen.


Wann beschäftigt man sich mit einem Thema? Wann ist die Zeit gekommen wo ich sage: "Darüber will ich nun mehr erfahren"? Am ehesten wenn sich jemand mit dem Thema auskennt und darüber erzählt. Aber nicht jeder hat Homosexuelle oder Transgender im Freundes- oder Bekanntenkreis. Um dennoch für mehr Toleranz und Akzeptanz zu sorgen, muss man die Menschen aufklären. Dabei soll der neue Bildungsplan helfen. Vielleicht gibt es in Zukunft Menschen, die es leichter bei ihrem Coming Out haben werden. Dass die Person nun aber schwul, lesbisch, bi oder trans ist, hat nichts mit dem neuen Bildungsplan zu tun.

Montag, 1. Dezember 2014

Menschen wie dich braucht die Welt

     Ein Fall den die ganze Nation bewegt. Tuğçe A. wäre am Freitag 23 Jahre alt geworden. Doch diesen besonderen Tag und all die besonderen Tage darauf hat sie nie erleben können.

     Es ist der 15. November 2014. Der Tag der das Leben der Studentin maßgeblich verändern wird. Sie ist in einem Schnellrestaurant. Dort erkennt sie, dass zwei Mädchen von Männern belästigt werden. Sie zögert nicht lange und eilt den beiden Mädchen zur Hilfe.
     Als Tuğçe wieder aus dem Lokal herausgeht, geschieht das Unfassbare. Sie wird selbst zum Opfer. Die Männer, die eben noch die beiden Mädchen aus dem Lokal belästigt haben, schlagen nun auf die 23-Jährige ein. Diese kann sich nicht mehr auf den Beinen halten und fällt auf das Pflaster des Parkplatzes. Sie fällt ins Koma, aus dem sie nie wieder erwachen wird.

     Am vergangenen Freitag dann die erschreckende Botschaft. Der Hirntod wurde festgestellt. Tuğçe hat es nicht geschafft. Rund 1500 Menschen versammelten sich vor der Klinik, um sich von der Studentin zu verabschieden.
     Zwei Tage später wurden dann die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet. In Berlin trafen sich ca. 150 Menschen, um an Tuğçe und ihrer Zivilcourage zu erinnern. "Menschen wie dich braucht die Welt" oder "Unsere Heldin" stand auf verschiedenen Schildern.
     Auch nach dem Tod der Studentin hilft sie noch anderen Menschen. Drei Ärzteteams entnahmen ihr mehrere Organe, nachdem die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet worden waren.

     Die Polizei hofft nun auf weitere Zeugen. Ein 18-Jährige sitzt bereits in Untersuchungshaft. Er soll einer der Angreifer gewesen sein. Gegen ihn wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt.
     Die genaue Todesursache steht noch nicht fest. Bisher ist noch unklar, ob die 23-Jährige durch den Schlag tödlich verletzt wurde oder durch den Aufprall auf das Pflaster des Parkplatzes. Eine Obduktion des Leichnams soll Gewissheit bringen.

Der Bundespräsident teilte mit, dass die Vergabe eines Verdienstordens geprüft werde. In einem Beileidsschreiben an die Familie betonte Gauck nach Angaben des Präsidialamts, die junge Frau habe "unser aller Dankbarkeit und Respekt verdient". Sie werde immer ein Vorbild bleiben. "Wo andere Menschen wegschauten, hat Tuğçe in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen."