Posts mit dem Label Bildungsplan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bildungsplan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Q wie Queere Geschichte I ABC eines Schwulen

Queere Geschichte? Was ist das denn? Geschichte ist klar, aber queer? Will er jetzt querbeet die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse kurz zusammenfassen? À la Hape Kerkeling?

Nein werde ich wohl nicht. Dieser Artikel ist dafür viel zu kurz und außerdem wäre eine kurze Wiedergabe der wichtigsten geschichtlichen Ereignisse wohl eher eine eigene "kleine" Sendereihe.
Als ich begonnen habe mir Gedanken über dieses ABC gemacht habe, wollte ich sofort irgendwo etwas zu dem geschichtlichen Hintergrund der LGBTI-Bewegung schreiben. Aber wo fängt man da an? Wann gab es die ersten homosexuellen Menschen? War Adam vielleicht schon schwul? Oder beginne ich bei den Stonewall-Aufständen in New York? Aber was ist dann mit der Zeit davor, da muss es doch auch schon Schwule und Lesben gegeben haben?

Ohh ja, die gab es. Homosexualität ist ebenso bei uns Menschen verbreitet wie unter all den anderen Tieren. Es ist wohl das natürlichste auf der Welt. Mit wem ich letztlich zusammen bin und eine Beziehung führe ist doch egal. Die Hauptsache ist doch, dass ich meinen Partner / meine Partnerin liebe und ehre.
Adam könnte also sehr wohl schwul oder zumindest bisexuell gewesen sein. Nur leider hatte er nicht die große Wahl, er hatte nur Eva. Und so heißt es bis heute für viele streng religiöse Menschen: "Der Mann soll nicht beim Manne liegen, denn das ist ein Gräuel."
Und genau an dieser Stelle frage ich mich eines immer wieder. Wenn es tatsächlich einen Gott gibt und er die Erde geschaffen hat. Wenn er alles so erschaffen hat wie er es wollte und tatsächlich allwissend ist. Wenn er etwas gegen homosexuelles Verhalten hat, warum erschafft er dann zwei unterschiedliche Geschlechter. Hätte er nicht gewusst, dass es auch gleichgeschlechtlich-liebende Menschen geben wird? War die Rippe von Adam vielleicht nicht groß genug? Hat Gott sich vielleicht überarbeitet und war bei seinen letzten Taten etwas nachlässig?

Wie dem auch sei. Die Antwort auf all diese Fragen werden wir wohl nie erfahren. In der Theologie gibt es nunmal Dinge, die wir nie erfahren werden. Dinge, die nie abschließend geklärt werden können. Es werden immer offene Fragen bleiben. Und wenn man ganz ehrlich sein soll, dann hat die Religion schon für viele Streitereien gesorgt und dabei auch den ein oder anderen Krieg begonnen.
Religion muss aber nicht zwangsläufig schlecht sein. Sie hat auch schon die ein oder anderen guten Taten vollbracht. In gewisser Weise hat die Kirche sogar schon Homo-Ehen vollzogen. Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Einer der größten Streitpunkte im Jahr 2015.
Früher konnte man nämlich einen sogenannten geschworenen Bruder haben. Man konnte also eine Bindung zu einem gleichgeschlechtlichen Menschen eingehen, wobei die Liebe bis in den Tod anhalten sollte. Also einer Eheschließung gleichkam. Der eigentliche Zweck von geschworenen Brüdern war allerdings eine geistige Verwandtschaft herzustellen, wie es bei einer Taufpatenschaft der Fall ist.
Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass auch gleichgeschlechtlich Liebende die Schwurbruderschaft eingegangen sind, wurde dieser Ritus von der Kirche und dem oströmischen Recht verboten. Einziges Überbleibsel ist der Begriff warmer Bruder für einen Schwulen. Ein Begriffswandel. Ein Umdenken in der Gesellschaft fand statt. Was gestern noch als Zeichen der Freundschaft galt, identifiziert man heute als "homosexuell", als nicht der Norm entsprechend. Plötzlich gilt man als Außenseiter. Zwischen 1970 und 1990 gehen die Sexualerfahrungen zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen von 18 auf zwei Prozent zurück. Homophobie kommt in Mode. Die Leute haben angst als Schwuler oder als Lesbe zu gelten. Doch was ist so schlimm daran? Warum darf ich nicht den lieben, den ich liebe? Warum gehört Homosexualität auch heute noch zu einem Tabuthema? Warum wird im Geschichtsunterricht nicht auch die Geschichte der LGBTI-Bewegung behandelt? Warum hört man immer nur vom Nationalsozialismus und der Judenvefolgung? Was macht die französische Revolution so besonders, waren es die Stonewall-Aufstände nicht auch? Warum haben wir Geschichtsunterricht, wenn ein Teil unserer Vergangenheit einfach ausgelassen wird?
Der Geschichtsunterricht soll uns doch näher bringen, wie das Leben früher von statten ging. Er soll uns zeigen, wie die Menschen früher gedacht und gehandelt haben. Wir sollen erfahren wie der Alltag früher war. Wir erfahren plötzlich, dass Homosexualität nichts neues ist. Es ist keine neue Mode, die man mitmacht. Wir befinden uns nur in einem Zyklus in dem das Thema wieder häufiger zur Sprache kommt.
Historisch betrachtet ist das Anders-sein etwas vollkommen normales. Die Geschichte lehrt uns, dass es immer handelnde und leidende Menschen waren, die etwas verändert haben. Sie waren es, die für Veränderungen in unserem Denken und Handeln bewirkt haben. Sie zeigen uns, dass sich Vorstellungen grundsätzlich ändern können.


Donnerstag, 8. Oktober 2015

N wie Nachrichten I ABC eines Schwulen

Wir alle sehen, hören, oder lesen Nachrichten. Manch einer interessiert sich eher für den lokalen Teil, andere informieren sich gerne über das Weltgeschehen. Der eine interessiert sich sehr für das politische Geschehen, der andere will eher über Fun & Freizeitaktivitäten informiert werden. Die einen sitzen pünktlich um 20 Uhr vor dem Fernseher um auch ja nicht die Tagesschau zu verpassen, den anderen ist auch diese Nachrichtensendung egal, weil auf anderen Sendern vielleicht eine bessere Sendung läuft. Fakt ist: Wir erhalten unsere Informationen über das aktuelle Geschehen. Egal ob wir nun Zeitung lesen oder eine Nachrichtensendung im Fernsehen gucken oder uns das allwissende Internet per App auf unserem Smartphone über wichtige Themen informiert.

Ebenso wie viele andere Jugendliche und junge Erwachsene gehöre auch ich zur letzten Kategorie. Die Auswahl der Nachrichten überlasse ich meinem Smartphone. Wenn also meine Nachrichten-App wieder mal meint, dass etwas wichtiges in der großen weiten Welt geschehen ist ploppt eine kleine Anzeige auf, die mich kurz über das Geschehen informiert. Beispielsweise über den Abgasskandal von VW und wie viele Autos nun betroffen seien oder über den FIFA-Skandal. Mit dabei können aber auch Themen der Börse sein, wie z. B. dass der DAX ein Rekordtief erreicht hat, unter die 10.000 Punktemarke gefallen ist oder auch diese wieder überschritten hat. Ebenso vertreten sind natürlich diverse Verkehrsunglücke wie der Absturz der Germanwingsmaschine in Frankreich oder der Flüge MH17 und MH370 sowie der Bergung eines der Wrackteile. Manchmal sind auch Mitteilungen über den Tod einer berühmten oder gar legendären Persönlichkeit mit dabei wie z. B. James Last.
Wie man sieht, sind die Themen also sehr weit gestreut. Man wird mit viel nützlichem und unnützlichem Wissen überhäuft. Meist sind es aber doch Themen über die man auch in den folgenden Tagen noch reden wird. Dennoch gehören diese Themen nicht immer zu denen, die mich persönlich interessieren, daher informiere ich mich zusätzlich noch über soziale Netzwerke und der ein oder anderen Websites über aktuelle Geschehnisse.

Mich als Teil der LGBTI-Community interessieren natürlich auch Neuigkeiten aus diesem Bereich. Am liebsten natürlich positive Nachrichten wie der Gleichstellung von Homo-Ehe und "normaler" Ehe in Irland oder den USA. Aber auch Nachrichten über das Coming Out eines 13-jährigen bei seinem besten Freund und der Reaktion darauf. Oder auch einer Demonstration von tausenden Leuten, die sich für den neuen Bildungsplan in BaWü aussprechen.
Aber leider ist nicht immer alles super toll und immer wieder kommt es zu traurigen Meldungen. An Schulhöfen wird "schwul" als Schimpfwort benutzt. Vorurteile zwingen einen Menschen eine Lüge zu leben. Das Ausleben der eigenen Persönlichkeit wird einem verwehrt, weil es den Eltern falsch erscheint. Und schließlich der Suizid des eigenen Kindes.
Zugegeben, der letzte verlinkte Artikel gehört nicht so ganz in das Themengebiet LGBTI und dennoch gehört er hierhin. Denn als betroffener einer diskriminierten Minderheit nimmt man die Dinge oft anders wahr, sodass man Diskussionen evtl. falsch deutet und so ein homophobes Verhalten erörtert, wo vielleicht gar keines ist.
Mir selbst ist es schon passiert. Aus einer Diskussion in der es eigentlich darum ging, dass zwei Frauen die Sorgen und Probleme ihres Sohnes nicht zu 100% erfassen und verstehen können, habe ich raus geschlossen, dass gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder großziehen sollten. Also eine klare Abneigung gegenüber Homosexuellen.
Inzwischen habe ich aber die Gewissheit, dass ich da etwas falsch gedeutet habe. Ich weiß sogar, dass das Wissen über LGBTI-Menschen oft nur auf Halbwissen beruht und sich kaum oder nur wenige die Mühe machen und sich über dieses Thema informieren. Aber auch die diversen Zeitungsverlage und Nachrichtensender berichten nur sehr wenig über die Situation von LGBTIs. In den Sommermonaten liest und hört man zwar mal über den CSD, aber dass sind eher kleine Beiträge welche allgemein über die Besucheranzahl und den CSD allgemein informiert. Über Prügelattacken auf ahnungslose Schwule, Lesben und Transgender scheinen nicht erwähnenswert zu sein, denn wir leben ja in einem toleranten Land in dem so etwas nicht vorkommt. Jedenfalls der Berichterstattung mancher Zeitungen und Fernsehsendern zufolge.

Im vergangenen Jahr hat sich die ARD dazu entschlossen ihre alljährliche Themenwoche über das Thema Toleranz abzuhalten. Gezeigt wurden verschiedene Diskussionsrunden, Dokumentationen und Filme. Sie alle handelten von einer oder mehreren diskriminierten Minderheiten und ihrer Situation bzw. Stellung in der Gesellschaft. Berichtet wurde über Menschen verschiedenster Abstammung, sowohl religiöser, als auch ethnischer. Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderungen. Und natürlich über gleichgeschlechtlich liebende Paare, sowohl kinderlose, als auch Paare die Nachwuchs erwarten oder adoptieren wollen.
Über mehr solche Sendereihen würde ich mich freuen. Es muss nicht unbedingt eine komplette Woche sein, aber vielleicht ein Thementag oder ein Wochenende an dem man über eine diskriminierte Minderheit wahrheitsgemäß berichtet und nicht irgendeine Serie oder ein Film ein Klischee noch bekräftigt.




Donnerstag, 24. September 2015

L wie Liebesleben I ABC eines Schwulen

Als ich mir über dieses ABC gedanken gemacht habe, war mir relativ schnell klar, dass es bei dem Buchstaben L um das Thema Liebe bzw. das Liebesleben eines Schwulen gehen sollte. Allerdings habe ich mir nie genauer Gedanken dazu gemacht, um was es genau dabei gehen sollte. Außerdem habe ich das Thema Liebe schon einmal in einem anderen Beitrag behandelt, sodass es unnötig wäre zweimal darüber zu schreiben.
Die logische Schlussfolgerung daraus wäre also, dass es nun um das Thema Liebesleben gehen wird. Aber wen wird das Interessieren? Was könnte man überhaupt dazu schreiben? Was sagt das Liebesleben eines einzelnen schon über eine ganze Gruppe aus? Und warum sollte ich über mein Liebesleben reden? Nur weil ich schwul bin? Habe ich allein aus diesem Grund kein Anrecht mehr auf eine Privatsphäre?

Doch, die habe ich. Jeder hat ein Anrecht darauf über private Angelegenheiten zu schweigen. Was bei mir im Bett passiert, dass geht wohl nur meinen Freund und mich etwas an. So wie es bei jedem anderen Paar auch der Fall ist.
Und dennoch beschleicht mich das Gefühl über das Liebesleben eines Schwulen berichten zu müssen. Es ist nochmal an der Zeit, dass euch jemand sagt, dass Ihr da etwas falsch verstanden habt. Denn in der Liebe und dem Liebesleben geht es nicht nur darum Sex zu haben. Sondern auch darum einen Menschen zu kennen, dem man zu 100 % vertrauen kann. Und zwar blind.  Einen Menschen zu kennen, dem man nicht Misstrauen braucht, der immer für einen da sein wird und alle Entscheidungen gemeinsam getragen werden.
Aber die Dinge ändern sich. Und das ist ok, das ist gut. Nur so kann sich etwas weiterentwickeln. Was gestern vielleicht noch ein Tabuthema war, darüber spricht man heute offen und ehrlich ohne jegliches Schamgefühl.
Welches Extrem der beiden nun besser sein mag, darüber lässt sich streiten. Letztlich muss man nämlich beide Extreme einmal austesten um später einen geeigneten Mittelweg zu finden.

Über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, wurde über das Thema Sex kein Sterbenswörtchen gesprochen. Es war nunmal eines der Tabuthemen. Aber mit jeder neuen Generation setzen auch Veränderungen ein. Nach und nach wurde immer offener und immer freier über das Thema geredet und diskutiert. Inzwischen sind wir sogar soweit, dass wir Liebe und Sex kaum noch voneinander unterscheiden können.
In einem Entwurf eines neuen Bildungsplans steht dann etwas von sexueller Vielfalt und nur kurze Zeit später heißt es, dass den Schülerinnen und Schülern bald gelehrt wird, was sie von einer Prostituierten alles erwarten könnten. Was natürlich ein Gerücht ist. Jeder hat den Begriff 'sexuelle Vielfalt' für sich interpretiert, wobei einige natürlich ausschließlich an den Geschlechtsverkehr an sich gedacht haben. Tatsächlich gemeint war mit sexueller Vielfalt aber, den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass man sich nicht unbedingt in das andere Geschlecht verlieben muss. Gemeint war aufzuzeigen, dass es eben nicht nur Heterosexuelle, sondern auch Homosexuelle oder Transgender gibt. Und es eben keine Schande ist, wenn man so empfindet.
Die Debatte um den Bildungsplan - Worum geht es?
Aber die Macht, die ein einzelnes Wort hat, ist manchmal nicht zu überblicken. Allein schon die Tatsache, dass in dem Entwurf eines Bildungsplans das Wort 'sexuell' auftaucht, scheint viele verstört zu haben. Kaum sind die magischen drei Buchstaben gefallen, schon kreisen die Gedanken nur noch um das Thema Sex. Daran zu denken, was sich der Autor des Schriftstückes bei dieser Wortwahl vielleicht noch gedacht haben könnte, spielt wohl keine Rolle.

Machmal ist es schon erschreckend wie sehr man doch auf seine Wortwahl achten muss, um genau das auszudrücken, was man möchte. Sogar wenn es nur ein erster Entwurf, ein möglicher Lösungsansatz ist, an dem man noch Verbesserungen durchführen kann und muss.



Montag, 3. August 2015

Was ist Liebe?



Der Sommer ist da! Freibäder haben geöffnet. Die Strände füllen sich wieder. Jeder zeigt was er hat. Jeder möchte braun werden. Nochmal richtig Sonne tanken. Häuser und ganze Wohnsiedlungen scheinen an einem sommerlichen Tag wie ausgestorben zu sein. Jeder scheint irgendwo das kühle Nass zu suchen.
Natürlich trifft man dabei auch auf die ein oder anderen Paare. Manche haben sich erst vor kurzem kennengelernt. Andere kennen sich schon Jahre lang. Manche tragen den Partner auf Händen. Andere haben schon die erste große Krise hinter sich und sind trotzdem noch zusammen. Sie lieben sich trotzdem noch. Aber was ist Liebe eigentlich? Was macht Liebe aus? Wozu lieben wir? Was macht die eine große Liebe so besonders? Warum ist die große Liebe so selten geworden?

Was ist Liebe?
Ein sehr philosophisches Thema. Eine Frage, die so leicht gar nicht zu beantworten ist. Auch ich habe mir über Tage und Wochen Gedanken dazu gemacht. Es ist ein Thema welches mir am Herzen liegt. Hier und da habe ich nämlich immer wieder das Gefühl, dass die Worte: "Ich liebe dich" falsch gedeutet werden.

"Ah! Die Liebe. Ein grausamer Fehler - und doch so furchtbar leicht zu entzweien."
- Davy Jones, Pirates of the Caribbean 3 

Kaum wird über das Thema Liebe gesprochen, schon kommen die ersten Sexwitze. Und damit nicht genug. Innerhalb von Sekunden ist das Niveau am Boden angekommen. Jedenfalls wenn Männern unter sich sind. Hier scheint es nur die Gleichung Liebe = Sex zu geben.
Aber auch in anderen Bevölkerungsgruppen scheint sich diese Gleichung durchgesetzt zu haben. Vor allem bei Menschen, die sich nicht auskennen und nur versuchen möglichst viele Ängste zu schüren.
Ich bekomme das immer wieder mit, wenn es um gleichgeschlechtlich Liebende geht. Kaum sollen auch sogenannte LGBTI im Schulunterricht behandelt werden, schon heißt es, dass die Kinder demnächst lernen, was man von einer Prostituierten alles erwarten kann.
Ebenso das Thema Homo-Ehe. Sobald gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürften, sei die Ehe nichts mehr wert. Die Ehe zwischen Geschwistern, sowie von drei oder mehr Personen würde somit ins Leben gerufen.
All dies ist natürlich vollkommener Humbug. Den Schülern soll lediglich vermittelt werden, dass sie sich nicht zwangsläufig in das andere Geschlecht verlieben müssen. Es gibt sogar Schulen, die schon das Thema sexuelle Vielfalt mit im Unterricht behandeln und dort weder übermäßig viele Schwulen und Lesben gibt, noch dass Sex Thema Nummer 1 im Unterricht sei.

Aber was ist Liebe nun genau? Was bedeutet es "Ich liebe dich" zu sagen?

Das Gefühl verliebt zu sein wird wohl jeder kennen. Die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Dieses einmalige, unbeschreibliche Gefühl, wenn einem das Herz höher schlägt. Einen Menschen zu lieben ist doch ein wunderschönes Gefühl. Ein Mensch an seiner Seite zu haben. Jemanden, der einen beschützt, bei dem man sich sicher fühlt.

Ich liebe dich. Es sind die wohl schönsten Worte die man hören kann. 
Ich liebe dich. Drei Worte, die alles verändern können.
Ich liebe dich. Und alles scheint vergessen.
"Denn Liebe ist keine Emotion. Liebe ist ein versprechen. 
Er wird ihr niemals etwas antun."


- The Doctor, Doctor Who (S8 E12)

Einen Menschen zu lieben bedeutet nicht nur, dass man Zeit mit ihm verbringen will. Es bedeutet auch nicht, dass der Sex unglaublich gut ist und man gerne mehr hätte. Hinter den drei Worten steckt sehr viel mehr.
Ich liebe dich bedeutet auch, dass man einem Menschen vertraut. Dass man jede Entscheidung mit ihm trägt. Dass man mit diesem Menschen durch dick und dünn geht, komme was da wolle. Auch der größte Streit und die dunkelsten Stunden im Leben hält man zusammen. Man ist immer füreinander da. Denn Liebe ist keine Emotion. Liebe ist ein versprechen. Das Versprechen immer füreinander da zu sein. In guten wie in schlechten Tagen.

Montag, 22. Juni 2015

Der deutsche Schulpreis

Es ist das Ereignis über dass sich alle die Mäuler zerreißen. Die 20-jährige Modestudentin Tanja Fuß scheiterte bei Wer wird Millionär schon an der 50-Euro-Frage. Eine Frage, die bisher jeder richtig beantwortet hatte. Aber nicht diesmal. Tanja durfte gerade einmal 45 Sekunden auf dem legendären Stuhl platz nehmen. Für Sie war das ganze ein kurzes Vergnügen.
Aber woran lag es? Hatte Sie die Frage nicht verstanden? Konnte Sie mit den Antworten nichts anfangen? Hatte Sie das Ganze auf die leichte Schulter genommen? Oder lag es eventuell an unserem Bildungssystem? Lernen wir nur noch für die nächste Prüfung? Folgen wir nur noch einem Ziel ohne auch mal links und Rechts des Weges zu schauen?

Vor gut zwei Wochen wurden die Besten Schulen Deutschlands ausgezeichnet. Dabei ging es nicht um die Schulform, das Bundesland, die Ausstattung oder das Geld. Bei dem deutschen Schulpreis wird die Schule ausgezeichnet deren Unterrichtskonzept besonders innovativ und exzellent ist. Es hängt also alles an den Lehrern, die den Mut haben, neue Wege zu gehen.

Eine der ausgezeichneten Schulen ist die Gesamtschule im Wuppertaler Stadtteil Barmen. Sie mache es möglich, dass "alle an ihr Ziel kommen", so Michael Schatz, der Sprecher der Jury.
In dem 20 jährigen Bestehen der Gesamtschule hat sich vieles verändert. So dauert hier eine Schulstunde 65 statt 45 Minuten, es lasse sich einfach besser arbeiten. Aber auch der Begriff Klassenzimmer wurde neu definiert. Nun lernen die Kinder auch in der Bibliothek, am Rande des Schulteichs oder auch auf dem Fußboden der Galerie unter einem riesigen Glasdach.
Eine dieser Veränderungen klingt aber gerade zu revolutionär: Es gibt an dieser Schule so gut wie keine Hausaufgaben. Lange Zeit war dies kaum vorstellbar. Heute ist es aber Realität geworden. Zumindest an dieser Schule in Wuppertal.
Die Idee dahinter ist aber schon älter. Bereits und den 80er Jahren gab es die ersten Forderungen Hausaufgaben abzuschaffen. Den Schülern sollte unnötiger Stress erspart bleiben. Leider ohne Erfolg. Eltern und Lehrer glaubten auch weiterhin an die Paukerei daheim. Der Schulstoff sollte mithilfe der Hausaufgaben weiter vertieft und gefestigt werden. Bildungsforscher bezweifeln dies aber schon seit längerem.
Statt der üblichen Hausaufgaben gibt in Barmen sogenannte "Arbeitsstunden". In dieser Zeit können die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben für den Unterricht bearbeiten. Diese Schulstunden sind nicht wie in Ganztagsschulen drangehängt sondern finden zur besten Zeit des Tages statt: etwa um 10:30 Uhr, 65 Minuten lang. Solche Stunden finden zwei bis dreimal pro Woche statt. Die Klassenlehrer sind immer dabei.
In einer solchen Arbeitsstunde geht es aber nicht nur darum stumm und konzentriert vor sich hinzuarbeiten. Dies findet nur im ersten Teil der Stunde statt. Danach geht es raus auf den Flur. Nun beginnt der angenehmere Teil der Stunde. Die Kinder erzählen sich was sie gerade bearbeitet haben und was sie persönlich herausgefunden haben.
In Barmen hat jeder Schüler ein "Logbuch". Darin stehen die Aufgaben, welche bearbeiten werden müssen, natürlich maßgeschneidert für jedes Kind. Ist eine dieser Aufgaben erledigt, kann das Kind sie abhaken. Sollte sie nicht fertig sein, so muss der Schüler oder die Schülerin eben doch zu Hause nacharbeiten. Um dies zu kontrollieren müssen die Eltern jede Woche das Logbuch unterschreiben. Ganz ohne Hausaufgaben geht es dann wohl doch nicht. Aber dies haben die Schüler selbst in der Hand. Wer trödelt und nicht konzentriert arbeitet, der muss eben nacharbeiten. So lernen die Kinder aber auch ihre Zeit einzuteilen.
Die Unterrichtszeit ist zwar länger. In Barmen geht sie bis 15:05 Uhr. Dennoch haben die Schülerinnen und Schüler mehr Freizeit. Sie müssen sich schließlich nicht noch stundenlang mit den Hausaufgaben rumschlagen. So bleibt mehr Zeit für Freunde, Familie oder auch das ein oder andere Hobby.

"Früher lernte man für das Leben, heute gibt es Abschlussprüfungen."


Ein Dozent an der Uni sagte einmal: "Früher lernte man für das Leben, heute gibt es Abschussprüfungen." Ein Satz, der unser Bildungssystem auf den Punkt bringt. Natürlich gibt es Fächer und Themengebiete die macht man nicht so gerne, in denen bekommt man auch eher schlechtere Noten. Aber auch diese Zeiten gehen vorbei und es kommen interessantere Themen.
Was mich persönlich an unserem Schulsystem stört ist, dass der Schwerpunkt darauf gelegt wird eine Prüfung zu bestehen. Bei den Themen Zeitmanagement oder Eigenverantwortung, da werden die Schülerinnen und Schüler eher alleingelassen. Dabei gehören doch eben diese zu den Grundkompetenzen die man im späteren Leben braucht.
In der Gesamtschule in Barmen erlernen die Schüler auch diese Kompetenzen im Fach "Arbeitsstunden", wo sie selbständig ihre Aufgaben erledigen. Die Frage ist wann dieses Lernkonzept auch an anderen Schulen Einzug hält.

Montag, 2. März 2015

LGBTI ergreifen Weltherrschaft / Hetero könnte bald Schimpfwort #1 sein

Ihr armen Heten. Nun könnte bald "hetero" das neue Schimpfwort sein, welches auf Schulhöfen und in Klassenzimmern sich an den Kopf geworfen wird. Die größte Diskriminierung aller Zeiten wird kommen. Rund 6 mrd. Menschen werden es sein. Outen werden sich nicht mehr die LGBTI. Nein, sie werden zu den "Normalen" gehören. Sie werden es endlich geschafft haben. Sie werden voll anerkannte Menschen in der Gesellschaft sein. Sie werden die Rechte haben, denen früher nur Heten zugesprochen wurde. In Führungspositionen werden nur noch LGBTI vertreten sein. Wer in die Regierung will darf nicht hetero sein. Die gesamte Welt wird von ihnen regiert und schon bald werden fremde Planeten bereist um dort den Siegeszug fortzuführen. Überall wird der 28. Juni 1969 zum Feiertag erklärt. Der Tag, an dem alles begann.

Aber stimmt das wirklich? Wird es wirklich so kommen? Was ist dran an der ganzen Geschichte? Muss man sich bald wirklich dafür schämen, dass man hetero ist? Sind dass die Folgen des Stonewall-Aufstands in der Christopher Street?

Die Wahrscheinlichkeit, dass all dies eintreten wird ist doch verschwindend gering. Es werden zwar überall Debatten geführt, was die Rechte von LGBTI-Menschen angeht, aber diese müssen auch zu einem Ergebnis führen und nicht im Sande verlaufen. Zudem stellt sich dabei auch die Frage zu welchem Ergebnis man in der jeweiligen Runde gekommen ist.
Allein die Tatsache, dass in manchen Ländern immer noch die Todesstrafe auf homosexuelle Handlungen steht, macht mich doch etwas stutzig. Oder wie meine Mutter sagen würde: "Wir leben im 21 Jahrhundert, fliegen zum Mars, wollen fremde Planeten besiedeln, aber schaffen es nicht einmal unsere Probleme hier auf der Erde zu lösen."

Zugegeben, seit den Aufständen in der Christopher Street im Jahr 1969 hat sich einiges an den Rechten von LGBTIs geändert. Darüber kann man auch froh sein, gerade weil es sich zum positiven hin verändert hat, aber von der völligen Gleichstellung und der Akzeptanz in der Gesellschaft sind wir noch weit entfernt. Manchmal habe ich sogar das Gefühl wir bewegen uns in einem Hamsterlaufrad. Wir können tun und machen was wir wollen, aber wirklich voran kommen tun wir dabei nicht. Es wird überlegt, wie man Gesetze möglichst genderneutral formulieren kann. Studentenwohnheime heißen nun Studierendenwohnheime. Das Ampelmännchen braucht unbedingt einen neuen Namen und sollte möglichst auch genderneutral aussehen. Im Bundestag werden hitzige Debatten geführt, ob gleichgeschlechtliche Paare denn wirklich ein Recht auf ein Kind haben. Oder auch das beliebte Thema Sexualkunde/Homologie als Unterrichtsfach.

Aber was haben wir davon, wenn alles genderneutral dargestellt wird? Bringt uns das wirklich weiter? Ist es nicht nur neues Material für all die homophoben Menschen, welche nicht wollen, dass ihre Kinder angeblich schwul/lesbisch oder gar transsexuell gemacht werden? Neues Material für all diejenigen, welche angst vor einer Frühsexualisierung der Kinder haben? Für all die Menschen, die plötzlich angst haben, dass sie vielleicht selbst diskriminiert und ausgegrenzt werden könnten?

Das sich die Politik mit den Rechten von LGBTIs auseinandersetzt finde ich gut und das wird auch langsam Zeit. Die Frage ist nur welche Gesetze geändert werden. Beispielsweise die Straßenverkehrsordnung genderneutral zu formulieren finde ich ist der falsche Weg. Viel wichtiger ist da schon die generelle Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Diese haben oft noch Nachteile gegenüber anderen Paaren wie man z. B. beim Adoptionsrecht sieht. Aber an dieses Thema wagen sich nur sehr wenige heran. Haben die Parteien vielleicht angst den ein oder anderen Stammwähler zu verlieren? Wenn ja, dann sollten Sie auch überlegen, wie viele sie evtl. hinzugewinnen. Im Wahlkampf geht es schließlich nicht darum seine Stammwähler zu behalten, sondern möglichst viele Wähler mit dem eigenen Programm zu überzeugen.
Ebenso an das Thema Bildungsplan wagen sich nur sehr wenige heran. Die Bildungsplangegner warnen vor einer Frühsexualisierung der Kinder. Demnächst solle es nur noch um Sexualpraktiken gehen und was man alles von einer Prostituierten erwarten könne. Es werden Ängste geschürt, die gar keine Daseinsberechtigung haben. Dank des Bildungsplans soll nur darauf aufmerksam gemacht werden, dass es eben nicht nur die Vater-Mutter-Kind-Familie gibt, sondern auch andere Formen. Ebenso wie es verschiedene religiöse, kulturelle und ethnische Hintergründe gibt.
Aber das hört sich alles nicht dramatisch genug an. Stattdessen schürt man Ängste, spricht Sorgen von Eltern an, die früher nie existiert haben. In der Schule würde es nur noch um das Thema Sex gehen. Ganze Generationen würden plötzlich homosexuell sein. Heterosexuelle gehörten auf einmal zu einer diskriminierten Minderheit. Das Blatt würde sich wenden. Hetero wäre das neue Schimpfwort #1 auf unseren Schulhöfen.
Manchmal wäre es vielleicht ganz gut, wenn auch mal Heten in den Genuss kommen sich zu outen. Zu wissen wie es ist, wenn man zu einer diskriminierten Minderheit gehört. Seine Liebe zum Partner nicht öffentlich zeigen zu können ohne schief angeguckt oder einen blöden Kommentar zu erhalten. Aber in den ganzen Debatten um den Genderkrieg würden wir auch dann kein Stück weiter kommen. Letztlich muss sich jeder selbst fragen, wo der Unterschied zwischen Homo-, Hetero-, Bi-, Trans- und Intersexuellen besteht. Bei dem ein oder anderen wird man bestimmt verwundert gucken, wenn man plötzlich erfährt, dass sein gegenüber homo- oder transsexuell ist.

Montag, 26. Januar 2015

Für einen Moment

Für einen Moment keine Sorgen haben.
Für einen Moment sich keine Gedanken machen.
Für einen Moment alles vergessen.
Für einen Moment man selbst sein.

Für manch einen mag es unvorstellbar sein solche Wünsche zu haben. Es gibt nämlich tatsächlich Menschen, die sorgenfrei durch die Welt gehen, die sich um nichts Gedanken machen müssen. Menschen, die einfach nur sie selbst sind.
Ich gehöre nicht zu diesen Leuten. Ich weiß, dass ich mir oft viel zu viele Gedanken zu einem Thema mache. Gedanken, die gar keine Daseinsberechtigung haben. Wenn mir dann wieder alles zuviel wird, sehne ich mich nach solchen Momenten. Momente, wo ich mir keine Sorgen, keine Gedanken machen muss. Momente in denen ich alles vergesse und einfach nur ich selbst sein kann.
In der letzten Woche sehnte ich mich nach solchen Augenblicken. Woran das nun genau lag kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem. Die Vorlesungszeit ist nun bald zu Ende. Die ersten Klausuren stehen an. Arbeiten gehen. Recherchen für diesen Blog betreiben und Beiträge posten. Da bleibt nur sehr wenig Zeit für sich.
Ich versuche immer mir diese Zeit zu nehmen, aber manchmal klappt das eben nicht so gut. Es gibt eben auch Zeiten, wo mich die Sorgen nicht loslassen. Zeiten in denen ich mir ständig Gedanken mache. Wo mir manche Dinge nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Zeiten in denen ich nicht ich selbst sein kann oder darf.

Ich bin kein Mensch, der sich um Punkt 20 Uhr vor den Fernseher setzt und die Tagesschau guckt. Ich bin auch nicht unbedingt der Zeitungsleser. Seit Internet, Smartphone, Tablet und der gleichen ist das auch kein Problem mehr. Ich versuche mich immer über die wichtigsten Neuigkeiten zu informieren. Vor allem im LGBTI-Bereich.
Ich weiß nicht ob es nur mir so ergeht, aber aus diesem Gebiet scheint es im Moment nur wenig bis keine erfreulichen Nachrichten zu geben. Im Dezember 2014 hat sich Leelah Alcorn das Leben genommen, weil sie von transphoben Menschen umgeben war. Ihr wurde die Hormontherapie zur Geschlechtsumwandlung von den Eltern verweigert. Im Januar 2015 hat sich ein homosexueller Jugendlicher in einem Internat umgebracht. Der Verein 'Besorgte Eltern' plant Demonstrationen in ganz Deutschland und versucht so die Reform des Bildungsplans aufzuhalten. IS-Anhänger richteten Schwule hin. Lesben wurden aus einem wiener Café geworfen, weil sie sich küssten. Der Papst sieht LGBTI-Menschen als Bedrohung von Ehe und Familie. In Hamburg wurde einem schwulen Paar der Austritt aus dem Fitnessstudio nahegelegt.

Aber allem Schlechten folgt auch etwas Gutes. Erfreulich an den ganzen Nachrichten sind nämlich die Gegendemonstrationen. In den USA ist eine Diskussion über die Rechte von LGBTI-Menschen entfacht. Sogar der Präsident hat sich zu Wort gemeldet. Überall in Deutschland werden Gegendemonstrationen gestartet um für mehr Aufmerksamkeit und Aufklärung an Schulen zu sorgen. In Wien haben tausende Menschen für mehr Gleichberechtigung demonstriert. Es gibt also noch Hoffnung.
Gegner wird es wohl immer geben. Es wird immer Menschen geben, die dich scheitern sehen wollen. Aber das alles spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass man sich von den Schlagzeilen nicht runter ziehen lässt. Wichtig ist, dass man glücklich durchs Leben geht.
Als Homosexueller oder Transgender wird man automatisch von anderen Mitmenschen begafft. Es ist eben kein alltägliches Bild, was man da zu sehen bekommt. Damit muss man leben. Aber sich ständig Gedanken darüber zu machen, was denn nun meine Mitmenschen davon halten ist auch nicht gut. Es geht schließlich um mich, um mein Leben und es ist allein meine Entscheidung wann und mit wem ich glücklich bin. Auch wenn es nur für einen Moment ist, lohnt es sich dafür zu kämpfen. Für einen Moment sorgenfrei zu sein, sich keine Gedanken machen zu müssen. Für einen Moment alles zu vergessen. Einfach nur man selbst sein und den Moment genießen.

Sonntag, 18. Januar 2015

Wie merke ich, dass ich schwul bin?

Überall in Deutschland werden Ängste geschürt. Der Verein "Besorgte Eltern" will Demo's in ganz Deutschland abhalten. Sie protestieren gegen den "Sexualkundezwang", der scheinbar mit dem neuen Bildungsplan in Kraft treten wird.

Im neuen Bildungsplan ist von sexueller Vielfalt die Rede. Allein das Wort "sexuell" scheint bei manchen schon die wildesten Fantasien zu wecken. Wenn dann auch noch Homo- und Transsexuelle erwähnt werden, drehen die Leute völlig durch. Sie haben Angst, dass ihr Kind schwul/lesbisch gemacht wird oder demnächst selbst entscheiden muss, welches Geschlecht es haben will.
Aber ist das wirklich so? Sieht das der Bildungsplan so vor? Kann ich schwul/lesbisch gemacht werden? Stehen meine Kinder bald vor der Entscheidung: Mann oder Frau?

Ein wichtiger Schritt im Leben eines Menschen ist es sich seiner Identität bewusst zu werden. Bei Homosexuellen ist das oft ein langer Weg voller Höhen und Tiefen. Diese Selbstfindungsphase ist vielen Heterosexuellen unbegreiflich. Sie verlieben sich in das andere Geschlecht, was auch als normal empfunden wird. Homosexuelle hingegen stehen irgendwann vor der Frage: "Bin ich schwul/lesbisch?"
Ich weiß noch wie ich vor dem PC saß und das World Wide Web befragte: "Bin ich schwul?" oder "Wie merke ich, dass ich schwul bin?" Wie alt ich damals war weiß ich gar nicht mehr. Mein Interesse galt aber schon länger den männlichen Schauspielern und auch bei Paaren auf der Straße wanderte mein Blick immer zu den Männern.
Für mich war das Ganze eine fürchterliche Zeit. Das Gefühl die Erwartungen meiner Eltern nicht erfüllen zu können war grauenvoll. Immer wenn das Thema Zukunft zur Sprache kam, ging es um eine Frau und Kinder. Homosexualität schien es nicht zu geben. Wenn es doch mal angesprochen wurde, wurde es problematisiert oder ins lächerliche gezogen. Zudem hatte ich selbst das Gefühl, dass meine Gefühle für Männer falsch seien und hoffte, dass sie eines Tages wieder vorbei gehen würden.
Eines Abends gestand ich mir dann aber selbst ein schwul zu sein. Eine große Last ist von mir gefallen. Ich wusste endlich wer ich war und was ich wollte. Mir war plötzlich klar, dass auch Homosexuelle ganz normale Menschen sind.
Ich hatte vorher nie mit dem Thema Homosexualität oder mit Homosexuellen zu tun und dennoch bin ich schwul. Man kann also nicht homosexuell gemacht werden, man ist es. Je eher man diese Tatsache annimmt, desto besser. Die Frage: "Bin ich schwul/lesbisch?" liefert also meist auch die Antwort: "Ja, ich bin's."

Niemand kann etwas daran ändern ob man nun Homo-, Hetero- oder Transsexuell ist. Auch kein Bildungsplan. Dieser soll nur für mehr Toleranz und Akzeptanz sorgen und so dem ein oder anderen bei dem Outing helfen. Es geht hier schließlich um das Thema Liebe. Welche Eltern wünschen sich nicht, dass das eigene Kind glücklich verliebt ist?

Freitag, 9. Januar 2015

Welchen Wert hat ein Leben? / Leelah Alcorn

Welchen Wert hat ein Leben? Wie wichtig ist uns unser eigenes leben? Wie wichtig ist uns das Leben Anderer? Was würden wir tun, um zu leben?

Der Fall Leelah Alcorn lies mich darüber nachdenken. Sie hat das Jahr 2015 nie erlebt. Leelah hat sich nämlich am 29. Dezember 2014 das Leben genommen. Sie hat jeden Willen am Leben zu bleiben verloren. Sie durfte ihre eigene Persönlichkeit nicht ausleben, weil sie transgender war.
Leelah wurde als Junge unter dem Namen Josh Alcorn geboren. Bereits mit vier Jahren fühlte sie sich als Mädchen. Mit 14 Jahren lernte Leelah, was "Transsexualität" bedeutet. Nach dem Outing bei den Eltern fängt die Höllenfahrt aber erst richtig an. Die Eltern verweigern ihr die Hormontherapie. Daraufhin outet sich Leelah vor ihrer Klasse als Schwul. Viel zu groß ist die Angst auch bei ihren Freunden auf Ablehnung zu stoßen. Die Klasse nimmt das Outing positiv auf. Als die Eltern davon erfahren wird Leelah von der Schule genommen und jeglicher Kontakt zur Außenwelt wird unterbunden. Als das Schuljahr vorbei ist darf Leelah wieder mit ihren Freunden kommunizieren, aber diese haben sich bereits von ihr abgewandt. Leelah wurde von niemandem aus ihrem Umfeld unterstützt und nahm sich im Alter von 17 Jahren das Leben.

Ein Fall, der zu Tränen rührt. Ein Fall, der zum nachdenken anregt.
Was sind wir nur für Menschen? Was sind wir für Eltern? Wer verweigert dem eigenen Kind glücklich zu sein? Würden wir als Eltern nicht alles dafür tun, dass unser Kind glücklich wird?
Der Fall Leelah Alcorn zeigt das deutlich: Nicht jeder kämpft für das Glück des eigenen Kindes.
Leelah hätte nur noch ein Jahr warten müssen, dann hätte sie selbst über eine Hormontherapie entscheiden können. So lange wollte sie aber nicht mehr warten. Sie entschied sich lieber für den Tod, um damit für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen.
In ihrem bewegenden Abschiedsbrief ruft sie zu mehr Aufklärung an Schulen auf. Homosexualität und Transsexualität gehören auch in den Unterrichtsstoff. Je eher die Schüler aufgeklärt werden, desto besser.

R.I.P. Leelah !!!!! We miss you!!!!!


P.S.: Leider wurde der Blog von Leelah gelöscht. Hier sind aber drei Screenshots vom Abschiedsbrief.






Samstag, 3. Januar 2015

Bildungsplan / Hamburg demonstriert

Der Bildungsplan ruft mal wieder auf die Straßen. Nun ist Hamburg an der Reihe. Der Verein 'Besorgte Eltern' demonstriert am Samstag, den 24. Januar 2015 gegen den neuen Bildungsplan. Sie kämpfen für das Recht aller Eltern, ihre Kinder altersentsprechend und sensibel bei der Herausbildung ihrer Sexualität zu begleiten. Dabei wird auch gegen jede Form der Frühsexualisierung in Kitas, Kindergärten und Schulen demonstriert. Aber liegt das wirklich am Bildungsplan? Ist der Bildungsplan schuld daran, dass Kinder und Jugendliche viel früher mit Sexualität in Berührung kommen? 
Es ist zu einem alltäglichen Bild geworden. Kinder und Jugendliche hängen nur noch an ihrem Smartphone. Gespräche von Angesicht zu Angesicht scheint es nur noch bei älteren Generationen zu geben. Es ist viel einfacher jemanden über Facebook, WhatsApp, Snapchat, Instagram oder Twitter zu erreichen. Die Kommunikation scheint ausschließlich über das Internet zu funktionieren. Innerhalb kürzester Zeit kann man hunderte von Menschen über ein Ereignis informieren. Bereits mehr als 80% aller 12- bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone mit Internetzugang, bei den 16- bis 17-Jährigen sind es 93%. Niemand scheint sich noch Gedanken darüber zu machen, auf welchen Seiten die Kinder und Jugendlichen unterwegs sind. Es ist ein leichtes auf Internetseiten mit pornografischem Inhalt zu gelangen. Auch die Abfrage ob man schon über 18 Jahre alt ist, lässt die Jugendlichen nicht zurückschrecken. Nach einer bislang unveröffentlichten Pilotstudie der Uni Münster haben 46% der 14- bis 15-Jähringen schon einmal pronografische Bilder oder Videos gesehen.
Hamburg demonstriert Vielfalt
24.01.2015 11:00 Uhr

Aber ist nun der Bildungsplan an einer Übersexualisierung schuld? Nein, sagt Alexandra Wolfram. Sie unterrichtet seit 41 Jahren Grundschüler in Berlin. Sie findet es sogar richtig, wenn die Aufklärung schon früh beginne. Durch Internet und Fernsehen, aber auch durch Sprüche älterer Geschwister kommen die Schüler schon früh mit Sexualität in Berührung. Die Jüngeren verstehen aber oft nicht, was sie sehen oder hören. Aufklärung könne dabei helfen, Diskriminierung zu bekämpfen. Am 24.01.2015 wird daher auch unter dem Motto: "Vielfalt statt Einfalt" demonstriert. Hier macht man sich für den Bildungsplan stark. Es geht eben nicht darum irgendwelche Sexstellungen oder ähnliches zu unterrichten, sondern vielmehr darum Lebensvielfalt angemessen abzubilden und für mehr Toleranz und Akzeptanz zu sorgen. "Lieber selber aufklären und dann altersgerecht, als es dem Zufall überlassen."  Wie man die Schüler aufklären kann zeigt ein Grundschullehrer, welcher eine Anti-Mobbing-Woche dazu nutzte.

Aber was ist nun so schlimm an dem neuen Bildungsplan? Was ist so schlimm daran Lebensvielfalt angemessen abzubilden? Ist es nicht egal ob ich eine Schwiegertochter oder einen Schwiegersohn bekomme? Wünschen sich nicht alle Eltern, dass ihr Kind glücklich ist? Dass es mit einem anderen Menschen zusammen lebt?


Im neuen Bildungsplan geht es darum die Schüler zu mehr Toleranz und Akzeptanz zu erziehen und das nicht nur gegenüber Homosexuellen und Transgendern. Der Bildungsplan soll auch für mehr Toleranz gegenüber anderen ethnischen oder religiösen Abstammungen sorgen oder auch für die Inklusion behinderter Menschen. Aber all diese Dinge scheinen keine Bedeutung zu haben. Die Angst vor Homosexuellen scheint dann doch größer als gedacht. die Angst, dass das eigene Kind schwul oder lesbisch sein könnte. Aber wie viele Homosexuelle kennen wir? Und wie viele kennen wir so gut, dass wir uns eine Meinung über diese bilden dürfen? Reicht einer? Zwei? Vielleicht fünf?Fakt ist, solange man sich nicht mit dem Thema beschäftigt hat, sollte man sich auch nicht dazu äußern. Leider gibt es aber immer wieder Menschen die blind einer Bewegung folgen. Die Behauptungen nicht hinterfragen. Menschen die nicht selber über ein Thema nachdenken. Manchmal wäre es ganz hilfreich sich auch selber Gedanken zu machen. Sich selber Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen zu suchen. Bei LGBT-Menschen wird man schnell feststellen, dass sie auch nur Menschen sind. Menschen, die ein ganz normales Leben führen.


Wann beschäftigt man sich mit einem Thema? Wann ist die Zeit gekommen wo ich sage: "Darüber will ich nun mehr erfahren"? Am ehesten wenn sich jemand mit dem Thema auskennt und darüber erzählt. Aber nicht jeder hat Homosexuelle oder Transgender im Freundes- oder Bekanntenkreis. Um dennoch für mehr Toleranz und Akzeptanz zu sorgen, muss man die Menschen aufklären. Dabei soll der neue Bildungsplan helfen. Vielleicht gibt es in Zukunft Menschen, die es leichter bei ihrem Coming Out haben werden. Dass die Person nun aber schwul, lesbisch, bi oder trans ist, hat nichts mit dem neuen Bildungsplan zu tun.