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Mittwoch, 28. Februar 2018

Leben und leben lassen


In den letzten Wochen habe ich mal wieder etwas weniger gepostet. Liegt unter anderem daran, dass ich mal wieder für ein paar Klausuren lernen muss und daher auch nicht so viel Zeit habe. In der vergangenen Woche ist aber mal wieder ein Thema in aller Munde, worüber auch ich mich hier einmal auslassen möchte.
Es geht um einen Artikel, der im Zeit Magazin erschienen ist. Darin geht es um den weltbekannten DJ Felix Jaehn. Dieser hat sich nun öffentlich zu seiner Bisexualität bekannt. Ein Statement, welches sich in der LGBT-Szene natürlich verbreitet wie ein Lauffeuer. Jede Internetseite, jedes Magazin berichtet nun über dieses Outing. Der Musiker und Produzent Felix Jaehn ist mal wieder in aller Munde.
Warum er sich gerade jetzt zu seiner Bisexualität bekennt, sei mal dahin gestellt. Einige böse Zungen werden vermutlich sagen, dass es mit der Veröffentlichung seines Debutalbums I zu tun hat und er so größere Verkaufszahlen, mehr Downloads bzw. häufigere Streams damit erreicht. Ein so erfolgreicher Musiker wie Felix Jaehn, der innerhalb kürzester Zeit weltbekannt geworden ist, hat es aber eigentlich nicht nötig sich durch klatsch und tratsch wieder zum Gesprächsthema zu machen. Letztlich spricht eben die Musik für seinen erfolg und dieses Handwerk beherrscht der junge Mann wirklich gut. Selbst ich, der lieber Lieder aus dem Genre Pop/Rock oder auch mal Metall hört, kann bei den Liedern von Felix Jaehn nicht still sitzen. Ja, es macht sogar richtig spass sich diese Songs anzuhören und gerade jetzt, wo ich so einige Songs von diesem Ausnahmekünstler kenne, habe ich auch irgendwie bock mir ein Konzert von ihm anzuschauen und seine Show live mitzuerleben.

"Ich träume davon, den Menschen zu finden, mit dem ich mein Leben teilen möchte"
- Felix Jaehn


Aber genug der Schleimerei. Warum ich diesen Artikel eigentlich verfasse ist, dass endlich auch mal eine prominente Persönlichkeit zu ihrer Bisexualität steht. Diese Gesellschaft besteht eben nicht nur aus homo- und heterosexuellen Menschen. Im Gegenteil. Es gibt sogar sehr viele unterschiedliche Sexualitäten, genauso wie es unzählig viele verschiedene Charakteren und Eigenarten von Menschen gibt. Die Menschheit sieht nur oft nicht die Vielfalt unserer Gesellschaft. Selbst in der LGBT-Szene, in der man doch eigentlich davon ausgehen kann, dass man sich mit Ehre und Respekt begegnet und keinen Menschen ausgrenzt, gibt es leider auch eine Form der Ausgrenzung. Gerade Bisexuelle sind davon häufig betroffen, weil sich viele Schwule oder Lesben sich nicht vorstellen können, dass man sowohl auf das männliche, als auch auf das weibliche Geschlecht steht.
Ein Outing als Bisexueller ist also gleich doppelt schwierig, da sowohl ein Teil der heterosexuellen Bevölkerung, als auch ein Teil der homosexuellen Bevölkerung einen nicht versteht und lieber Ausgrenzt. Das Outing von Felix Jaehn als Bisexueller lässt uns also nicht nur ein weiteres Mal erkennen, dass Schwule und Lesben mitten unter uns leben, sondern auch, dass es Bisexuelle gibt. Und wer weiß, vielleicht wird auch eines Tages eine berühmte Persönlichkeit an die Öffentlichkeit treten und sich zu seiner/ihrer Transsexualität stehen, wovon früher noch keiner wusste.
Ich persönlich bin auf jeden Fall sehr sehr dankbar, dass Felix Jaehn nun den Schritt gegangen ist und sich öffentlich geoutet hat. Damit zeigt er uns allen, Homo- wie Heterosexuellen, dass unsere Gesellschaft eben nicht nur schwarz oder weiß ist, sondern wie ein Regenbogen viele verschiedene Farben hat.
Ich hoffe, dass der Traum von Felix Jaehn eines Tages in Erfüllung geht. Dass er eines Tages neben der Person aufwacht, mit der er sein Leben verbringen möchte. Es ist nämlich eines der schönsten Dinge im Leben. Und vielleicht wird es dann auch gar nicht mehr so einen großen Presserummel geben, weil es doch eigentlich egal ist, mit wem wir unser leben verbringen möchten. Die Hauptsache ist doch, dass wir glücklich sind.
Am Ende sollten wir uns eben alle als eine Gemeinschaft sehen, in der viele unterschiedliche Persönlichkeiten leben. Niemand sollte erfahren müssen, wie es ist, wenn man ausgegrenzt und verachtet wird. Wir sollten alle viel öfter nach der Devise handeln: 'Leben und leben lassen.'

Mittwoch, 7. Februar 2018

Die Vielfalt unserer Gesellschaft

In der vergangenen Woche habe ich viel darüber nachgedacht, was ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe. Beziehungsweise, was ich eigentlich schreiben wollte. Was wollte ich überhaupt aussagen? Und ist mir das eigentlich auch gelungen? Oder bin ich am Ende des Beitrags doch irgendwo anders gelandet, als ich eigentlich wollte?
Zudem kommt noch ein Artikel, den ich im Internet gelesen habe und ein Kommentar eines Kollegen/Bekannten, der mich letztlich dazu bewegt, dass ich mich hier noch einmal zu dem entsprechenden Vorfall äußern möchte.

Wie jeder sicherlich hier nachlesen kann, ging es in meinem letzten Post um meine Lieblingsserie Doctor Who. Und im speziellen um den Hauptcharakter, welcher jedem Lebewesen bzw. jeder Lebensform mit Ehre und Respekt begegnet. Genau das ist der Punkt, an dem die Menschheit immer und immer wieder scheitert. Es gibt einfach Menschen, die es nicht ertragen können, dass andere vielleicht glücklicher sind, als sie selbst. Es gibt Menschen, die nicht glauben können, dass andere vielleicht anders empfinden, als sie selbst. Es gibt Menschen, die glauben, es gibt nur Gut und Böse, doch letztlich ist es immer eine Frage der Perspektive. Von der falschen Seite des Bestecks, kann die Nahrungsaufnahme auch als Mord gedeutet werden.

Aber lasst mich doch einfach von vorne beginnen, dann versteht ihr vielleicht auch, warum ich mich so darüber aufrege und hier meine Meinung dazu äußern möchte.
Am Wochenende war ich mit meinem Freund auf einem Geburtstag eingeladen. War auch soweit nichts besonderes. Unsere Freunde wissen schließlich, dass wir zusammen sind. Doch manche müssen eben dennoch den ein oder anderen blöden Kommentar dazu abgeben. Was eigentlich auch nicht wirklich schlimm ist, die Standardsprüche kennt man schließlich. Aber manches ist einfach auch wieder zu viel.
Nun habe ich selbst den Kommentar des Bekannten nicht so wirklich mitbekommen, aber mein Freund hat mich am Tag danach, darauf angesprochen. Als wir auf der Feier ankommen, gab es da wohl den Kommentar, dass die Kinder-Ficker nun auch da sein. Da wir nun auch zu fünf Leuten dort gleichzeitig ankamen, kann ich natürlich nicht zu 100% sagen, dass dieser Kommentar meinem Freund und mir galt, aber den diversen Klischees zu urteilen, glaube ich das schon.
Allerdings besteht in diesem Kausalzusammenhang ein kleines Problem. Erstens sind mein Freund und ich nur schwul. Zweitens: Wenn wir vögeln, dann ohne Kinder. Und drittens stehen wir beide weder auf Zwölfjährige, noch auf Kinder jüngeren Alters. Oder kurz gesagt: Wir können gar nicht pädophil sein, weil wir kein sexuelles Interesse an Kindern haben. Dafür müssten wir beide nämlich auf Mädchen und/oder Jungs bis zu einem Alter von 12 Jahren stehen. Danach fängt nämlich die Pubertät an und das Kind entwickelt sich weiter bis hin zum Erwachsenen. Es ist also vollkommener Schwachsinn, dass Schwule gleichzeitig auch immer Pädophil sein müssen.
Und wenn man als 13,14,15 oder 16 jähriger Junge dann rein zufällig auf den süßen Blonden zwei oder drei Stufen unter einem steht, dann hat das ebenso wenig mit Pädophilie zu tun. Es gehört nunmal dazu, dass man auf Leute im selben Alter steht. Aber auch zu dem Thema Pädophilie habe ich hier schonmal etwas geschrieben. Wer mag, kann sich den Artikel ja auch gerne nochmal durchlesen.

Kämen wir nun also zu Punkt zwei, der mich in der letzten Woche so aufgeregt hat. Der Artikel stammt von der Internetseite queer.de und trägt den Titel: "Erzbistum lädt Lesben und Schwule zum Treue-Kurs"
Allein schon bei diesem Titel verspüre ich ein innerliches Verlangen danach, nun endlich aus der Kirche auszutreten. Als ob nur homosexuelle Paare untreu sein würden. Wie viel Klischee kann es denn bitte noch sein.
Natürlich handelt es sich hier mal wieder um die katholische Kirche, welche homosexuelle Paare und Singles zu einem Seminar einlädt, bei dem es um Liebe und Monogamie gehen soll.
Nun ist es ja so, dass die Kirche durchaus schon ein paar Tage alt ist, und ich verstehe auch, wenn es da den ein oder anderen gibt, der in seinen Denkmustern noch etwas rückständig ist, aber das Thema Liebe und Monogamie sollte nicht nur für Homosexuelle gehalten werden. Es gibt nämlich wahrhaftig viele heterosexuelle Männer und Frauen, die nicht nur einen Partner haben oder die auch schon einmal Fremdgegangen sind. Was ist denn mit diesen Leuten? Werden die einfach aus der Kirche verbannt? Und werden Homosexuelle von der Kirche nicht auch eher mit Füßen getreten? Was soll also diese homofreundliche Schiene? Laufen euch die Anhänger weg?

Aber eigentlich ist mir das alles auch irgendwie egal. Ich bin nunmal ein gläubiger Mensch, aber ich lasse mich eben nicht von irgendeiner Institution beeinflussen. Jeder hat doch letztlich das recht ein glückliches und gesundes Leben zu führen. Dabei ist es doch egal ob schwarz, weiß, blond, braun, homo, hetero, bi, pan oder was auch immer es da alles geben mag. Wir sind über 7 Milliarden Menschen auf der Erde und eben so viele unterschiedlich Persönlichkeiten gibt es. Letztlich sind wir also ein riesiger Haufen von Vielfalt. Und genau diese Vielfalt macht unsere Gesellschaft so besonders.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Was wäre wenn?

In den vergangenen Monaten wurde eine neue Staffel meiner Lieblingsserie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Wie es für mich als waschechter Nerd dieser Serie gehört, habe ich mir natürlich jede einzelne Folge angeschaut. Ja, ich habe mir die Staffel sogar direkt auf iTunes gekauft, um jede Folge mindestens zwei Mal zu sehen. Teilweise habe ich die Folgen sogar dreimal gesehen, weil meine Familie auch diese Serie mag. Und jaaa, ich bin wirklich verrückt nach dieser Serie. Ich glaube sogar, dass ich der verrückteste aus der Familie bin.

Aber warum ist das eigentlich so? Was ist so besonders an dieser Serie? Um welche Serie handelt es sich überhaupt? Was hat das mit dieser Überschrift zu tun? Und warum schreibst du in deinem Blog darüber?

Fangen wir einfach mal mit der leichtesten Frage an. Vielleicht wird dann auch dem ein oder anderen klar, warum ich diese Serie so mag. Es handelt sich nämlich um die Serie Doctor Who.
Doctor Who ist eine Science-Fiction Serie der BBC, welche ihre Erstausstrahlung im Jahre 1963 feierte und somit auch die am längsten laufende Science-Fiction Serie der Welt ist. Wer mir nicht glauben mag, der schaue doch bitte im Guinessbuch der Rekorde nach. Da steht die Serie nämlich drin. Nicht jede Serie kann schließlich in diesem Jahr ihr 55 jähriges Bestehen feiern und ich Hoffe, dass es am 23. November diesen Jahres wieder ein Spezial geben wird.
Doctor Who handelt von einem mysteriösen Zeitreisenden namens 'Der Doctor', der mit seinen Begleitern durch Raum und Zeit reist und dabei in diverse Abenteuer verwickelt wird.
Das interessante und spannende daran ist, dass der Doctor eben auch bei geschichtlichen Ereignissen wie dem Ausbruch des Vesuv, oder der Mondlandung, oder der Krönung der Königin Elizabeth II. dabei ist und seine Abenteuer erlebt. Auf die weise schaut man also nicht nur irgend eine Science-Fiction Serie, sondern lernt ab und zu auch noch etwas über große, geschichtliche Ereignisse der Menschheit.
In Großbritannien hat die Serie Doctor Who schon lange ihren Kultstatus erreicht. Vor fünf Jahren, als das Spezial zum 50. Jubiläum ausgestrahlt wurde, saßen gut ein Drittel der britischen Bevölkerung vor dem Fernsehen und sahen sich das Spezial an.

Aber was ist denn nun das Besondere an der Serie?

Schon seit langem zeichnet sich die Serie dadurch aus, dass man eben auch einen Blick auf die Minderheiten in unserer Bevölkerung wirft. Dass man eben auch den Unerwünschten in unserer Bevölkerung eine Stimme verleiht - und den Verstoßenen. Die Serie zeigt einem nunmal, dass es nicht nur EINE Norm gibt, nach der sich doch bitte ALLE Menschen richten sollen, sondern dass eine unglaubliche Vielfalt auf der Erde herrscht. Und im gesamten Universum natürlich auch.
Der Doctor zeigt uns, dass es eben nicht nur die Menschheit auf dem Planeten Erde gibt, sondern, dass es 7 Milliarden Menschen auf der Erde gibt. Dass es 7 Milliarden unterschiedliche Persönlichkeiten gibt. Und sie alle leisten ihren Beitrag zu dem, was wir letztlich Menschheit nennen.
Der Doctor zeigt uns, dass der Mensch eben nicht blond, blauäugig, muskulös, heller Hauttyp, heterosexuell und etwa 1,80 m groß sein muss. Der Doctor zeigt uns, dass alleine der Hauttyp schon unendlich viele Nuancen haben kann. Dazu kommen unendlich viele Nuancen der Haar- und Augenfarbe. Nicht jeder Mensch muss super muskulös sein. Nich jeder Mensch muss heterosexuell sein. Es gibt einfach eine unglaubliche Vielfalt und letztlich lehrt uns der Doctor, dass man jedem Lebewesen, denn der Doctor trifft auch auf außerirdische Lebensformen, immer mit Ehre und Respekt gegenübertreten sollte.
Wenn man all das verinnerlicht hat, wenn man jedes Lebewesen als das akzeptiert, was es ist und man ihm mit Ehre und Respekt begegnet, dann ist Doctor Who nicht nur irgendeine Serie, sondern eine Lebenseinstellung, eine Religion.

Als der Doctor in der Zehnten Staffel von seiner neuen Begleiterin Bill Potts erfährt, dass sie auf Frauen steht, da begegnet er ihr nicht mit Ablehnung oder Verabscheuung, sondern akzeptiert das und behandelt sie wie jeden anderen Menschen auch.
Und vielleicht ist genau das auch der Punkt, warum diese Serie unter Schwulen und Lesben so bekannt ist. Weil dort ein Mann ist, der jeden so akzeptiert, wie er ist. Weil da jemand ist, bei dem man so sein kann, wie man ist und sich nicht verstecken muss.

Was wäre, wenn wir also so handeln würden wie der Doctor? Wenn wir jeden Menschen so akzeptieren würden, wie er ist. Wenn wir den nächsten Flüchtling nicht als Schmarotzer sehen, sondern als Vertriebenen aus dem eigenen Land, der hier einen Neustart versucht. Wenn wir die nächste dickere Person nicht als fettes Schwein titulieren, sondern den Menschen dahinter betrachten, der vielleicht aufgrund einer Lebensmittelunverträglichkeit so dick ist, oder weil er vielleicht enorm viel in sich rein stopft, weil er voller Ängste und Sorgen steckt und niemand ihm zur Seite steht. Wenn wir das nächste homosexuelle Pärchen sehen und es eben nicht als Abschaum der Gesellschaft betrachten, sondern die beiden Menschen dahinter, die glücklich sind einander gefunden zu haben.
Wenn wir alle so handeln würden. Wenn wir jeden Menschen so akzeptieren würden, wie er ist. Wenn jeder Respekt vor der Biographie des Anderen hätte, dann wäre die Welt ein stück weit besser geworden.

Mittwoch, 24. Januar 2018

Der erste Urlaub mit dem Freund

Es war der 13. März 2017. Der Tag an dem ich mein langjähriges Singleleben aufgab und seit dem in einer festen Beziehung lebe. Natürlich ist jeder Anfang schwer, so auch dieses Mal. Das erste Jahr Beziehung ist nun auch schon bald vorbei und bislang stehen die Chancen ganz gut, dass ich auch danach noch in einer Beziehung sein werde.
Kurz nachdem wir dann offiziell zusammen waren, hatten wir auch direkt den ersten gemeinsamen Urlaub im Blick. Dieser fiel in die zweite Oktoberwoche, da hatten wir nämlich beide Zeit füreinander. So mussten also nur noch das Ziel festgelegt werden. Wir machten uns also auf die Suche und entschieden uns letztlich für drei Nächte in Dresden und drei Nächte auf Rügen.
Rückblickend betrachtet war es auch eine schöne Zeit. Eine Zeit, in der es nur meinen Freund und mich gab. Wo wir alles gemeinsam unternommen haben.

Doch wie ist der erste gemeinsame Urlaub tatsächlich? Wie war es in der Situation selbst? Welche Chancen und Möglichkeiten bietet solch ein Urlaub? Und wie war die Zeit danach?

Wenn man den ersten gemeinsamen Urlaub mit dem Freund, oder auch der Freundin plant, dann bedeutet das meist sehr viel mehr als nur eine schöne Zeit gemeinsam zu verbringen. Im Urlaub hängt man schließlich ständig aufeinander. Man hat nicht sehr viel Platz um sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Man entdeckt teilweise Seiten und Eigenarten am Partner, die man vorher garnicht so kannte. Der erste gemeinsame Urlaub ist also nicht nur der erste gemeinsame Urlaub, sondern ein erster Schritt in Richtung gemeinsame Zukunft. Eine Zukunft, bei der man nicht zwei Wohnungen besitzt. Eine Zukunft, bei der man nicht nur bei dem Partner übernachtet. Eine Zukunft, bei der man nicht ein Treffen plant, um sich zu sehen. Nein, der erste gemeinsame Urlaub ist ein Schritt in Richtung gemeinsame Wohnung. Ein Schritt in Richtung gemeinsame Zukunft.
Der erste gemeinsame Urlaub entscheidet also über die Zukunft der Partnerschaft. Auch als mein Freund und ich zum ersten Mal gemeinsam weggefahren sind. Und so bestand diese eine Woche eben nicht nur aus guten Zeiten, sondern auch aus Zeiten in der wir uns schon etwas gezofft hatten. Zeiten, in denen ich mich selber fragte, warum macht er das denn nun. So interessant kann das doch garnicht sein. Wen interessiert es schon wie oft irgendwo am Arsch der Heide der Bus vorbeikommt. Wir hatten doch so wie so ein Auto dabei. Oder warum sollte ich unbedingt ein Strandtuch mitnehmen, wenn sich das Wetter so wie so immer weiter zu zog und garnicht mehr dazu einlud am Strand zu liegen.
Doch am Ende des Urlaubs hatten wir beide sehr viel gesehen und gelernt. Nicht nur über Dresden und Rügen, sondern auch über den jeweils anderen. Wir kannten auf einmal Seiten, die wir vorher nie so mitbekommen hatten. Wir erkannten Eigenschaften, die einerseits anstrengend sein konnten, auf der anderen Seite aber auch gut drüber hinweggesehen werden konnte. Wir erlebten beide eine Zeit, in der es nicht mehr nur darum ging, was ich möchte, sondern eine Zeit, in der es darum ging miteinander zu reden und einen Kompromiss einzugehen. In einer Beziehung geht es schließlich nicht darum immer nur die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, sondern auch mal zurückzustecken und zu schauen, was dem anderen denn gerade gut tun könnte. Das Erfolgsrezept einer Beziehung ist eben nicht der Egotrip, sondern das Wir. Wir wollen in einer Beziehung leben. Wir wollen gemeinsam Zeit verbringen. Wir wollen gemeinsam alt werden. Wir wollen gemeinsam durch dick und dünn gehen.
Um herauszufinden wie stark dieses Wir ist, kann ein gemeinsamer Urlaub sehr aufschlussreich sein. In dem ersten gemeinsamen Urlaub werden letztlich also die Weichen für die Zukunft gestellt. Hier entscheidet sich oftmals, ob diese Zukunft gemeinsam verbracht wird, oder doch eher getrennt.
In meinem Fall wird es eine gemeinsame Zukunft sein. Eine Zukunft, in der es wie in unserem ersten Urlaub Höhen und Tiefen geben wird. Aber immer eine Zukunft, an der mein Partner mit Rat und Tat an meiner Seite stehen wird.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Ein Leben - eine Geschichte

Jaja, immer diese Neujahrsvorsätze. Man nimmt sich etwas vor und um die Weihnachtszeit des vergangenen Jahres ist man noch frohen Mutes und glaubt noch, dass das kommende Jahr das eigene wird. Das Jahr, bei dem man endlich schafft, was man sich so alles vorgenommen hat. Die Klassiker sind natürlich mehr auf die Ernährung zu achten, mehr Sport zu treiben, mehr Zeit mit Freunden, Familie und co. zu verbringen usw. usw.
Auch ich habe mir dieses Jahr ein paar Vorsätze gefasst, die ich teilweise aber auch schon im Dezember begonnen habe. Warum soll ich schließlich warten, dass sich die Jahreszahl ändert, wenn ich doch auch genau so gut jetzt und hier mit der Veränderung beginnen kann.
Doch manchmal ist all dies eben garnicht so leicht. Ein Neujahrsvorsatz ist für mich eben diesen Blog noch einmal aufleben zu lassen. Ich möchte eben noch einmal diesen Blog dazu nutzen meine Gedanken, meine  Gefühle, ja, einfach mein Leben ein wenig näher zu erläutern.
Nun habe ich mich das letzte Mal vor etwa zwei Jahren hier bei euch gemeldet. Und das auch irgendwie nur etwas halbherzig. In gewisser Weise hatte ich das Gefühl alles gesagt zu haben. Ich hatte das Gefühl nichts mehr berichten zu können. All meine Ideen zu möglichen Blogbeiträgen stammten von irgend einem anderen Blog bzw. einer anderen Webseite. Warum sollte es die Leute dann also gerade auf meinen Blog treiben?

In gewisser Weise hatte ich vor zwei Jahren eine Schreibblockade. Ich wusste einfach nicht, worüber ich noch so berichten konnte. Und sowohl diesen Blog, als auch mich um mein Studium, meine Freunde, meine Familie und co. zu kümmern hat irgendwie nicht so recht zusammen passen wollen. Groß geändert hat sich an der Situation letztlich auch nichts. Eigentlich habe ich also immer noch eine Schreibblockade. Und dennoch füllt sich diese Seite mit Wörtern.
Warum? Weil ich ein Leben habe. Jeden Morgen wenn ich aufstehe und da raus in die Welt gehe, passieren mir Dinge. Manchmal komme ich zu früh zu einem Termin, manchmal auch zu spät. Ich gehe auf Konzerte, Musicals und andere Events. Mal feiere ich hier, das andere Mal auch dort. Doch eines haben alle gemeinsam: Ich begegne Menschen.
Menschen, die mich mit offenen Armen begrüßen und genau wissen wer ich bin und mich auch so akzeptieren und respektieren. Menschen, die sich immer wieder freuen mich zu sehen, aber am Ende doch irgendwie eine falsche Vorstellung von meinem Leben haben. Menschen, denen ich begegne, die vollkommen überrascht sind, das ich schwul bin. Menschen, die gar keine Ahnung haben wie es ist schwul zu sein. Menschen, die keine Ahnung haben, welche Auswirkungen manche Aussagen bewirken.
Auch jetzt an Weihnachten hatte ich so ein Erlebnis, was mich letztlich doch dazu bewegt hier öfters etwas zu schreiben. Ein Erlebnis, welches mir auch nochmal zeigte, wie wenig die Heten-Welt da draußen eigentlich über die LGBT-Szene weiß. Ein Erlebnis, bei dem das Wissen über LGBT-Menschen sich eher auf Vorurteile und Klischees bezogen hat. Ein Erlebnis, was mir selbst noch einmal die Augen geöffnet hat. Ein Erlebnis welches zeigt, wie wichtig Aufklärung eigentlich ist.

Und so kommt es dann auch, dass ich diesen Blog noch einmal aufleben lasse. Ein Blog, bei dem ich mein eigenes Leben und meine eigenen Erfahrungen der Öffentlichkeit preisgeben möchte. Jeder von uns hat ein Leben und am Ende des Tages sind wir immer um ein paar Erfahrungen reicher. Warum sollte man diese nicht mit der Welt teilen? Warum schreibt nicht jeder von uns am Ende seines Lebens eine Biographie? Warum sollte ich meine Lebensgeschichte verheimlichen?

Mittwoch, 3. Januar 2018

Neues Jahr, Neues Glück

Und da bin ich auch schon wieder. ich habe mich ziemlich genau zwei Jahre hier nicht mehr gemeldet. Doch in den vergangenen Tagen und Wochen juckt es mich doch ein wenig in den Fingern diesen Blog noch einmal aufleben zu lassen.
Ursprünglich habe ich mir gedacht einen neuen Blog zu starten, doch gerade während der Weihnachtsfeiertage ist mir doch klar geworden, dass sich dieser Blog doch recht gut eignet. Es passt einfach irgendwie zusammen. Thematisch wird sich dieser Blog vielleicht ein wenig mehr spezialisieren, aber nach meiner kürzlich gemachten Erfahrung ist dies glaube ich auch recht sinnvoll. Ich möchte in Zukunft einfach ein wenig mehr über meine eigenen Erfahrungen im Leben schreiben. Ich möchte den Leuten da draußen zeigen, wie ich mich teilweise fühle und was ich empfinde. Ich möchte Fragen beantworten, wie es denn ist als schwuler in dieser Welt zu leben. Wo gibt es positive Seiten, wo eher negative. Ab wann ist eine Aussage eigentlich homophob? Wissen manche eigentlich wie homophob manche Dinge klingen?

Wie gut, dass wir nun das Jahr 2018 schreiben. So kann es nämlich als eine Art Neujahrsvorsatz gesehen werden, dass ich mich wieder verstärkt um diesen Blog kümmern werde.
Wer weiß vielleicht werden am Ende diesen Jahres mehr Besucher auf diesem Blog sein.
Vielleicht fühlt sich auch der ein oder andere angesprochen und denkt über sein Verhalten nach.
Vielleicht kann der ein oder andere aber auch manche Situationen nachempfinden.
Und vielleicht ließt auch irgendwann jemand mal diesen Blog und erlangt irgendwie mehr Selbstbewusstsein, weil er merkt, dass er eben nicht alleine mit seinen Ängsten und Sorgen da draußen ist. 

Dienstag, 5. Januar 2016

HAPPY NEW YEAR

Happy new year!!! Frohes neues Jahr!!! Und alles nur erdenklich Gute für 2016.
Über ein Jahr lang betreibe ich nun schon diesen Blog. Eine Zeit voller Höhen und Tiefen. Es gab gute Zeiten, ebenso wie es schlechte gab. Es gab Momente, in denen ich am liebsten jeden Tag etwas posten wollte und konnte. Es gab eine riesige Masse an Informationen, die ich mit euch teilen wollte und dabei auch meine eigene Meinung zum Thema äußern wollte. Es gab aber auch Zeiten, in denen ich nicht so recht wusste was ich schreiben sollte bzw. keine Zeit dazu gefunden hatte.
In den vergangenen Wochen und Monaten traf vor allem letzteres zu, aber das werdet ihr wahrscheinlich schon selbst bemerkt haben. Nun gut, das Jahr 2015 ist nicht mehr. Von nun an schreiben wir das Jahr 2016. Ein weiteres mal heißt es: "neues Jahr, neues ich." Die Neujahrsvorsätze sind geschrieben. Wir haben den Entschluss gefasst etwas in unserem Leben zu verändern. Wir sind voll motiviert das Ganze jetzt durchzuziehen. Aber tun wir das auch? Warum schreiben wir diese Neujahrsvorsätze überhaupt? Warum warten wir darauf etwas zu verändern, wenn wir es doch sofort tun könnten? Warum muss sich dafür die Jahreszahl ändern?

Ich persönlich mache mir gar keine Liste von Jahresvorsätzen. Wozu auch? Wenn ich etwas ändern will, dann kann ich das auch in absehbarer Zeit tun und muss nicht darauf warten, dass ein neues Jahr beginnt. Ich mache mir nicht die Mühe am Ende eines Jahres mich hinzusetzen und eine Liste anzufertigen, auf der ich festhalte, was ich alles ändern möchte. Gut, ich wüsste auch nicht was ich dahin schreiben sollte. Vielleicht öfters Sport treiben oder mehr Zeit mit der Familie verbringen. Aber ändern tut sich dadurch auch nichts. Jeder hier wird wohl eines dieser Bilder kennen: Ein Zettel mit der Überschrift Jahresvorsätze, wobei die folgende Jahreszahl einfach durchgestrichen wurde und die des Folgejahres ersetzt wurde. Wozu also Jahresvorsätze, wenn man sie nicht einhält?

Aber genug der Neujahrsvorsätze. Das wichtigste im Leben ist doch immer noch das man glücklich ist. Auch ein Thema, welches gerne zum Jahreswechsel verwendet wird. Oder ein guter Neujahrsvorsatz :)
Glücklich sein, glücklicher durch Leben gehen, sein eigenes Glück finden. Wobei sich hier natürlich die Frage anstellt, was macht mich glücklich? Wann bin ich glücklich? Und nicht zu vergessen wie finde ich mein persönliches Glück / Welchen Weg muss ich gehen um glücklich zu werden?

Das sind viele Fragen, die so leicht gar nicht zu beantworten sind. Wir sind hier auf der Erde rund 7 Milliarden Menschen. Das macht rund 7 Milliarden Individuen. Rund 7 Milliarden Menschen, die man nicht so einfach in eine Schublade stecken kann und davon ausgehen kann, dass sie glücklich seien. Rund 7 Milliarden UNTERSCHIEDLICHE Menschen und ebenso viele unterschiedliche Formen von Glück.
Ich selbst würde mich gerade mit zu den glücklichsten Menschen überhaupt zählen. Auch wenn es mir manche Mitmenschen wohl nicht so recht glauben wollen. So wie es mir bei meiner eigenen Mutter erscheint. Die häufigste Frage, die sie mir in den letzen zwei drei Wochen gestellt hat ist: "Bist du glücklich?" Und ich antworte ihr immer mit: "Ja, bin ich."
Hintergrund dieser Geschichte ist ganz simple und einfach. Ich habe jemanden kennengelernt. Nein, eigentlich nicht nur irgendjemand, sondern den einen. Diesen einen wunderbaren wie bezaubernden Menschen, in den man sich verliebt hat.
Glauben Sie an die Liebe auf den ersten Blick? Ich jedenfalls schon. Der 14.12.2015 wird wohl der wunderbarste Tag in meinem Leben sein. Um ziemlich genau 08:40 Uhr war es um mich geschehen. Da war er. Der Mann, der mein Leben auf den Kopf stellte. Ich war sofort verknallt. Ich war mir sofort sicher, mit diesem jungen Mann möchte ich zusammen sein. Von diesem Moment an war meinen Mitmenschen definitiv klar, dass ich verrückt sein musste. Jedes Mal,  wenn ich eine Nachricht von meinem Süßen erhalten habe, freute ich mich. Ich lächelte bis über beide Ohren. Ach was mein Lächeln war noch viel größer.
Kennen Sie noch die Kanzler WG? Wenn ja, erinnern Sie sich auch an die Szene mit dem Foto vor dem Brandenburger Tor und diesem unvergesslichen Satz: "Lach lieber doch nicht, das Bild ist nicht breit genug."? So in etwa muss ich gelächelt haben. Nun gut inzwischen gibt es Smartphones mit denen man Panoramaaufnahmen machen kann, aber selbst da hätte es wohl bei mir Probleme gegeben.
In den folgenden Tagen konnte ich weder etwas essen noch trinken. Die Schmetterlinge in meinem Bauch spielten total verrückt. Wir beide wollten uns nur zu gerne treffen und den Anderen näher kennenlernen. Bei uns beiden hatte es also gefunkt. Immerzu mussten wir aber auch feststellen, dass es so kurz vor Weihnachten schwierig war einen geeigneten Termin zu finden. Immer wieder mussten wir enttäuscht einen möglichen Termin absagen oder mussten feststellen, dass wir uns nur knapp verpasst hatten. Bis es dann doch noch geklappt hat. Sogar noch vor Weihnachten.
Und nun? Ich habe mich verliebt. Und wie es scheint er auch. Warum sollten wir sonst nun zusammen sein. Jede Minute ohne ihn kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Es vergeht kaum ein Moment an dem ich nicht an ihn denke. Am liebsten wäre ich 24 Stunden am Tag in seiner Nähe.
Liebe ich ihn?
Ja, und ich hoffe, dass ich ihn niemals verlieren werde.
Bin ich glücklich?
Ja, sogar überglücklich. Vielleicht sogar der glücklichste Mann des Universums.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Q wie Queere Geschichte I ABC eines Schwulen

Queere Geschichte? Was ist das denn? Geschichte ist klar, aber queer? Will er jetzt querbeet die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse kurz zusammenfassen? À la Hape Kerkeling?

Nein werde ich wohl nicht. Dieser Artikel ist dafür viel zu kurz und außerdem wäre eine kurze Wiedergabe der wichtigsten geschichtlichen Ereignisse wohl eher eine eigene "kleine" Sendereihe.
Als ich begonnen habe mir Gedanken über dieses ABC gemacht habe, wollte ich sofort irgendwo etwas zu dem geschichtlichen Hintergrund der LGBTI-Bewegung schreiben. Aber wo fängt man da an? Wann gab es die ersten homosexuellen Menschen? War Adam vielleicht schon schwul? Oder beginne ich bei den Stonewall-Aufständen in New York? Aber was ist dann mit der Zeit davor, da muss es doch auch schon Schwule und Lesben gegeben haben?

Ohh ja, die gab es. Homosexualität ist ebenso bei uns Menschen verbreitet wie unter all den anderen Tieren. Es ist wohl das natürlichste auf der Welt. Mit wem ich letztlich zusammen bin und eine Beziehung führe ist doch egal. Die Hauptsache ist doch, dass ich meinen Partner / meine Partnerin liebe und ehre.
Adam könnte also sehr wohl schwul oder zumindest bisexuell gewesen sein. Nur leider hatte er nicht die große Wahl, er hatte nur Eva. Und so heißt es bis heute für viele streng religiöse Menschen: "Der Mann soll nicht beim Manne liegen, denn das ist ein Gräuel."
Und genau an dieser Stelle frage ich mich eines immer wieder. Wenn es tatsächlich einen Gott gibt und er die Erde geschaffen hat. Wenn er alles so erschaffen hat wie er es wollte und tatsächlich allwissend ist. Wenn er etwas gegen homosexuelles Verhalten hat, warum erschafft er dann zwei unterschiedliche Geschlechter. Hätte er nicht gewusst, dass es auch gleichgeschlechtlich-liebende Menschen geben wird? War die Rippe von Adam vielleicht nicht groß genug? Hat Gott sich vielleicht überarbeitet und war bei seinen letzten Taten etwas nachlässig?

Wie dem auch sei. Die Antwort auf all diese Fragen werden wir wohl nie erfahren. In der Theologie gibt es nunmal Dinge, die wir nie erfahren werden. Dinge, die nie abschließend geklärt werden können. Es werden immer offene Fragen bleiben. Und wenn man ganz ehrlich sein soll, dann hat die Religion schon für viele Streitereien gesorgt und dabei auch den ein oder anderen Krieg begonnen.
Religion muss aber nicht zwangsläufig schlecht sein. Sie hat auch schon die ein oder anderen guten Taten vollbracht. In gewisser Weise hat die Kirche sogar schon Homo-Ehen vollzogen. Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Einer der größten Streitpunkte im Jahr 2015.
Früher konnte man nämlich einen sogenannten geschworenen Bruder haben. Man konnte also eine Bindung zu einem gleichgeschlechtlichen Menschen eingehen, wobei die Liebe bis in den Tod anhalten sollte. Also einer Eheschließung gleichkam. Der eigentliche Zweck von geschworenen Brüdern war allerdings eine geistige Verwandtschaft herzustellen, wie es bei einer Taufpatenschaft der Fall ist.
Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass auch gleichgeschlechtlich Liebende die Schwurbruderschaft eingegangen sind, wurde dieser Ritus von der Kirche und dem oströmischen Recht verboten. Einziges Überbleibsel ist der Begriff warmer Bruder für einen Schwulen. Ein Begriffswandel. Ein Umdenken in der Gesellschaft fand statt. Was gestern noch als Zeichen der Freundschaft galt, identifiziert man heute als "homosexuell", als nicht der Norm entsprechend. Plötzlich gilt man als Außenseiter. Zwischen 1970 und 1990 gehen die Sexualerfahrungen zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen von 18 auf zwei Prozent zurück. Homophobie kommt in Mode. Die Leute haben angst als Schwuler oder als Lesbe zu gelten. Doch was ist so schlimm daran? Warum darf ich nicht den lieben, den ich liebe? Warum gehört Homosexualität auch heute noch zu einem Tabuthema? Warum wird im Geschichtsunterricht nicht auch die Geschichte der LGBTI-Bewegung behandelt? Warum hört man immer nur vom Nationalsozialismus und der Judenvefolgung? Was macht die französische Revolution so besonders, waren es die Stonewall-Aufstände nicht auch? Warum haben wir Geschichtsunterricht, wenn ein Teil unserer Vergangenheit einfach ausgelassen wird?
Der Geschichtsunterricht soll uns doch näher bringen, wie das Leben früher von statten ging. Er soll uns zeigen, wie die Menschen früher gedacht und gehandelt haben. Wir sollen erfahren wie der Alltag früher war. Wir erfahren plötzlich, dass Homosexualität nichts neues ist. Es ist keine neue Mode, die man mitmacht. Wir befinden uns nur in einem Zyklus in dem das Thema wieder häufiger zur Sprache kommt.
Historisch betrachtet ist das Anders-sein etwas vollkommen normales. Die Geschichte lehrt uns, dass es immer handelnde und leidende Menschen waren, die etwas verändert haben. Sie waren es, die für Veränderungen in unserem Denken und Handeln bewirkt haben. Sie zeigen uns, dass sich Vorstellungen grundsätzlich ändern können.


Montag, 12. Oktober 2015

O wie Outing I ABC eines Schwulen

Wenn man mal darüber nachdenkt, so hat wohl jeder Tag eine besondere Bedeutung. Nicht nur, dass an jedem Tag mindesten eine Person Geburtstag oder Namenstag hat. Nein, es gibt für alles und jeden nochmal einen besonderen Tag. Es gibt den Schnitzel Tag (nein nicht nur im Restaurant). Den Tag der Komplimente. Den Tag der Arbeit, der Frau, Vatertag, Muttertag usw. usw. Am vergangenen Sonntag war der Tag des Coming Out. Diverse Webseiten haben Tips und Tricks verraten, wie man sich am besten vor seinen Mitmenschen outet. Zudem kann man auf diesen Websites auch verschiedene Coming-Out-Storys nachlesen.
Ich selbst habe auch schon ein ums andere mal über das Thema Coming Out geschrieben. Fragen wie: Was ist das Coming Out? Wie merke ich, dass ich schwul bin? habe ich bereits in anderen Beiträgen erörtert. Ebenso habe ich das innere Coming Out näher beleuchtet und beschrieben, wie wichtig es ist seine eigene Identität zu finden.
Aber warum das Ganze? Wozu sollte man sich überhaupt outen? Was ist so wichtig daran? Warum muss man sich als heterosexueller nicht outen? Und was macht das Coming Out so schwer?

Homosexuell, bisexuell, transsexuell, intersexuell, asexuell es scheint tausende von sexuellen Formen zu geben. Sie scheinen alle sehr in Mode zu sein. Prominente Persönlichkeiten outen sich in der Öffentlichkeit, egal ob Schauspieler, Musiker, Sportler oder CEOs einer bekannten Firma. Freunde und Bekannte kommen auf einen zu und sagen einem, dass sie eben nicht heterosexuell sind. Es scheint wie eine Epidemie zu sein, eine "Mode-Krankheit" wie Laktoseintoleranz, Lebensmittelunverträglichkeit, Yoga und Veganismus. Man macht einfach mit, weil es hip und angesagt ist.
Oder liegt das nur an mir? Erhalte ich vielleicht Informationen, welche nur innerhalb der Community kursieren? So kommt es mir zumindest manchmal vor. Fakt ist jedoch, dass das Thema LGBTI immer mehr in den Vordergrund rückt. Immer mehr Menschen reden über dieses Tabuthema. Politiker setzen sich für mehr Aufklärung an Schulen ein. Homosexuellen Paaren werden immer mehr Rechte zugesprochen. Die Zeit in der man seine Homosexualität noch verheimlichte ist passé. Die Ära des Coming Out ist gekommen. Heterosexuelle Menschen werden unterdrückt und versklavt. Wir sind überall und werden die Weltherrschaft an uns reißen.
Wäre da nicht das Coming Out und seine Folgen. Wir leben nämlich immer noch in einer Welt in der Heterosexualität als "normal" betrachtet wird. Was auch verständlich ist, denn 90-95% der Bevölkerung sind heterosexuell und wenn man das Thema Homosexualität oder Transsexualität anspricht, so reagieren manche Menschen abweisend und stellen alles non-heterosexuelle als widernatürlich dar. Doch in Wahrheit ist es das natürlichste was geschehen kann, denn verlieben tut man sich niemals in das Geschlecht, sondern in die Person und deren Charakter.

Zum Coming Out gehört, dass man vor den Spiegel tritt und sich selbst sagt, dass man schwul/lesbisch ist. Es ist einer der wichtigsten Schritte in der Identitätsfindung seine sexuelle Orientierung zu kennen. Anfangs fällt es einem oft schwer zu akzeptieren, dass man schwul oder lesbisch ist. "Schwuchtel" oder "schwule Sau" werden nämlich eher als Schimpfwort auf Schulhöfen benutzt. Homosexuell zu sein wird also erstmal als negativ angesehen. Wenn man allerdings weiß, dass man auf das gleiche Geschlecht steht, so bricht erstmal eine Welt in sich zusammen.
Doch mit dem inneren Coming Out ist es noch lange nicht getan. Ich selbst habe nun meine Homosexualität zwar als Teil meiner selbst anerkannt, aber meine Mitmenschen gehen immer noch davon aus, dass ich hetero sei. Das sogenannte äußere Coming Out steht also an. Es ist an der Zeit das Ganze öffentlich zu machen. Die meisten Fragen die einen in dieser Zeit quälen sind wohl, wie meine Mitmenschen reagieren werden. Trotz aller Aufklärungsmaßnahmen zum Thema LGBTI gehört dieses Thema auch weiterhin in die Tabuzone. Wie meine Mitmenschen auf mein Outing also reagieren werden ist mir nicht bekannt. Es beginnt ein Versteckspiel. Man selbst versucht so heterosexuell zu wirken wie es nur geht. Jede Äußerung, jede Bewegung, jedes Kleidungsstück wird genau geplant um auch ja nicht als Homosexueller aufzufallen. Man will eben nicht seine Freunde verlieren. Gleichzeitig quält einen aber auch das Versteckspiel. Immer und überall darauf bedacht zu sein möglichst heterolike zu sein. Eines Tages fasst man dann all seinen Mut zusammen und beginnt dem besten Freund / der besten Freundin zu erzählen, dass man homosexuell ist und hofft dabei natürlich auf eine positive Reaktion. Nach und nach erfahren so immer mehr Menschen von der eigenen Homosexualität.




Donnerstag, 8. Oktober 2015

N wie Nachrichten I ABC eines Schwulen

Wir alle sehen, hören, oder lesen Nachrichten. Manch einer interessiert sich eher für den lokalen Teil, andere informieren sich gerne über das Weltgeschehen. Der eine interessiert sich sehr für das politische Geschehen, der andere will eher über Fun & Freizeitaktivitäten informiert werden. Die einen sitzen pünktlich um 20 Uhr vor dem Fernseher um auch ja nicht die Tagesschau zu verpassen, den anderen ist auch diese Nachrichtensendung egal, weil auf anderen Sendern vielleicht eine bessere Sendung läuft. Fakt ist: Wir erhalten unsere Informationen über das aktuelle Geschehen. Egal ob wir nun Zeitung lesen oder eine Nachrichtensendung im Fernsehen gucken oder uns das allwissende Internet per App auf unserem Smartphone über wichtige Themen informiert.

Ebenso wie viele andere Jugendliche und junge Erwachsene gehöre auch ich zur letzten Kategorie. Die Auswahl der Nachrichten überlasse ich meinem Smartphone. Wenn also meine Nachrichten-App wieder mal meint, dass etwas wichtiges in der großen weiten Welt geschehen ist ploppt eine kleine Anzeige auf, die mich kurz über das Geschehen informiert. Beispielsweise über den Abgasskandal von VW und wie viele Autos nun betroffen seien oder über den FIFA-Skandal. Mit dabei können aber auch Themen der Börse sein, wie z. B. dass der DAX ein Rekordtief erreicht hat, unter die 10.000 Punktemarke gefallen ist oder auch diese wieder überschritten hat. Ebenso vertreten sind natürlich diverse Verkehrsunglücke wie der Absturz der Germanwingsmaschine in Frankreich oder der Flüge MH17 und MH370 sowie der Bergung eines der Wrackteile. Manchmal sind auch Mitteilungen über den Tod einer berühmten oder gar legendären Persönlichkeit mit dabei wie z. B. James Last.
Wie man sieht, sind die Themen also sehr weit gestreut. Man wird mit viel nützlichem und unnützlichem Wissen überhäuft. Meist sind es aber doch Themen über die man auch in den folgenden Tagen noch reden wird. Dennoch gehören diese Themen nicht immer zu denen, die mich persönlich interessieren, daher informiere ich mich zusätzlich noch über soziale Netzwerke und der ein oder anderen Websites über aktuelle Geschehnisse.

Mich als Teil der LGBTI-Community interessieren natürlich auch Neuigkeiten aus diesem Bereich. Am liebsten natürlich positive Nachrichten wie der Gleichstellung von Homo-Ehe und "normaler" Ehe in Irland oder den USA. Aber auch Nachrichten über das Coming Out eines 13-jährigen bei seinem besten Freund und der Reaktion darauf. Oder auch einer Demonstration von tausenden Leuten, die sich für den neuen Bildungsplan in BaWü aussprechen.
Aber leider ist nicht immer alles super toll und immer wieder kommt es zu traurigen Meldungen. An Schulhöfen wird "schwul" als Schimpfwort benutzt. Vorurteile zwingen einen Menschen eine Lüge zu leben. Das Ausleben der eigenen Persönlichkeit wird einem verwehrt, weil es den Eltern falsch erscheint. Und schließlich der Suizid des eigenen Kindes.
Zugegeben, der letzte verlinkte Artikel gehört nicht so ganz in das Themengebiet LGBTI und dennoch gehört er hierhin. Denn als betroffener einer diskriminierten Minderheit nimmt man die Dinge oft anders wahr, sodass man Diskussionen evtl. falsch deutet und so ein homophobes Verhalten erörtert, wo vielleicht gar keines ist.
Mir selbst ist es schon passiert. Aus einer Diskussion in der es eigentlich darum ging, dass zwei Frauen die Sorgen und Probleme ihres Sohnes nicht zu 100% erfassen und verstehen können, habe ich raus geschlossen, dass gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder großziehen sollten. Also eine klare Abneigung gegenüber Homosexuellen.
Inzwischen habe ich aber die Gewissheit, dass ich da etwas falsch gedeutet habe. Ich weiß sogar, dass das Wissen über LGBTI-Menschen oft nur auf Halbwissen beruht und sich kaum oder nur wenige die Mühe machen und sich über dieses Thema informieren. Aber auch die diversen Zeitungsverlage und Nachrichtensender berichten nur sehr wenig über die Situation von LGBTIs. In den Sommermonaten liest und hört man zwar mal über den CSD, aber dass sind eher kleine Beiträge welche allgemein über die Besucheranzahl und den CSD allgemein informiert. Über Prügelattacken auf ahnungslose Schwule, Lesben und Transgender scheinen nicht erwähnenswert zu sein, denn wir leben ja in einem toleranten Land in dem so etwas nicht vorkommt. Jedenfalls der Berichterstattung mancher Zeitungen und Fernsehsendern zufolge.

Im vergangenen Jahr hat sich die ARD dazu entschlossen ihre alljährliche Themenwoche über das Thema Toleranz abzuhalten. Gezeigt wurden verschiedene Diskussionsrunden, Dokumentationen und Filme. Sie alle handelten von einer oder mehreren diskriminierten Minderheiten und ihrer Situation bzw. Stellung in der Gesellschaft. Berichtet wurde über Menschen verschiedenster Abstammung, sowohl religiöser, als auch ethnischer. Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderungen. Und natürlich über gleichgeschlechtlich liebende Paare, sowohl kinderlose, als auch Paare die Nachwuchs erwarten oder adoptieren wollen.
Über mehr solche Sendereihen würde ich mich freuen. Es muss nicht unbedingt eine komplette Woche sein, aber vielleicht ein Thementag oder ein Wochenende an dem man über eine diskriminierte Minderheit wahrheitsgemäß berichtet und nicht irgendeine Serie oder ein Film ein Klischee noch bekräftigt.




Donnerstag, 1. Oktober 2015

M wie Mr. Right I ABC eines Schwulen



Ja, diesmal sind es zwei Wörter.
Ja, man hätte nur ein einzelnes Wort benutzen können.
Und ja, es schließt in gewisser Weise an den vorletzten Beitrag an.

Mr. Right. Den einen unvergleichlichen Menschen. Der, auf den man sich immer verlassen. Der, der immer für einen da ist. Der, bei dem einfach alles perfekt ist. Egal, ob es nun das Aussehen ist oder die Frisur oder sein Lächeln. Einfach alles scheint perfekt.
Diesen einen Menschen zu treffen, Zeit mit ihm zu verbringen und mit ihm zusammen sein, ein gemeinsames Leben zu haben. Traum? Fiktion? Märchen? oder kann es tatsächlich Realität werden?

Manchmal glaube ich, dass es nur eines der ersten drei Varianten sein kann. Mr. Right, Mr. Perfect, oder wie auch immer man ihn nennen mag, scheint es nicht zu geben. Oder ist er nur schwer zu finden?
Mir ist durchaus bewusst wie schwer es ist einen Partner zu finden. Vor allem als Schwuler. Laut Statistik sind nämlich gerade einmal 5 bis 10 % homosexuell. Bei der derzeitigen Weltbevölkerung von 7,32 mrd. Menschen wären also 732 mio. homosexuell. Wenn man nun noch von einer 50/50 Verteilung von Männern und Frauen ausgeht, so sind also 366 mio. Männer homosexuell und somit mögliche Partner für mich.
Jetzt suche ich aber nicht Weltweit nach einem Partner, sondern nur in Deutschland. Hier liegt die Bevölkerungszahl aber nur noch bei rund 83 mio. Also deutlich weniger. Es gibt also nur noch 4,15 mio potenzielle Partner, unter denen sich "The one and only" befindet.
Das hört sich nun alles sehr pessimistisch an. 4,15 mio Menschen sind doch eigentlich eine recht stolze Zahl. Jedoch nicht, wenn man den Vergleichswert von 37,35 mio. möglichen Partnern heranzieht, wenn ich heterosexuell wäre.
Manch einer würde jetzt vielleicht sagen: "Dann werd doch einfach hetero, wenn du mehr Auswahlmöglichkeiten haben möchtest." Aber darum geht es mir nicht. Ich möchte keine große Auswahl haben. Ich möchte den einen finden, der zu mir passt und mit dem ich mein Leben verbringen möchte. Diesen einen Menschen unter 37 mio. zu finden ist nunmal wahrscheinlicher als unter 4 mio.

Aber genug der Zahlen und Statistiken. Niemand findet den passenden Partner, wenn er ständig zu Hause vorm PC sitzt und Statistiken wälzt. Man muss mit den Menschen in Kontakt treten. Man muss Kneipen, Lokale und Discos besuchen. Man muss sich einfach unter die Leute wagen.
Aber auch das ist manchmal gar nicht so leicht. Gerade am Anfang des Coming-Out-Prozesses, wenn man sich selbst noch nicht ganz sicher ist, ob man tatsächlich homosexuell ist. Wenn man selbst noch nicht so recht weiß, ob man schwul/lesbisch ist bzw. es noch nicht wahr haben möchte.
Aber auch diese Angst, kann man nehmen. Es gibt genug Kneipen in denen Jugendtreffs abgehalten werden und wo man erste Kontakte in die Szene knüpfen kann. Hier ist so ziemlich egal welche sexuelle Orientierung man hat oder in welchem Stadium des Outings man ist. Wichtig ist schließlich nur, dass man zusammen einen netten Abend verbringt. Und ja, es gibt tatsächlich Heterosexuelle, die oft und regelmäßig in so einer Szenen-Kneipe auftauchen.

Nun ist es aber auch nicht jedermanns Sache einen Jugendtreff zu besuchen. Vielleicht will man eher Zeit mit Schul- oder Studienfreunden verbringen. Mit Leuten, die man schon länger kennt und mit denen man schon einiges erlebt hat. Aber auch diese wollen eventuell einen Partner haben und können sich auf Dating-Portalen anmelden. Ja, es gibt tausende. Nicht, nur für Heterosexuelle.
Mr. Right zu finden ist aber dennoch nicht so leicht. Für manche scheint es nur darum zu gehen Sex zu haben. Freunde mit gewissen Vorzügen, Freundschaft +, Sexfreundschaft, Mingle oder wie man es auch nennen mag. Eine feste Bindung scheinen nur noch wenige zu wollen.
Woran das liegt? Das hat wohl mehrere Gründe. Manche denken wohl der Sex sei entscheidend. Andere warten wohl auf Mr Perfect, wollen auf den Sex aber nicht verzichten. Aber gibt es ihn überhaupt? Mr. Perfect?
Eine Beziehung einzugehen bedeutet nämlich immer sich auf einen Menschen einzulassen, Ihn mit all seinen Macken zu akzeptieren. Ein Mensch hat schließlich nicht nur positive Eigenschaften.
Mr. Right zu finden ist nicht leicht, aber das wäre ja auch langweilig. Vielleicht scheitert es manchmal auch einfach nur daran, dass wir uns nicht auf einen anderen Menschen einlassen. Vielleicht wollen wir mit aller Kraft diesen einen wunderschönen, unverwechselbaren, einmaligen, Supertypen kennenlernen. Aber lassen ihn letztlich doch ziehen, weil wir uns nicht auf ihn einlassen. Wer weiß? Wer weiß?

Donnerstag, 24. September 2015

L wie Liebesleben I ABC eines Schwulen

Als ich mir über dieses ABC gedanken gemacht habe, war mir relativ schnell klar, dass es bei dem Buchstaben L um das Thema Liebe bzw. das Liebesleben eines Schwulen gehen sollte. Allerdings habe ich mir nie genauer Gedanken dazu gemacht, um was es genau dabei gehen sollte. Außerdem habe ich das Thema Liebe schon einmal in einem anderen Beitrag behandelt, sodass es unnötig wäre zweimal darüber zu schreiben.
Die logische Schlussfolgerung daraus wäre also, dass es nun um das Thema Liebesleben gehen wird. Aber wen wird das Interessieren? Was könnte man überhaupt dazu schreiben? Was sagt das Liebesleben eines einzelnen schon über eine ganze Gruppe aus? Und warum sollte ich über mein Liebesleben reden? Nur weil ich schwul bin? Habe ich allein aus diesem Grund kein Anrecht mehr auf eine Privatsphäre?

Doch, die habe ich. Jeder hat ein Anrecht darauf über private Angelegenheiten zu schweigen. Was bei mir im Bett passiert, dass geht wohl nur meinen Freund und mich etwas an. So wie es bei jedem anderen Paar auch der Fall ist.
Und dennoch beschleicht mich das Gefühl über das Liebesleben eines Schwulen berichten zu müssen. Es ist nochmal an der Zeit, dass euch jemand sagt, dass Ihr da etwas falsch verstanden habt. Denn in der Liebe und dem Liebesleben geht es nicht nur darum Sex zu haben. Sondern auch darum einen Menschen zu kennen, dem man zu 100 % vertrauen kann. Und zwar blind.  Einen Menschen zu kennen, dem man nicht Misstrauen braucht, der immer für einen da sein wird und alle Entscheidungen gemeinsam getragen werden.
Aber die Dinge ändern sich. Und das ist ok, das ist gut. Nur so kann sich etwas weiterentwickeln. Was gestern vielleicht noch ein Tabuthema war, darüber spricht man heute offen und ehrlich ohne jegliches Schamgefühl.
Welches Extrem der beiden nun besser sein mag, darüber lässt sich streiten. Letztlich muss man nämlich beide Extreme einmal austesten um später einen geeigneten Mittelweg zu finden.

Über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, wurde über das Thema Sex kein Sterbenswörtchen gesprochen. Es war nunmal eines der Tabuthemen. Aber mit jeder neuen Generation setzen auch Veränderungen ein. Nach und nach wurde immer offener und immer freier über das Thema geredet und diskutiert. Inzwischen sind wir sogar soweit, dass wir Liebe und Sex kaum noch voneinander unterscheiden können.
In einem Entwurf eines neuen Bildungsplans steht dann etwas von sexueller Vielfalt und nur kurze Zeit später heißt es, dass den Schülerinnen und Schülern bald gelehrt wird, was sie von einer Prostituierten alles erwarten könnten. Was natürlich ein Gerücht ist. Jeder hat den Begriff 'sexuelle Vielfalt' für sich interpretiert, wobei einige natürlich ausschließlich an den Geschlechtsverkehr an sich gedacht haben. Tatsächlich gemeint war mit sexueller Vielfalt aber, den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass man sich nicht unbedingt in das andere Geschlecht verlieben muss. Gemeint war aufzuzeigen, dass es eben nicht nur Heterosexuelle, sondern auch Homosexuelle oder Transgender gibt. Und es eben keine Schande ist, wenn man so empfindet.
Die Debatte um den Bildungsplan - Worum geht es?
Aber die Macht, die ein einzelnes Wort hat, ist manchmal nicht zu überblicken. Allein schon die Tatsache, dass in dem Entwurf eines Bildungsplans das Wort 'sexuell' auftaucht, scheint viele verstört zu haben. Kaum sind die magischen drei Buchstaben gefallen, schon kreisen die Gedanken nur noch um das Thema Sex. Daran zu denken, was sich der Autor des Schriftstückes bei dieser Wortwahl vielleicht noch gedacht haben könnte, spielt wohl keine Rolle.

Machmal ist es schon erschreckend wie sehr man doch auf seine Wortwahl achten muss, um genau das auszudrücken, was man möchte. Sogar wenn es nur ein erster Entwurf, ein möglicher Lösungsansatz ist, an dem man noch Verbesserungen durchführen kann und muss.



Donnerstag, 17. September 2015

K wie Kinder I ABC eines Schwulen


 Es ist eines der wenigen Wunder, die man als Mensch miterleben darf. Manchmal fragt man sich, wie so etwas überhaupt sein kann. Wie ist das möglich? Aus einer einzelnen Eizelle entsteht ein ganzer Mensch. Gerade einmal 9 Monate sind dazu nötig.
Aber damit nicht genug, denn die Schwangerschaft war nur zum warm werden. Nach der Geburt fängt es erst richtig an. Denn nun muss man immer ein Auge auf die Kinder werfen. Man muss sie füttern und wickeln. Wenn sie anfangen zu schreien, gehen sofort die Alarmglocken an. Denn niemand möchte, dass es dem eigenen Kind schlecht geht. Und so sucht man verzweifelt nach einer Lösung, warum das eigene Kind so am schreien ist. Mal hat es hunger. Ein anderes mal, will es einfach nur auf den Arm genommen werden. Doch am schlimmsten ist es, wenn das Kind schmerzen hat. Beispielsweise wenn es die ersten Zähnchen bekommt.
Doch all der Stress, die Wut und die Sorgen sind vergessen, wenn man diesem jungen Geschöpf in die Augen sieht. Wenn man dieses wunderschöne Lächeln sieht und man anhand der Reaktion erkennt wie sehr sich das eigene Kind doch gerade freut. Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn ein Säugling nach der Hand greift und es mit seinen eigenen kleinen Patschhändchen gerade einmal schafft den kleinen Finger zu umschließen.

Kinder zu bekommen, oder besser gesagt Kinder zu haben, dass war auch ein Traum von mir. Lange Zeit habe ich mir meine Zukunft immer so ausgemalt, dass ich eine Frau und Kinder habe. Dass ich ein Haus besitze und ein Auto. Dass ich einen Job habe der mir Freude bereitet und ich genug Geld verdiene.
Aber wie gesagt, es war ein Traum. Ein Traum, der sich wohl nie bewahrheiten wird. Der wie eine Seifenblase in der Luft zerplatzte. Vom einen in den anderen Moment war alles anders. Als würde eine Welt zusammenbrechen.
Der Grund: Mein inneres Coming Out. Ich hatte endlich selbst den Mut und die Erkenntnis mir einzugestehen, dass ich schwul bin. Plötzlich wurde mir klar, dass ich eben nicht zu all den Menschen gehöre die auf das andere Geschlecht stehe. Mir wurde klar, dass mein ganzes bisherige Leben aus einer einzigen Lüge bestand. Alles beruhte nämlich auf der Tatsache, dass ich hetero sei.

Inzwischen hat sich aber alles wieder etwas gelegt. Ein Traum mag zerplatzt sein, aber wer sagt, dass man nicht auch einen anderen Traum haben darf. Eine Welt ging für mich unter, doch gleichzeitig entstand eine Andere, eine schönere Welt. Eine Welt in der es egal ist ob du homo oder hetero bist. Eine Welt, in der es kein Unterschied macht, ob du dich nun als Mann oder als Frau fühlst. Eine Welt, in der das Außergewöhnliche als Bereicherung gesehen wird und nicht als Schande.
Ebenso wie mir wird es wohl auch manch anderen das Coming Out erstmal getroffen haben. Man muss selbst erstmal lernen damit umzugehen. Man muss sich selbst erstmal mit dem Thema auseinandersetzen. Homosexualität ist nunmal ein Tabuthema, wozu sich viele nicht gerne äußern.
In den letzten Jahren hat sich aber auch einiges positiv für LGBT-Menschen entwickelt. Das darf man nie vergessen. Aber gleichgeschlechtlichen Paaren ist es auch heute noch untersagt ein Kind wie ein heterosexuelles Paar zu adoptieren. Dabei gibt es diverse Statistiken und Gutachten, welche keinen Nachteil zeigen, wenn ein Kind bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwächst. Und dennoch wehren sich viele gegen die die vollkommene Gleichstellung von homo und hetero Paaren. Auch unser Gesetzgeber, der einiges bewirken könnte.

Donnerstag, 10. September 2015

J wie Jugend I ABC eines Schwulen

Früher war alles besser!

Ein bekannter Satz, den wohl jeder schon gehört hat. Wenn ich aber einen bekannten Comedian sinngemäß zitieren darf, so stimmt das nicht ganz. Denn früher war alles früher, aber noch lange nicht besser. Wir können aber aus unserer Vergangenheit lernen und zumindest versuchen es besser zu machen. Vor allem wenn wir sehen, dass etwas falsch läuft.

Ich selbst bin noch nicht sonderlich alt, aber dennoch weiß ich, dass hier und da ein paar Verbesserungen nötig sind. Ich selbst habe beispielsweise relativ lange gebraucht um überhaupt zu begreifen, dass ich nicht hetero bin. Überall um mich herum wurde sich immer nur darüber unterhalten, dass man als Mann eine Frau hat und umgekehrt. Dass es auch homosexuelle oder transsexuelle Menschen gibt, davon war nie die Rede. Ich bin aber auch in einem Gebiet aufgewachsen, in dem man fast ausschließlich nur heterosexuelle Menschen sieht. Der Gedanke, dass ich schwul sein könnte kam mir also nie in den Sinn. In meiner kindlichen Naivität gab es einfach keine gleichgeschlechtlichen Paare.
Den Gedanken, wie es wäre mit einem Jungen / einem Mann zusammen zu sein, hatte ich schon immer. Jedoch habe ich mich selbst nie näher damit beschäftigt und das Ganze eher verdrängt, sodass ich auch mein inneres Coming Out erst spät hatte. Im Nachhinein würde ich sagen mir fehlte eine Bezugsperson, die mir sagte, dass es auch LGBT-Menschen gibt und dieses auch vollkommen normal sei.
Selbst im Aufklärungsunterricht ging es nur um die Liebe zwischen Mann und Frau. Nie wurde darüber gesprochen, dass es auch Schwule, Lesben und Transgender gibt. Sowohl diese Information, als auch die AUFKLÄRUNG, dass es normal ist wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen lieben fehlte komplett.
Die Folgen: Wörter wie "schwul", "Schwuchtel", "Homo" und "Homofürst" wurde als Schimpfwort oder als Ausdruck allen Übels benutzt. Auch die diversen Lehrer haben nichts dagegen unternommen. Vielleicht auch weil sie selbst nicht wussten, wie sie es anstellen sollten.
Inzwischen gibt es aber genug Vereine und Verbände, die ihre Hilfe anbieten und sogar extra Workshops für Schulen anbieten. Man muss nur den Kontakt aufbauen.

Den LSVD (Lesben- und Schwulenverband) gibt es seit dem 18.02.1990. Es gibt ihn also seit 25 Jahren. Der Verein ist demnach gerade mal zweieinhalb Jahre älter als ich selbst. In dieser Zeit hat sich der Verein für die Rechte von LGBT-Menschen bundesweit eingesetzt und auch schon einiges erreicht.
Leider tun sich aber auch heute noch relativ viele schwer damit sich zu outen. Nicht nur, weil schwul oder Schwuchtel auch heute noch als Schimpfworte benutzt werde, sondern auch, weil das Themengebiet LGBT nur selten im Unterricht behandelt werden.

Donnerstag, 3. September 2015

I wie Infektionen I ABC eines Schwulen




HIV/Aids, Hepatitis A/B, Tripper, Chlamydien, Syphilis... die Liste an sexuell übertragbaren Infektionen (STI) scheint unendlich lang. Wer sich da sorgen über eine mögliche Ansteckung macht, kann schnell mal die Lust verlieren. Dazu gesellt sich die Angst vor dem Arztbesuch oder besser gesagt die Angst vor dem Testergebnis. Die Angst, dass das Ergebnis doch positiv sein könnte.
Aber warum habe wir diese Angst? Was lässt uns davor zurückweichen einen Test zu machen? Ist es die Angst bewusst mit einer Krankheit leben zu müssen? Sind es die möglichen Veränderungen in unserem Leben? Oder doch etwas anderes?

Eigentlich ist es ganz einfach. Man geht zum Arzt, lässt sich auf die verschiedenen STI's untersuchen und wartet auf das Testergebnis. Je nachdem ob dieses nun positiv oder negativ ausfällt, kann man weitere Schritte einleiten. Wobei ein negatives Resultat natürlich immer am Besten ist. Zudem sollte man nie unterschätzen: Je früher eine Krankheit bzw. eine Infektion erkannt wird, desto größer sind auch die Chancen einer vollständigen Genesung.
Und dennoch fürchten sich viele vor dem Gang zum Arzt. Die Angst vor dem Testergebnis scheint gigantisch zu sein. "Wenn man es mir nicht ansieht, kann ich auch nicht krank sein." So scheinen viele zu denken. Was auch nachvollziehbar ist, denn warum sollte ich mich Tag für Tag mit dem Gedanken rumschlagen, dass ich HIV oder andere STI's habe. Es ist doch immer gut gegangen.
Natürlich kann es bisher immer gut gegangen sein, aber was sagt meine Vergangenheit schon über meine Zukunft aus? Und wenn es schon immer gut ging, ist es dann nicht an der Zeit auch mal etwas schlechtes zu erleben?
Ich will hier niemandem irgendeine Infektion oder Krankheit wünschen, es hat schließlich niemand verdient. Aber ist es nicht so, dass wir die guten und schönen Dinge im Leben erst richtig wertschätzen, wenn wir auch die negativen Dinge einmal erlebt haben?

Mein erster Post auf diesem Blog befasst sich mit dem Thema Sterbehilfe. Zu diesem Zeitpunkt wieder ein aktuelles Thema, da sich eine krebskranke Frau dazu entschieden hatte am 01.11.2014 zu sterben. Dazu zog sie extra nach Oregon, da dort die aktive Sterbehilfe erlaubt ist.
Eine halbes Jahr zuvor habe ich selbst miterlebt, wie eine gute Bekannte an Krebs gestorben war. Sie hat immer und immer weiter gekämpft und hat schließlich ein halbes Jahr länger gelebt, als es die Ärzte vorhergesagt hatten. Eine erstaunliche Leistung wie ich finde.
Aber was hat dies nun mit dem Thema oben zu tun? Krebs und STI's haben nun nicht so viele Gemeinsamkeiten. Auf diese kommt es mir aber auch nicht an. Es ist der Fall an sich, der das ganze zusammenfügt. Die Bekannte, um die es sich hier dreht, hatte nämlich auch Angst zum Arzt zu gehen. Über Wochen und Monate hinweg hat sie sich über Knötchen am Hals beschwert. Die Angst, dass es Krebs oder etwas ähnliches sein könnte, war für sie wohl enorm groß. Durch Zureden und Mut machen hatte sie sich dann endlich dazu entschlossen zum Arzt zu gehen. Diagnose: Krebs, Metastasen im ganzen Körper. Die Entscheidung zu warten und zu hoffen, dass eventuell doch alles in Ordnung ist, war wohl falsch gewesen.
Vielleicht wäre sie heute noch am Leben. Vielleicht hätte sie den Krebs besiegen können. Man weiß es nicht. Ihr deshalb einen Vorwurf machen will und kann ich ihr nicht machen. Ich glaube nämlich, dass ich in der Situation ganz ähnlich reagiert hätte.
Dieser Vorfall regt aber auch zum nachdenken an. Vor allem, wenn man das Ganze live miterleben konnte. Der Besuch beim Arzt wird plötzlich in ein ganz anderes Licht gerückt. Das Testergebnis wird nicht mehr als mögliche Horror-Nachricht gesehen, sondern als Chance eine Krankheit zu erkennen und zu bekämpfen. Und wenn die Tests regelmäßig stattfinden, kann eine Infektion sogar frühzeitig behandelt werden. Die Denkweise hat sich also komplett geändert.
Liegt darin vielleicht die Angst? Dass man eben nicht mehr als gesunder Mensch gilt? Dass der Besuch beim Arzt automatisch eine Krankheit voraussetzen muss?

Donnerstag, 27. August 2015

H wie Homophobie I ABC eines Schwulen

Homophobie. Was ist das eigentlich?

Homo ist eine Gattung der Menschenaffen in der Klasse der Säugetiere. Am bekanntesten ist wohl der Homo Sapiens. Ihn treffen wir täglich auf der Straße, im Einkaufszentrum, im Büro und natürlich auch in freier Wildbahn. Homo, dass ist lateinisch und bedeutet Mensch.

Was eine Phobie ist, werden viele wissen. Es ist eine Angststörung. Meist handelt es sich bei Phobien um eine übertriebene unspezifische Angst oder konkrete Furcht vor einem Objekt oder einer bestimmten Situation.

Bedeutet Homophobie also, dass ich Angst vor Menschen habe? Also in gewisser weise auch vor mir selbst? Denn bisher wissen wir nur vom Leben auf der Erde. Wenn ich also den Wocheneinkauf mache oder Tanken fahre, dann begegne ich immer Menschen. Vor denen ich eigentlich eine panische Angst haben müsste.
Wenn Homophobie nun also die Angst vor Menschen ist und ich keine Panikattacke bekomme, wenn ich meine eigenen vier Wände verlasse. Dann muss es Außerirdisches Leben geben. Irgendwo muss also ein Volk siedeln, welches genauso aussieht wie die Menschen von der Erde. Wobei mir da nur eine Rasse / eine Gattung einfällt: Timelords. (oder Raxacoricofallapatorianer. Aber die müssten einen Reißverschluss auf der Stirn haben, also eher unwahrscheinlich.)
Ich brauchte zwei drei Minuten um außerirdisches Leben auf der Erde zu beweisen. Die NASA ist heute noch auf der Suche. Manches befindet sich einfach direkt vor der Nase.

Nun gut, jetzt mal Butter bei die Fische. Was ist Homophobie?
Zunächst einmal muss eine Phobie keine Angststörung sein. Sozialwissenschaftlich und umgangssprachlich kann es auch eine Abneigung bzw. eine Aversion gegen bestimmte Menschen, Handlungen, Dingen oder Situationen und Erinnerungen sein. In diesem Fall würde eine Aversion gegen bestimmte Menschen passen. Homo ist hier nämlich nicht die lat. Übersetzung für Mensch, sondern gemeint ist die Homosexualität. Homophobie bezeichnet also eine Aversion, eine Abneigung gegen Schwule und Lesben.
Homophones Verhalten steht dabei in engem Zusammenhang zur Transphobie, da viele Homosexualität mit der Abweichung geschlechtstypischer Verhaltens- und Ausdrucksweisen zu erkennen glauben.
Wer Schwule und Lesben kennt, der weiß, dass das so leicht nicht möglich ist. Man kann nicht einfach so durch die Straßen ziehen und sagen: " Der ist schwul. Und der ist Schwul. Und dahinten steht ne Lesbe..." Denn bevor man sieht, dass jemand schwul, lesbisch oder trans ist, hat man sich selbst entschieden diesen Weg zu gehen. Man hat selbst für sich entschieden, dass man sich nicht mehr vor anderen verstecken möchte. Man hat selbst entschieden, dass man zu sich selbst stehen möchte und dies auch öffentlich kund tun will. Und wenn die Verwandlung bei Trans-Menschen beendet ist, erkennt man auch nicht mehr, dass sie früher einmal ein anderes Geschlecht hatten.

Homophobie oder besser gesagt homophobes Verhalten kann also auch die falschen Leute treffen. Schwule zeichnet eben nicht aus, dass sie besonders gut auf ihr Äußeres wert legen oder mit einer Handtasche durch die Gegend ziehen oder sich schminken. Ebenso zeichnen sich Lesben dadurch aus, dass besonders muskulös und durchtrainiert sind oder sich gerne prügeln. Schwul oder lesbisch zu sein bedeutet nicht mehr als dass man auf das gleiche Geschlecht steht und sich in dieses verliebt.
Wer nun also in der nächsten Zeit plant angebliche Schwule, Lesben oder Trans-Menschen niederzuschlagen, der sollte sich vorher drei Dinge überlegen.

  1. Ist die Person die ich verprügeln will überhaupt homo- oder transsexuell?
  2. Was hat diese Person mir eigentlich angetan?
  3. Warum verprügele ich Menschen, die sich lieben?


Donnerstag, 13. August 2015

F wie Familie I ABC eines Schwulen

Familie. Wir benutzen dieses Wort fast täglich. Laut Artikel 6 des Grundgesetzes stehen Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Bei der Diskussion um die Gleichstellung von Homo-Ehe und "normaler" Ehe fällt oft auch der Begriff Familie. Als sei es eine Einheit.
Aber was ist Familie eigentlich? Was bedeutet der Begriff Familie? Wann ist man eine Familie? Was macht eine Familie aus? Sind Ehe und Familie gleichzusetzen? Kann man die Begriffe Ehe und Familie überhaupt trennen?

Wir alle haben Familie. Wir alle wachsen in einer Familie auf. Wenn wir von Familie reden, so meinen wir oft die Kombination Vater, Mutter, Kind. Es ist eben die klassische Familie. Daneben gibt es aber auch andere Familienformen wie z.B. Alleinerziehende Eltern, Patchworkfamilien oder auch sogenannte Regenbogenfamilien, wo Kinder bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen.
Was all diese Familien gemeinsam haben sind Kinder. Jedenfalls auf den ersten Blick. Diese Personen verbindet nämlich noch viel mehr.
Familie bedeutet nicht nur, dass Menschen gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus wohnen. Es bedeutet vor allem auch Zusammenhalt und gemeinsames Vertrauen. In guten wie in schlechten Tagen, bis dass der Tod uns scheidet. Nicht umsonst geht der Familiengründung die Ehe zweier Menschen voraus. Man könnte fast schon sagen, dass die Ehe eine Familie-Lite ist. Es gibt vieles, was diese beiden Institutionen verbindet. Es treffen immer Menschen aufeinander, die sich vertrauen, die sich mögen. Menschen, die auch in schlechten Zeiten immer füreinander dasein werden.
In gewisser Weise kann man also die Begriffe Ehe und Familie gleichsetzen. Man muss sich aber auch immer die Unterschiede vor Augen führen. Nur weil ich eine Ehe eingehe bedeutet dies schließlich nicht, dass daraus zwangsläufig Kinder hervorgehen. Gerade bei der Diskussion um die Homo-Ehe scheinen aber viele diesen Fehler zu begehen.
Der Duden definiert den Begriff der Familie ganz ähnlich. Er gibt dafür zwei Möglichkeiten an:

  1. aus einem Elternpaar oder einem Elternteil und mindestens einem Kind bestehende (Lebens)Gemeinschaft.
  2. Gruppe aller miteinander (bluts)verwandten Personen; Sippe
Für mich persönlich steckt hinter einer Familie aber noch sehr viel mehr.
Lange Jahre war es bei unserer Familie Tradition, dass wir uns an Ostern treffen. Gemeinsam haben wir uns über das vergangene Jahr unterhalten oder auch was wir in Zukunft alles vorhaben. Wir haben Spaziergänge unternommen, gingen gemeinsam auf Ostereiersuche usw. usw.
Es war mit die schönste Zeit im Jahr. Es war einer der wenigen Momente, wo die gesamte Familie zusammen war. Oma, Opa, Onkel, Tanten, alle waren dabei.
Inzwischen gibt es diese Tradition nicht mehr. Durch einen Streit innerhalb der Familie brach der Kontakt nach und nach ab. Jeder hatte nur an sich und seinen Vorteil gedacht. Niemand hat mal darüber nachgedacht den Streit auch mal von einer anderen Perspektive zu sehen. Sich die andere Seite hineinversetzt. Und so kam es wie es kommen musste.
Alles was von meiner Familie noch übrig blieb sind meine Eltern, meine Geschwister und meiner Oma väterlicherseits. Der Rest ist entweder verstorben oder will nichts mehr mit uns zu tun haben.
Aber all dies hat auch etwas gutes. Nun weiß ich sehr wohl wer zu meiner Familie gehört. Ich weiß wem ich vertrauen kann. Wer auch in den dunkelsten Stunden zu mir halten wird. Bei einem Gespräch mit meiner Mutter sagte sie mal: "Auch wenn du eines Tages ankommen würdest und mir sagst, dass du eine Bank ausgeraubt hast, ich würde immer zu dir halten und dich beschützen."
Dieser Satz sagt so viel aus, was meines Erachtens eine Familie ausmacht. Denn auch wenn man weiß, dass man unglaublichen Bockmist gebaut hat. Wenn man weiß, dass man gerade den größten Fehler seines Lebens gemacht hat, so kann man doch offen und ehrlich sein. Die eigene wahre Familie würde immer zusammen halten. Getrau dem Motto der Musketiere: "Einer für alle - Und alle für einen!"