Wie bereits in den vorigen Posts ist mir zwischen den Jahren sehr viel passiert, was ich gerne in diesem Blog niederschreiben möchte. So verhält es sich auch mit dem Inhalt dieses Beitrages. Es geht um eine Situation, die ich am Morgen des 24. Dezembers miterleben musste. Eine Situation, welche eigentlich nur aussagen sollte "pass auf dich auf", aber am Ende doch nur für Verunsicherung sorgte. Und das alles nur weil sich die Eltern Sorgen machen um ihr Kind.
Aber beginnen wir doch einfach von Vorne. Wie in jedem Jahr wird bei uns in der Familie der Weihnachtsbaum am 23. Dezember geschmückt. Früher haben noch die Engel geholfen, aber dafür sind wir wohl inzwischen alle etwas zu alt geworden. Oder auch zu viele. In den letzten Jahren wurde daraus nämlich eine kleine Vorweihnachtsfeier, bei der ein paar Nachbarn und Freunde mitfeiern und jeder darf natürlich den Baum schmücken.
Doch was wäre eine Feier ohne Alkohol. Natürlich kann man auch ohne feiern und sehr viel spaß haben. An dieser alljährlichen Baumschmückparty floss bislang aber immer Alkohol. So auch im Jahre 2017. Da man natürlich im besoffenen Kopf auch kein Auto fahren sollte, gab es auch ein paar Leute, die direkt über Nacht geblieben sind.
So kam es dann auch zu der Situation am Morgen des 24.12.2017. Mein kleiner Bruder hat gefragt, ob er seine Freunde nach Hause fahren könne. Eigentlich kein Problem, wenn da nicht der etwas feucht, fröhliche Abend gewesen wäre. Und so Antworteten meine Eltern eben nicht mit: "Ja, aber fahr vorsichtig.", sondern mit der Frage: "darfst du denn schon wieder fahren?"
Beide Sätze tragen letztlich die Aussage in sich "sei Vorsichtig, ich mache mir sorgen um dich." Rüberkommen tun sie aber auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Letztlich wurde mein kleiner Bruder durch die Frage nach seiner Fahrtüchtigkeit total verunsichert, was man auch an seinem Verhalten feststellen konnte. Die Frage impliziert nämlich nicht nur: "ich mache mir sorgen um dich", sondern auch: "ich traue dir in deinem Zustand nicht zu ein Auto zu führen." Genau um diese Aussage geht es letztlich, welche mich dazu bewegt diesen Beitrag zu schreiben.
Ich traue dir in deinem Zustand nicht zu ein Auto zu führen.
Eine Aussage, welche meine Eltern so wahrscheinlich garnicht beabsichtigt haben. Letztlich ist es nämlich ein enormer Vertrauensverlust. Wenn die eigenen Eltern einem nicht mehr zutrauen das Auto von A nach B zu fahren, obwohl man eigentlich total klar im Kopf ist. Natürlich ist am Morgen nach einem feucht, fröhlichen Abend noch Restalkohol im Blut. Oftmals sogar mehr als wir glauben. Ich weiß auch dass dadurch schon einige Unfälle geschehen sind, weil wir uns maßlos überschätzt haben. Doch ich kenne meinen kleinen Bruder. Ich habe ihn am Frühstückstisch erlebt und ich habe ihm diese Fahrt auch zugetraut. Er ist schließlich mein kleiner Bruder.
Eben weil er mein Bruder ist, mache ich mir auch ein wenig sorgen. Ich wohne nicht mehr bei meinen Eltern, wie er es tut. Ich bekomme also garnicht mehr alles mit, was dort alles vorfällt. Ich kann meinen Eltern garnicht mehr immer beratend zur Seite stehen. Ich kann meinen kleinen Bruder, und meine anderen Geschwister garnicht in Schutz nehmen, wenn es nötig ist. Denn was passiert mit einem Menschen, an den keiner mehr so richtig glaubt? Was passiert, wenn ein Mensch keinen Rückhalt erfährt? Was passiert mit einem, wenn die eigene Familie nicht mehr zu einem hält?
Ich kann verstehen, dass Eltern sich große Sorgen um die eigenen Kinder machen. Das ist okay. Das ist gut. Doch manchmal kann man sich eben auch zu viele Sorgen machen. Auch wenn es die Eltern nur gut meinen, können die Auswirkungen eben doch unangenehme Nebenwirkungen haben. Als Elternteil will man, dass das kleine Kind am liebsten immer zu Hause in den eigenen vier Wänden bleibt. Die Wahrheit ist aber, dass jeder Mensch irgendwann an einen Punkt kommt, wo er sein eigenes Leben führen möchte. Wo man einfach selbst da raus möchte und die Welt entdecken will.
Doch darauf muss man vorbereitet werden. Jeder Mensch lernt nach und nach wie er Dinge meistern kann. Jeder Mensch braucht einfach die Erfolgserlebnisse. Die ersten Worte, das erste Krabbeln, die ersten Schritte. Alles gehört dazu und die Eltern spielen da eben eine sehr sehr große Rolle. Wenn die Eltern einen damals nicht ermutigt hätten nach den ersten Schritten, noch weiter zu laufen, hätte man vermutlich nicht so viel Freude daran gehabt und das Ganze garnicht groß verfolgt, sondern mehr also notwendiges übel gesehen. Wenn man läuft kommt man schließlich schneller voran, als wenn man die ganze Zeit krabbelt.
Genau so verhält es sich wohl mit allem. Wenn uns keiner groß ermutigt etwas zu tun, dann sehen wir es nunmal als notwendiges Übel an. Als eine Sache, die für selbstverständlich gehalten wird. Letztlich fühlt es sich so an, als ob man den eigenen Eltern nichts recht machen kann. Ständig ist man der Buh-Mann. Immer hacken alle auf einem rum. Nie kann man es einem recht machen. Nicht mal den eigenen Eltern. Solche Situationen und Ereignisse können einem sehr an die Substanz gehen. Es nagt am Selbstvertrauen und am Selbstbewusstsein. Man selbst fällt nach einiger Zeit in ein tiefes, schwarzes Loch. Das Selbstwertgefühl sinkt immer weiter. Man hat keine Lust mehr überhaupt die Wohnung zu verlassen und man vereinsamt nach und nach.
Doch all das kann man verhindern. Denkt einfach ein wenig nach bevor ihr es aussprecht. Überlegt, was ihr aussagen wollt und entscheidet dann mit welchen Worten ihr es am Besten tun könnt. Natürlich gelingt das nicht immer. Gerade wenn man sauer auf jemanden ist und sich in rage geredet hat, fällt es sehr schwer. Im Normalfall kann man sich aber durchaus die Zeit nehmen und erst kurz überlegen, was man überhaupt aussagen möchte bzw. im Gespräch näher erläutern was man überhaupt gemeint hat.
Meinem kleinen Bruder hätte es bestimmt geholfen, wenn meine Eltern erstmal kurz nachgedacht hätten, was sie eigentlich aussagen wollten und mit welchen Worten. Der Satz: "Ja, aber fahr bitte vorsichtig." wäre in dieser Situation wohl passender gewesen. Er hätte nämlich ausgesagt: ja, wir trauen dir diese Fahrt zu. Und am Ende wäre das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein ein wenig gewachsen und stärker geworden. Manchmal sind es eben Kleinigkeiten, die eine ungeheure Wirkung haben.
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Mittwoch, 17. Januar 2018
Ein Satz - eine Aussage - eine Wirkung
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Hamburg, Deutschland
Donnerstag, 13. August 2015
F wie Familie I ABC eines Schwulen
Familie. Wir benutzen dieses Wort fast täglich. Laut Artikel 6 des Grundgesetzes stehen Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Bei der Diskussion um die Gleichstellung von Homo-Ehe und "normaler" Ehe fällt oft auch der Begriff Familie. Als sei es eine Einheit.
Aber was ist Familie eigentlich? Was bedeutet der Begriff Familie? Wann ist man eine Familie? Was macht eine Familie aus? Sind Ehe und Familie gleichzusetzen? Kann man die Begriffe Ehe und Familie überhaupt trennen?
Wir alle haben Familie. Wir alle wachsen in einer Familie auf. Wenn wir von Familie reden, so meinen wir oft die Kombination Vater, Mutter, Kind. Es ist eben die klassische Familie. Daneben gibt es aber auch andere Familienformen wie z.B. Alleinerziehende Eltern, Patchworkfamilien oder auch sogenannte Regenbogenfamilien, wo Kinder bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen.
Was all diese Familien gemeinsam haben sind Kinder. Jedenfalls auf den ersten Blick. Diese Personen verbindet nämlich noch viel mehr.
Familie bedeutet nicht nur, dass Menschen gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus wohnen. Es bedeutet vor allem auch Zusammenhalt und gemeinsames Vertrauen. In guten wie in schlechten Tagen, bis dass der Tod uns scheidet. Nicht umsonst geht der Familiengründung die Ehe zweier Menschen voraus. Man könnte fast schon sagen, dass die Ehe eine Familie-Lite ist. Es gibt vieles, was diese beiden Institutionen verbindet. Es treffen immer Menschen aufeinander, die sich vertrauen, die sich mögen. Menschen, die auch in schlechten Zeiten immer füreinander dasein werden.
In gewisser Weise kann man also die Begriffe Ehe und Familie gleichsetzen. Man muss sich aber auch immer die Unterschiede vor Augen führen. Nur weil ich eine Ehe eingehe bedeutet dies schließlich nicht, dass daraus zwangsläufig Kinder hervorgehen. Gerade bei der Diskussion um die Homo-Ehe scheinen aber viele diesen Fehler zu begehen.
Der Duden definiert den Begriff der Familie ganz ähnlich. Er gibt dafür zwei Möglichkeiten an:
Aber was ist Familie eigentlich? Was bedeutet der Begriff Familie? Wann ist man eine Familie? Was macht eine Familie aus? Sind Ehe und Familie gleichzusetzen? Kann man die Begriffe Ehe und Familie überhaupt trennen?
Wir alle haben Familie. Wir alle wachsen in einer Familie auf. Wenn wir von Familie reden, so meinen wir oft die Kombination Vater, Mutter, Kind. Es ist eben die klassische Familie. Daneben gibt es aber auch andere Familienformen wie z.B. Alleinerziehende Eltern, Patchworkfamilien oder auch sogenannte Regenbogenfamilien, wo Kinder bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen.
Was all diese Familien gemeinsam haben sind Kinder. Jedenfalls auf den ersten Blick. Diese Personen verbindet nämlich noch viel mehr.
Familie bedeutet nicht nur, dass Menschen gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus wohnen. Es bedeutet vor allem auch Zusammenhalt und gemeinsames Vertrauen. In guten wie in schlechten Tagen, bis dass der Tod uns scheidet. Nicht umsonst geht der Familiengründung die Ehe zweier Menschen voraus. Man könnte fast schon sagen, dass die Ehe eine Familie-Lite ist. Es gibt vieles, was diese beiden Institutionen verbindet. Es treffen immer Menschen aufeinander, die sich vertrauen, die sich mögen. Menschen, die auch in schlechten Zeiten immer füreinander dasein werden.
In gewisser Weise kann man also die Begriffe Ehe und Familie gleichsetzen. Man muss sich aber auch immer die Unterschiede vor Augen führen. Nur weil ich eine Ehe eingehe bedeutet dies schließlich nicht, dass daraus zwangsläufig Kinder hervorgehen. Gerade bei der Diskussion um die Homo-Ehe scheinen aber viele diesen Fehler zu begehen.
Der Duden definiert den Begriff der Familie ganz ähnlich. Er gibt dafür zwei Möglichkeiten an:
- aus einem Elternpaar oder einem Elternteil und mindestens einem Kind bestehende (Lebens)Gemeinschaft.
- Gruppe aller miteinander (bluts)verwandten Personen; Sippe
Für mich persönlich steckt hinter einer Familie aber noch sehr viel mehr.
Lange Jahre war es bei unserer Familie Tradition, dass wir uns an Ostern treffen. Gemeinsam haben wir uns über das vergangene Jahr unterhalten oder auch was wir in Zukunft alles vorhaben. Wir haben Spaziergänge unternommen, gingen gemeinsam auf Ostereiersuche usw. usw.
Es war mit die schönste Zeit im Jahr. Es war einer der wenigen Momente, wo die gesamte Familie zusammen war. Oma, Opa, Onkel, Tanten, alle waren dabei.
Inzwischen gibt es diese Tradition nicht mehr. Durch einen Streit innerhalb der Familie brach der Kontakt nach und nach ab. Jeder hatte nur an sich und seinen Vorteil gedacht. Niemand hat mal darüber nachgedacht den Streit auch mal von einer anderen Perspektive zu sehen. Sich die andere Seite hineinversetzt. Und so kam es wie es kommen musste.
Alles was von meiner Familie noch übrig blieb sind meine Eltern, meine Geschwister und meiner Oma väterlicherseits. Der Rest ist entweder verstorben oder will nichts mehr mit uns zu tun haben.
Aber all dies hat auch etwas gutes. Nun weiß ich sehr wohl wer zu meiner Familie gehört. Ich weiß wem ich vertrauen kann. Wer auch in den dunkelsten Stunden zu mir halten wird. Bei einem Gespräch mit meiner Mutter sagte sie mal: "Auch wenn du eines Tages ankommen würdest und mir sagst, dass du eine Bank ausgeraubt hast, ich würde immer zu dir halten und dich beschützen."
Dieser Satz sagt so viel aus, was meines Erachtens eine Familie ausmacht. Denn auch wenn man weiß, dass man unglaublichen Bockmist gebaut hat. Wenn man weiß, dass man gerade den größten Fehler seines Lebens gemacht hat, so kann man doch offen und ehrlich sein. Die eigene wahre Familie würde immer zusammen halten. Getrau dem Motto der Musketiere: "Einer für alle - Und alle für einen!"
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Montag, 22. Juni 2015
Der deutsche Schulpreis
Es ist das Ereignis über dass sich alle die Mäuler zerreißen. Die 20-jährige Modestudentin Tanja Fuß scheiterte bei Wer wird Millionär schon an der 50-Euro-Frage. Eine Frage, die bisher jeder richtig beantwortet hatte. Aber nicht diesmal. Tanja durfte gerade einmal 45 Sekunden auf dem legendären Stuhl platz nehmen. Für Sie war das ganze ein kurzes Vergnügen.
Aber woran lag es? Hatte Sie die Frage nicht verstanden? Konnte Sie mit den Antworten nichts anfangen? Hatte Sie das Ganze auf die leichte Schulter genommen? Oder lag es eventuell an unserem Bildungssystem? Lernen wir nur noch für die nächste Prüfung? Folgen wir nur noch einem Ziel ohne auch mal links und Rechts des Weges zu schauen?
Vor gut zwei Wochen wurden die Besten Schulen Deutschlands ausgezeichnet. Dabei ging es nicht um die Schulform, das Bundesland, die Ausstattung oder das Geld. Bei dem deutschen Schulpreis wird die Schule ausgezeichnet deren Unterrichtskonzept besonders innovativ und exzellent ist. Es hängt also alles an den Lehrern, die den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Eine der ausgezeichneten Schulen ist die Gesamtschule im Wuppertaler Stadtteil Barmen. Sie mache es möglich, dass "alle an ihr Ziel kommen", so Michael Schatz, der Sprecher der Jury.
In dem 20 jährigen Bestehen der Gesamtschule hat sich vieles verändert. So dauert hier eine Schulstunde 65 statt 45 Minuten, es lasse sich einfach besser arbeiten. Aber auch der Begriff Klassenzimmer wurde neu definiert. Nun lernen die Kinder auch in der Bibliothek, am Rande des Schulteichs oder auch auf dem Fußboden der Galerie unter einem riesigen Glasdach.
Eine dieser Veränderungen klingt aber gerade zu revolutionär: Es gibt an dieser Schule so gut wie keine Hausaufgaben. Lange Zeit war dies kaum vorstellbar. Heute ist es aber Realität geworden. Zumindest an dieser Schule in Wuppertal.
Die Idee dahinter ist aber schon älter. Bereits und den 80er Jahren gab es die ersten Forderungen Hausaufgaben abzuschaffen. Den Schülern sollte unnötiger Stress erspart bleiben. Leider ohne Erfolg. Eltern und Lehrer glaubten auch weiterhin an die Paukerei daheim. Der Schulstoff sollte mithilfe der Hausaufgaben weiter vertieft und gefestigt werden. Bildungsforscher bezweifeln dies aber schon seit längerem.
Statt der üblichen Hausaufgaben gibt in Barmen sogenannte "Arbeitsstunden". In dieser Zeit können die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben für den Unterricht bearbeiten. Diese Schulstunden sind nicht wie in Ganztagsschulen drangehängt sondern finden zur besten Zeit des Tages statt: etwa um 10:30 Uhr, 65 Minuten lang. Solche Stunden finden zwei bis dreimal pro Woche statt. Die Klassenlehrer sind immer dabei.
In einer solchen Arbeitsstunde geht es aber nicht nur darum stumm und konzentriert vor sich hinzuarbeiten. Dies findet nur im ersten Teil der Stunde statt. Danach geht es raus auf den Flur. Nun beginnt der angenehmere Teil der Stunde. Die Kinder erzählen sich was sie gerade bearbeitet haben und was sie persönlich herausgefunden haben.
In Barmen hat jeder Schüler ein "Logbuch". Darin stehen die Aufgaben, welche bearbeiten werden müssen, natürlich maßgeschneidert für jedes Kind. Ist eine dieser Aufgaben erledigt, kann das Kind sie abhaken. Sollte sie nicht fertig sein, so muss der Schüler oder die Schülerin eben doch zu Hause nacharbeiten. Um dies zu kontrollieren müssen die Eltern jede Woche das Logbuch unterschreiben. Ganz ohne Hausaufgaben geht es dann wohl doch nicht. Aber dies haben die Schüler selbst in der Hand. Wer trödelt und nicht konzentriert arbeitet, der muss eben nacharbeiten. So lernen die Kinder aber auch ihre Zeit einzuteilen.
Die Unterrichtszeit ist zwar länger. In Barmen geht sie bis 15:05 Uhr. Dennoch haben die Schülerinnen und Schüler mehr Freizeit. Sie müssen sich schließlich nicht noch stundenlang mit den Hausaufgaben rumschlagen. So bleibt mehr Zeit für Freunde, Familie oder auch das ein oder andere Hobby.
Aber woran lag es? Hatte Sie die Frage nicht verstanden? Konnte Sie mit den Antworten nichts anfangen? Hatte Sie das Ganze auf die leichte Schulter genommen? Oder lag es eventuell an unserem Bildungssystem? Lernen wir nur noch für die nächste Prüfung? Folgen wir nur noch einem Ziel ohne auch mal links und Rechts des Weges zu schauen?
Vor gut zwei Wochen wurden die Besten Schulen Deutschlands ausgezeichnet. Dabei ging es nicht um die Schulform, das Bundesland, die Ausstattung oder das Geld. Bei dem deutschen Schulpreis wird die Schule ausgezeichnet deren Unterrichtskonzept besonders innovativ und exzellent ist. Es hängt also alles an den Lehrern, die den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Eine der ausgezeichneten Schulen ist die Gesamtschule im Wuppertaler Stadtteil Barmen. Sie mache es möglich, dass "alle an ihr Ziel kommen", so Michael Schatz, der Sprecher der Jury.
In dem 20 jährigen Bestehen der Gesamtschule hat sich vieles verändert. So dauert hier eine Schulstunde 65 statt 45 Minuten, es lasse sich einfach besser arbeiten. Aber auch der Begriff Klassenzimmer wurde neu definiert. Nun lernen die Kinder auch in der Bibliothek, am Rande des Schulteichs oder auch auf dem Fußboden der Galerie unter einem riesigen Glasdach.
Eine dieser Veränderungen klingt aber gerade zu revolutionär: Es gibt an dieser Schule so gut wie keine Hausaufgaben. Lange Zeit war dies kaum vorstellbar. Heute ist es aber Realität geworden. Zumindest an dieser Schule in Wuppertal.
Die Idee dahinter ist aber schon älter. Bereits und den 80er Jahren gab es die ersten Forderungen Hausaufgaben abzuschaffen. Den Schülern sollte unnötiger Stress erspart bleiben. Leider ohne Erfolg. Eltern und Lehrer glaubten auch weiterhin an die Paukerei daheim. Der Schulstoff sollte mithilfe der Hausaufgaben weiter vertieft und gefestigt werden. Bildungsforscher bezweifeln dies aber schon seit längerem.
Statt der üblichen Hausaufgaben gibt in Barmen sogenannte "Arbeitsstunden". In dieser Zeit können die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben für den Unterricht bearbeiten. Diese Schulstunden sind nicht wie in Ganztagsschulen drangehängt sondern finden zur besten Zeit des Tages statt: etwa um 10:30 Uhr, 65 Minuten lang. Solche Stunden finden zwei bis dreimal pro Woche statt. Die Klassenlehrer sind immer dabei.
In einer solchen Arbeitsstunde geht es aber nicht nur darum stumm und konzentriert vor sich hinzuarbeiten. Dies findet nur im ersten Teil der Stunde statt. Danach geht es raus auf den Flur. Nun beginnt der angenehmere Teil der Stunde. Die Kinder erzählen sich was sie gerade bearbeitet haben und was sie persönlich herausgefunden haben.
In Barmen hat jeder Schüler ein "Logbuch". Darin stehen die Aufgaben, welche bearbeiten werden müssen, natürlich maßgeschneidert für jedes Kind. Ist eine dieser Aufgaben erledigt, kann das Kind sie abhaken. Sollte sie nicht fertig sein, so muss der Schüler oder die Schülerin eben doch zu Hause nacharbeiten. Um dies zu kontrollieren müssen die Eltern jede Woche das Logbuch unterschreiben. Ganz ohne Hausaufgaben geht es dann wohl doch nicht. Aber dies haben die Schüler selbst in der Hand. Wer trödelt und nicht konzentriert arbeitet, der muss eben nacharbeiten. So lernen die Kinder aber auch ihre Zeit einzuteilen.
Die Unterrichtszeit ist zwar länger. In Barmen geht sie bis 15:05 Uhr. Dennoch haben die Schülerinnen und Schüler mehr Freizeit. Sie müssen sich schließlich nicht noch stundenlang mit den Hausaufgaben rumschlagen. So bleibt mehr Zeit für Freunde, Familie oder auch das ein oder andere Hobby.
"Früher lernte man für das Leben, heute gibt es Abschlussprüfungen."
Ein Dozent an der Uni sagte einmal: "Früher lernte man für das Leben, heute gibt es Abschussprüfungen." Ein Satz, der unser Bildungssystem auf den Punkt bringt. Natürlich gibt es Fächer und Themengebiete die macht man nicht so gerne, in denen bekommt man auch eher schlechtere Noten. Aber auch diese Zeiten gehen vorbei und es kommen interessantere Themen.
Was mich persönlich an unserem Schulsystem stört ist, dass der Schwerpunkt darauf gelegt wird eine Prüfung zu bestehen. Bei den Themen Zeitmanagement oder Eigenverantwortung, da werden die Schülerinnen und Schüler eher alleingelassen. Dabei gehören doch eben diese zu den Grundkompetenzen die man im späteren Leben braucht.
In der Gesamtschule in Barmen erlernen die Schüler auch diese Kompetenzen im Fach "Arbeitsstunden", wo sie selbständig ihre Aufgaben erledigen. Die Frage ist wann dieses Lernkonzept auch an anderen Schulen Einzug hält.
Montag, 4. Mai 2015
Sex Sex Sex Sex Sex...
Egal wo wir auch hinsehen, überall scheint es immer nur um das eine zu gehen. Wir leben in einer Gesellschaft, die an nichts anderes mehr denken kann. Man kann kaum noch einen Satz sagen, ohne dass ihn jemand falsch versteht. Es ist fast schon eine Sucht darüber zu sprechen.
Lange Zeit hat man sich noch nicht einmal getraut das Wort in den Mund zu nehmen. Es war nunmal ein Tabuthema. Man hat nicht darüber gesprochen. Ebenso wenig wie über die Kriegszeit. Natürlich hat man hier und da mal etwas gehört und irgendwie wurde das Thema doch angeschnitten, aber immer alles sehr wage und oberflächlich. Über mögliche Risiken wurde nicht geredet. Die Frau war des Mannes Untertan und hatte zu gehorchen.
Die Generation meiner Eltern gingen da schon eher auf das Thema ein. Sie haben selbst noch miterlebt, wie alles Tod geschwiegen wurde. Sie gehören aber auch zu der ersten Generation, welche die Anfänge des HI-Virus mitbekommen haben. Sie kennen die Folgen dieser Krankheit. Ihnen war klar, dass man das Thema Sex behandeln muss. Ihnen war wichtig, dass ihre Kinder aufgeklärt werden. Sie wollten nicht, dass sich ihre Kinder mit dem HI-Virus ansteckten. Damals war diese Krankheit noch tödlich. Heute haben HIV-Positive eine gleich hohe Lebenserwartung wie andere.
Die Hemmschwelle ist seitdem von Generation zu Generation gesunken. Für manche scheint es ein Thema wie jedes andere zu sein. Als ob es um den Wocheneinkauf im Supermarkt ginge.
Aber nicht nur Jugendliche sprechen plötzlich über Sex auch ältere Menschen sprechen nun darüber. Sogar im Altersheim gibt es den ein oder Anderen, welcher auf seine alten Tage noch mal etwas Schönes erleben möchte. Hier ist es aber immer noch ein Tabuthema. Unser Bild von alten Menschen muss nochmal überholt werden. Es sind eben nicht nur alte, gebrechliche Menschen die im Bett liegen und evtl. mal einen kleinen Spaziergang mit ihrem Rollator machen. Nein, auch sie haben noch gewisse Bedürfnisse. Doch Pfleger und Angehörige lernen erst langsam damit umzugehen. Vor allem bei Demenzkranken scheint dies häufiger der Fall zu sein. Die Pflegekräfte sind nicht ausreichend dafür ausgebildet. Es ist eine vollkommen neue Situation für sie, wenn der Patient Annäherungsversuche unternimmt. Dies geht so weit, dass sich manche Pfleger schon gar nicht mehr trauen bestimmte Patienten zu behandeln.
Catharina König ist ehemalige Steuerfachangestellte. Sie sagt selbst, dass sie "gut Menschen spüren" könne. So ist sie auch auf die Idee gekommen, als Sexualbegleiterin zu arbeiten. Anfangs hatte sie ausschließlich Menschen mit Behinderung als Kunden. Nach und nach sind aber auch Senioren hinzugekommen. Oft würden alte Menschen gar nicht mehr als körperliche Nähe wollen: "Ich nehme sie in den Arm, streichele, schaffe einen Raum von Intimität." Letztlich sind es nur Zeichen menschlicher Vertrautheit, für die im Alltagsbetrieb eines Heimes leider nur selten Zeit bleibt.
Catharina König erkundigt sich immer nach ein paar Tagen, wie ihre Dienstleistung gewirkt hat. Sie bekommt fast nur positive Rückmeldungen. Das Wohlbefinden nach Massagen oder intensiver Körpernähe halte oft länger als die Befriedigung nach einem Orgasmus. Geschlechts- und Oralverkehr bietet sie aber nicht an.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Sex eines der Hauptthemen überhaupt ist. Dabei denken wir alle zuerst an den Geschlechtsverkehr an sich. Dem zeugen von Kindern und der Befriedigung danach. Dass es aber auch andere Gründe geben kann, darauf kommt kaum jemand.
Die Universität Rostock hat kürzlich eine Studie zu Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeiten herausgebracht. Es wurden insgesamt 194 Menschen im Alter von 74 Jahren befragt. Das Ergebnis: 91 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen fanden Zärtlichkeiten wichtig. Knapp zwei Drittel der Männer fanden Sex wichtig oder sogar sehr wichtig. Bei den Frauen war der Trieb nicht mehr so ausgeprägt.
Vielleicht ist es langsam an der Zeit, dass wir anfangen umzudenken. Wenn wir über das Thema Sex nachdenken oder darüber Sprechen, dann sollten wir nicht immer nur den Geschlechtsverkehr an sich und die Befriedigung danach betrachten. Es sind auch die Zärtlichkeiten die wir austauschen. Die Nähe zu einem anderen Menschen.
Lange Zeit hat man sich noch nicht einmal getraut das Wort in den Mund zu nehmen. Es war nunmal ein Tabuthema. Man hat nicht darüber gesprochen. Ebenso wenig wie über die Kriegszeit. Natürlich hat man hier und da mal etwas gehört und irgendwie wurde das Thema doch angeschnitten, aber immer alles sehr wage und oberflächlich. Über mögliche Risiken wurde nicht geredet. Die Frau war des Mannes Untertan und hatte zu gehorchen.
Die Generation meiner Eltern gingen da schon eher auf das Thema ein. Sie haben selbst noch miterlebt, wie alles Tod geschwiegen wurde. Sie gehören aber auch zu der ersten Generation, welche die Anfänge des HI-Virus mitbekommen haben. Sie kennen die Folgen dieser Krankheit. Ihnen war klar, dass man das Thema Sex behandeln muss. Ihnen war wichtig, dass ihre Kinder aufgeklärt werden. Sie wollten nicht, dass sich ihre Kinder mit dem HI-Virus ansteckten. Damals war diese Krankheit noch tödlich. Heute haben HIV-Positive eine gleich hohe Lebenserwartung wie andere.
Die Hemmschwelle ist seitdem von Generation zu Generation gesunken. Für manche scheint es ein Thema wie jedes andere zu sein. Als ob es um den Wocheneinkauf im Supermarkt ginge.Aber nicht nur Jugendliche sprechen plötzlich über Sex auch ältere Menschen sprechen nun darüber. Sogar im Altersheim gibt es den ein oder Anderen, welcher auf seine alten Tage noch mal etwas Schönes erleben möchte. Hier ist es aber immer noch ein Tabuthema. Unser Bild von alten Menschen muss nochmal überholt werden. Es sind eben nicht nur alte, gebrechliche Menschen die im Bett liegen und evtl. mal einen kleinen Spaziergang mit ihrem Rollator machen. Nein, auch sie haben noch gewisse Bedürfnisse. Doch Pfleger und Angehörige lernen erst langsam damit umzugehen. Vor allem bei Demenzkranken scheint dies häufiger der Fall zu sein. Die Pflegekräfte sind nicht ausreichend dafür ausgebildet. Es ist eine vollkommen neue Situation für sie, wenn der Patient Annäherungsversuche unternimmt. Dies geht so weit, dass sich manche Pfleger schon gar nicht mehr trauen bestimmte Patienten zu behandeln.
Catharina König ist ehemalige Steuerfachangestellte. Sie sagt selbst, dass sie "gut Menschen spüren" könne. So ist sie auch auf die Idee gekommen, als Sexualbegleiterin zu arbeiten. Anfangs hatte sie ausschließlich Menschen mit Behinderung als Kunden. Nach und nach sind aber auch Senioren hinzugekommen. Oft würden alte Menschen gar nicht mehr als körperliche Nähe wollen: "Ich nehme sie in den Arm, streichele, schaffe einen Raum von Intimität." Letztlich sind es nur Zeichen menschlicher Vertrautheit, für die im Alltagsbetrieb eines Heimes leider nur selten Zeit bleibt.
Catharina König erkundigt sich immer nach ein paar Tagen, wie ihre Dienstleistung gewirkt hat. Sie bekommt fast nur positive Rückmeldungen. Das Wohlbefinden nach Massagen oder intensiver Körpernähe halte oft länger als die Befriedigung nach einem Orgasmus. Geschlechts- und Oralverkehr bietet sie aber nicht an.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Sex eines der Hauptthemen überhaupt ist. Dabei denken wir alle zuerst an den Geschlechtsverkehr an sich. Dem zeugen von Kindern und der Befriedigung danach. Dass es aber auch andere Gründe geben kann, darauf kommt kaum jemand.
Die Universität Rostock hat kürzlich eine Studie zu Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeiten herausgebracht. Es wurden insgesamt 194 Menschen im Alter von 74 Jahren befragt. Das Ergebnis: 91 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen fanden Zärtlichkeiten wichtig. Knapp zwei Drittel der Männer fanden Sex wichtig oder sogar sehr wichtig. Bei den Frauen war der Trieb nicht mehr so ausgeprägt.
Vielleicht ist es langsam an der Zeit, dass wir anfangen umzudenken. Wenn wir über das Thema Sex nachdenken oder darüber Sprechen, dann sollten wir nicht immer nur den Geschlechtsverkehr an sich und die Befriedigung danach betrachten. Es sind auch die Zärtlichkeiten die wir austauschen. Die Nähe zu einem anderen Menschen.
Montag, 23. Februar 2015
Ich bin ein toleranter Mensch, aber ...
Ich bin ein toleranter Mensch.
Ein Satz, den wir nur zu gerne hören. Auf einmal fällt eine große Last von unseren Schultern. Alle Ängste, alle Sorgen sind auf einmal weg. Wir müssen uns nicht mehr verstellen. Wir müssen nicht irgendetwas vorgeben, was wir gar nicht sind. Wir können einfach nur der sein, der wir sind.
Aber was macht einen toleranten Menschen eigentlich aus? Woran erkennen wir einen toleranten Menschen? Wann wissen wir, wenn ein Mensch tolerant ist und wie tolerant ist er dann tatsächlich?
Wir leben in einer Gesellschaft in der wir Vorurteile gegenüber bestimmte Gruppen von Menschen haben. Ob sich diese nun bewahrheiten oder nicht ist eine andere Frage. Jeder Mensch ist schließlich einzigartig. Man wird nie zwei exakt gleiche finden. Dennoch haben wir Vorurteile und durch diese diskriminieren wir andere Menschen, auch wenn wir das gar nicht möchten.
Durch solche Diskriminierungen machen wir Anderen das Leben schwer. Sie trauen sich nicht offen und ehrlich zu sein. Sie haben viel zu viel Angst davor selbst ein Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung zu werden. Sie werden vielleicht nie richtig glücklich im Leben sein, weil sie nicht zu sich selbst finden.
Ich selbst weiß nur zu gut, wie es ist zu einer diskriminierten Randgruppe zu gehören und das nicht nur weil ich schwul bin. Nein, ich bin auch auf die Waldorfschule gegangen. Es ging also immer mal wieder darum, ob ich meinen Namen tanzen könne, ob man für sein Abitur nur einen Baum pflanzen müsse oder dort nur zurückgebliebene Öko-Freaks seien. Ja, man lernt dort auch seinen Namen zu tanzen und ab und zu frage auch ich mich was da manchmal für Öko-Freaks rumlaufen, aber das sind vielleicht einer unter 100.000. Es sagt also überhaupt nichts aus.
Dennoch bleiben die Vorurteile bestehen. Erst wenn man sich mal näher mit dem Thema auseinandersetzt, fängt ein umdenken statt. So auch bei Bekannten von mir. Ihnen habe ich von der Waldorfschule erzählt. Mit der Zeit waren sie so begeistert, dass sie ihr Kind auch auf der Waldorfschule anmelden wollten. Über Wochen und Monate haben sie sich immer wieder gemeldet und wollten weitere Dinge über die Schule erfahren, allerdings haben sie ihr Kind nie dort angemeldet. Der Grund: Es gibt zu viele Vorurteile. Sie wollen nicht, dass ihr Kind ausgegrenzt und diskriminiert wird.
Ein durchaus verständliches Argument. Wer will schon, dass das eigene Kind unglücklich ist. Aber was sagt das über die Toleranz eines Menschen aus?
Letztlich mag man auch weiterhin ein toleranter Mensch sein, aber dass man selbst zum Kreis der Betroffenen gehört will man nicht wahr haben und versucht es zu umgehen. Viel eher geht man den möglichen Problemen aus dem Weg. In einem selbst mag ein Umdenken stattgefunden haben, aber irgendwie schämt man sich dafür. Man will es nicht wahr haben. Zu zeigen, dass an den Vorurteilen nichts dran ist, soweit geht der Mut und die Toleranz dann doch nicht.
Wir mögen in einer Gesellschaft leben, in der sehr viel toleriert wird, aber wer und vor allem was toleriert wird bleibt erstmal ein Geheimnis. So auch bei dem Coming Out. Manchmal schlägt man sich Tage, Wochen und Monate mit ein und dem selben Gedanken herum. Man spielt die verrücktesten Szenen durch. Man macht sich die größten Gedanken, was alles passieren könnte, nur um dann zu erfahren, dass alles in Ordnung ist, dass man sein Gegenüber einfach falsch eingeschätzt hat.
Warum zeigt man sich dann nicht einfach mal so von seiner toleranten Seite? Warum kämpft man nicht auch mal so für die Rechte anderer? Warum geht man nicht auch mal als Heteerosexueller über den CSD und bekundet so seine Toleranz? Ist es nicht schon schlimm genug, dass das eigene Kind von anderen diskriminiert wird?
Wenn es um ein Coming Out geht, würden solche Aktionen bestimmt helfen. Ich selbst habe lange Zeit mit dem Gedanken gespielt, wann ich mich denn nun vor meiner Familie outen sollte. Immer wieder kamen Ängste hoch, dass ich von der Familie verstoßen würde, der Kontakt abbrechen könnte oder andere Dinge geschehen würden. Letztlich habe ich da aber falsch gelegen. Ich habe das Verhalten meiner Familie nur falsch gedeutet.
All die Sorgen und Ängste waren also mehr oder minder umsonst. Ich habe mir es unnötig schwer gemacht. Hätten sich meine Eltern klarer positioniert zu dem Thema Homosexualität, wäre das Ganze vermutlich auch für mich einfacher gewesen. Das ein Mensch tolerant ist erfährt man eben oft erst hinterher.
Ein Satz, den wir nur zu gerne hören. Auf einmal fällt eine große Last von unseren Schultern. Alle Ängste, alle Sorgen sind auf einmal weg. Wir müssen uns nicht mehr verstellen. Wir müssen nicht irgendetwas vorgeben, was wir gar nicht sind. Wir können einfach nur der sein, der wir sind.
Aber was macht einen toleranten Menschen eigentlich aus? Woran erkennen wir einen toleranten Menschen? Wann wissen wir, wenn ein Mensch tolerant ist und wie tolerant ist er dann tatsächlich?
Wir leben in einer Gesellschaft in der wir Vorurteile gegenüber bestimmte Gruppen von Menschen haben. Ob sich diese nun bewahrheiten oder nicht ist eine andere Frage. Jeder Mensch ist schließlich einzigartig. Man wird nie zwei exakt gleiche finden. Dennoch haben wir Vorurteile und durch diese diskriminieren wir andere Menschen, auch wenn wir das gar nicht möchten.
Durch solche Diskriminierungen machen wir Anderen das Leben schwer. Sie trauen sich nicht offen und ehrlich zu sein. Sie haben viel zu viel Angst davor selbst ein Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung zu werden. Sie werden vielleicht nie richtig glücklich im Leben sein, weil sie nicht zu sich selbst finden.
Ich selbst weiß nur zu gut, wie es ist zu einer diskriminierten Randgruppe zu gehören und das nicht nur weil ich schwul bin. Nein, ich bin auch auf die Waldorfschule gegangen. Es ging also immer mal wieder darum, ob ich meinen Namen tanzen könne, ob man für sein Abitur nur einen Baum pflanzen müsse oder dort nur zurückgebliebene Öko-Freaks seien. Ja, man lernt dort auch seinen Namen zu tanzen und ab und zu frage auch ich mich was da manchmal für Öko-Freaks rumlaufen, aber das sind vielleicht einer unter 100.000. Es sagt also überhaupt nichts aus.
Dennoch bleiben die Vorurteile bestehen. Erst wenn man sich mal näher mit dem Thema auseinandersetzt, fängt ein umdenken statt. So auch bei Bekannten von mir. Ihnen habe ich von der Waldorfschule erzählt. Mit der Zeit waren sie so begeistert, dass sie ihr Kind auch auf der Waldorfschule anmelden wollten. Über Wochen und Monate haben sie sich immer wieder gemeldet und wollten weitere Dinge über die Schule erfahren, allerdings haben sie ihr Kind nie dort angemeldet. Der Grund: Es gibt zu viele Vorurteile. Sie wollen nicht, dass ihr Kind ausgegrenzt und diskriminiert wird.
Ein durchaus verständliches Argument. Wer will schon, dass das eigene Kind unglücklich ist. Aber was sagt das über die Toleranz eines Menschen aus?
Letztlich mag man auch weiterhin ein toleranter Mensch sein, aber dass man selbst zum Kreis der Betroffenen gehört will man nicht wahr haben und versucht es zu umgehen. Viel eher geht man den möglichen Problemen aus dem Weg. In einem selbst mag ein Umdenken stattgefunden haben, aber irgendwie schämt man sich dafür. Man will es nicht wahr haben. Zu zeigen, dass an den Vorurteilen nichts dran ist, soweit geht der Mut und die Toleranz dann doch nicht.
Wir mögen in einer Gesellschaft leben, in der sehr viel toleriert wird, aber wer und vor allem was toleriert wird bleibt erstmal ein Geheimnis. So auch bei dem Coming Out. Manchmal schlägt man sich Tage, Wochen und Monate mit ein und dem selben Gedanken herum. Man spielt die verrücktesten Szenen durch. Man macht sich die größten Gedanken, was alles passieren könnte, nur um dann zu erfahren, dass alles in Ordnung ist, dass man sein Gegenüber einfach falsch eingeschätzt hat.
Warum zeigt man sich dann nicht einfach mal so von seiner toleranten Seite? Warum kämpft man nicht auch mal so für die Rechte anderer? Warum geht man nicht auch mal als Heteerosexueller über den CSD und bekundet so seine Toleranz? Ist es nicht schon schlimm genug, dass das eigene Kind von anderen diskriminiert wird?
Wenn es um ein Coming Out geht, würden solche Aktionen bestimmt helfen. Ich selbst habe lange Zeit mit dem Gedanken gespielt, wann ich mich denn nun vor meiner Familie outen sollte. Immer wieder kamen Ängste hoch, dass ich von der Familie verstoßen würde, der Kontakt abbrechen könnte oder andere Dinge geschehen würden. Letztlich habe ich da aber falsch gelegen. Ich habe das Verhalten meiner Familie nur falsch gedeutet.
All die Sorgen und Ängste waren also mehr oder minder umsonst. Ich habe mir es unnötig schwer gemacht. Hätten sich meine Eltern klarer positioniert zu dem Thema Homosexualität, wäre das Ganze vermutlich auch für mich einfacher gewesen. Das ein Mensch tolerant ist erfährt man eben oft erst hinterher.
Montag, 2. Februar 2015
Vorurteile - Wenn man gezwungen ist eine Lüge zu leben
Wir alle haben Vorurteile. Niemand kann sich davon freisprechen, auch ich nicht. Immer wieder kommt es zu Momenten, in denen ich gesagt hätte "nein, niemals, dass kann einfach nicht sein" und dennoch wurde ich vom Gegenteil überzeugt. Ich bin Menschen begegnet, die mich auf irgendeine Art und Weise überrascht haben. Menschen, mit denen ich nie in Kontakt getreten wäre, welche nun zu meinem Freundeskreis gehören.
Ein Artikel aus dem Spiegel (Heft-Nr.: 4, erschienen am 17.01.2015) hat mich zum nachdenken angeregt. Ich habe den Artikel nur durch Zufall gelesen, bin aber froh, dass ich es getan habe. Er handelt von einem Teenager, welcher auf Mädchen zwischen acht und zehn Jahren steht. Sowohl auf seinem PC, als auch auf seinem Handy wurde kinderpornografisches Material entdeckt. Da er noch nicht strafmündig war, konnte er auch nicht verknackt werden. Nun befindet sich der Teenager in psychologischer Behandlung, um mit seiner Gier zurecht zu kommen und einen möglichen Übergriff zu unterbinden. Es ist ihm selbst peinlich, dass er dieses Verlangen nach jüngeren Mädchen hat. Nur seine Eltern wissen von seinen Problemen. Diese unterstützen ihn auch wo es nur geht, aber zu 100% vertrauen können auch sie ihm nicht.
Manch einer wird nun sagen: "Das könnte ich auch nicht, einem Pädophilen kann man nicht vertrauen." Aber ist das wirklich so? Klar ist. dass jeder nur das Beste möchte, vor allem für seine Kinder. Wer lässt diese schon unbeaufsichtigt draußen spielen, wenn ein Pädophiler in der Gegend wohnt? Wer will überhaupt einen Pädophilen als Nachbarn haben?
Wohl keiner.
Unsere Vorurteile gegenüber Randgruppen sind viel zu eingefahren. "Das kennt man doch" oder "davon hört man doch immer wieder im Fernsehen" sind beliebte Redewendungen. Niemand scheint sich mal ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen. Niemand hat den Mut die Betroffenen anzusprechen und zu fragen "Wie fühlst du dich denn? Wie ist das für dich? Wie kam es überhaupt dazu?" Es sind ganz einfache Fragen, die jeder stellen kann, aber keiner stellt sie. Sogar wenn ein direkter Verwandter pädophile Neigungen hat unterbindet man eher den Kontakt, als die betroffene Person zu unterstützen und somit wenigstens etwas Halt in der Gesellschaft zu geben. Einfach um den betroffenen Personen zu zeigen, dass es auch noch Menschen gibt, die vorurteilsfrei sind und jedem eine zweite Chance gewähren.
Einem Menschen zu vertrauen kann sehr schwer sein, dass weiß ich selbst. Auch ich stehe immer wieder vor der Frage: "Soll ich mich als schwul outen oder nicht?" Letztlich kommt es aber immer darauf an, wie lange und wie gut man einen Menschen kennt. Eins ist aber sicher, niemand hat sich seine sexuellen Vorlieben ausgesucht. Kein Heterosexueller, kein Homosexueller, kein Transsexueller und auch kein Pädophiler. Für den ein oder anderen ist es vielleicht sogar ein Schock, wenn man schließlich die Gewissheit hat zu einer diskriminierten Randgruppe zu gehören.
Solche Menschen haben es immer schwer. Sie müssen sich ein Leben lang Vorurteile und Diskriminierungen anhören. Sie werden einfach in eine Schublade gesteckt und bleiben auch da. Kaum einer macht sich die Mühe und schaut auch mal hinter die Fassade. Kaum einer nimmt den Menschen als Individuum wahr. So bleibt vielen nur noch ihre Mitmenschen anzulügen und nichts über ihre wahre Identität preiszugeben. So etwas macht einen krank, wenn man niemanden hat mit dem man sprechen kann. Die Ängste ausgegrenzt, diskriminiert und verachtet zu werden sind nämlich viel zu groß. Jeder Mensch möchte schließlich von seinen Mitmenschen respektiert und akzeptiert werden.
Ein Artikel aus dem Spiegel (Heft-Nr.: 4, erschienen am 17.01.2015) hat mich zum nachdenken angeregt. Ich habe den Artikel nur durch Zufall gelesen, bin aber froh, dass ich es getan habe. Er handelt von einem Teenager, welcher auf Mädchen zwischen acht und zehn Jahren steht. Sowohl auf seinem PC, als auch auf seinem Handy wurde kinderpornografisches Material entdeckt. Da er noch nicht strafmündig war, konnte er auch nicht verknackt werden. Nun befindet sich der Teenager in psychologischer Behandlung, um mit seiner Gier zurecht zu kommen und einen möglichen Übergriff zu unterbinden. Es ist ihm selbst peinlich, dass er dieses Verlangen nach jüngeren Mädchen hat. Nur seine Eltern wissen von seinen Problemen. Diese unterstützen ihn auch wo es nur geht, aber zu 100% vertrauen können auch sie ihm nicht.Manch einer wird nun sagen: "Das könnte ich auch nicht, einem Pädophilen kann man nicht vertrauen." Aber ist das wirklich so? Klar ist. dass jeder nur das Beste möchte, vor allem für seine Kinder. Wer lässt diese schon unbeaufsichtigt draußen spielen, wenn ein Pädophiler in der Gegend wohnt? Wer will überhaupt einen Pädophilen als Nachbarn haben?
Wohl keiner.
Unsere Vorurteile gegenüber Randgruppen sind viel zu eingefahren. "Das kennt man doch" oder "davon hört man doch immer wieder im Fernsehen" sind beliebte Redewendungen. Niemand scheint sich mal ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen. Niemand hat den Mut die Betroffenen anzusprechen und zu fragen "Wie fühlst du dich denn? Wie ist das für dich? Wie kam es überhaupt dazu?" Es sind ganz einfache Fragen, die jeder stellen kann, aber keiner stellt sie. Sogar wenn ein direkter Verwandter pädophile Neigungen hat unterbindet man eher den Kontakt, als die betroffene Person zu unterstützen und somit wenigstens etwas Halt in der Gesellschaft zu geben. Einfach um den betroffenen Personen zu zeigen, dass es auch noch Menschen gibt, die vorurteilsfrei sind und jedem eine zweite Chance gewähren.
Einem Menschen zu vertrauen kann sehr schwer sein, dass weiß ich selbst. Auch ich stehe immer wieder vor der Frage: "Soll ich mich als schwul outen oder nicht?" Letztlich kommt es aber immer darauf an, wie lange und wie gut man einen Menschen kennt. Eins ist aber sicher, niemand hat sich seine sexuellen Vorlieben ausgesucht. Kein Heterosexueller, kein Homosexueller, kein Transsexueller und auch kein Pädophiler. Für den ein oder anderen ist es vielleicht sogar ein Schock, wenn man schließlich die Gewissheit hat zu einer diskriminierten Randgruppe zu gehören.
Solche Menschen haben es immer schwer. Sie müssen sich ein Leben lang Vorurteile und Diskriminierungen anhören. Sie werden einfach in eine Schublade gesteckt und bleiben auch da. Kaum einer macht sich die Mühe und schaut auch mal hinter die Fassade. Kaum einer nimmt den Menschen als Individuum wahr. So bleibt vielen nur noch ihre Mitmenschen anzulügen und nichts über ihre wahre Identität preiszugeben. So etwas macht einen krank, wenn man niemanden hat mit dem man sprechen kann. Die Ängste ausgegrenzt, diskriminiert und verachtet zu werden sind nämlich viel zu groß. Jeder Mensch möchte schließlich von seinen Mitmenschen respektiert und akzeptiert werden.
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Freitag, 9. Januar 2015
Welchen Wert hat ein Leben? / Leelah Alcorn
Welchen Wert hat ein Leben? Wie wichtig ist uns unser eigenes leben? Wie wichtig ist uns das Leben Anderer? Was würden wir tun, um zu leben?
Der Fall Leelah Alcorn lies mich darüber nachdenken. Sie hat das Jahr 2015 nie erlebt. Leelah hat sich nämlich am 29. Dezember 2014 das Leben genommen. Sie hat jeden Willen am Leben zu bleiben verloren. Sie durfte ihre eigene Persönlichkeit nicht ausleben, weil sie transgender war.
Leelah wurde als Junge unter dem Namen Josh Alcorn geboren. Bereits mit vier Jahren fühlte sie sich als Mädchen. Mit 14 Jahren lernte Leelah, was "Transsexualität" bedeutet. Nach dem Outing bei den Eltern fängt die Höllenfahrt aber erst richtig an. Die Eltern verweigern ihr die Hormontherapie. Daraufhin outet sich Leelah vor ihrer Klasse als Schwul. Viel zu groß ist die Angst auch bei ihren Freunden auf Ablehnung zu stoßen. Die Klasse nimmt das Outing positiv auf. Als die Eltern davon erfahren wird Leelah von der Schule genommen und jeglicher Kontakt zur Außenwelt wird unterbunden. Als das Schuljahr vorbei ist darf Leelah wieder mit ihren Freunden kommunizieren, aber diese haben sich bereits von ihr abgewandt. Leelah wurde von niemandem aus ihrem Umfeld unterstützt und nahm sich im Alter von 17 Jahren das Leben.
Ein Fall, der zu Tränen rührt. Ein Fall, der zum nachdenken anregt.
Was sind wir nur für Menschen? Was sind wir für Eltern? Wer verweigert dem eigenen Kind glücklich zu sein? Würden wir als Eltern nicht alles dafür tun, dass unser Kind glücklich wird?
Der Fall Leelah Alcorn zeigt das deutlich: Nicht jeder kämpft für das Glück des eigenen Kindes.
Leelah hätte nur noch ein Jahr warten müssen, dann hätte sie selbst über eine Hormontherapie entscheiden können. So lange wollte sie aber nicht mehr warten. Sie entschied sich lieber für den Tod, um damit für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen.
In ihrem bewegenden Abschiedsbrief ruft sie zu mehr Aufklärung an Schulen auf. Homosexualität und Transsexualität gehören auch in den Unterrichtsstoff. Je eher die Schüler aufgeklärt werden, desto besser.
R.I.P. Leelah !!!!! We miss you!!!!!
P.S.: Leider wurde der Blog von Leelah gelöscht. Hier sind aber drei Screenshots vom Abschiedsbrief.
Der Fall Leelah Alcorn lies mich darüber nachdenken. Sie hat das Jahr 2015 nie erlebt. Leelah hat sich nämlich am 29. Dezember 2014 das Leben genommen. Sie hat jeden Willen am Leben zu bleiben verloren. Sie durfte ihre eigene Persönlichkeit nicht ausleben, weil sie transgender war.Leelah wurde als Junge unter dem Namen Josh Alcorn geboren. Bereits mit vier Jahren fühlte sie sich als Mädchen. Mit 14 Jahren lernte Leelah, was "Transsexualität" bedeutet. Nach dem Outing bei den Eltern fängt die Höllenfahrt aber erst richtig an. Die Eltern verweigern ihr die Hormontherapie. Daraufhin outet sich Leelah vor ihrer Klasse als Schwul. Viel zu groß ist die Angst auch bei ihren Freunden auf Ablehnung zu stoßen. Die Klasse nimmt das Outing positiv auf. Als die Eltern davon erfahren wird Leelah von der Schule genommen und jeglicher Kontakt zur Außenwelt wird unterbunden. Als das Schuljahr vorbei ist darf Leelah wieder mit ihren Freunden kommunizieren, aber diese haben sich bereits von ihr abgewandt. Leelah wurde von niemandem aus ihrem Umfeld unterstützt und nahm sich im Alter von 17 Jahren das Leben.
Ein Fall, der zu Tränen rührt. Ein Fall, der zum nachdenken anregt.
Was sind wir nur für Menschen? Was sind wir für Eltern? Wer verweigert dem eigenen Kind glücklich zu sein? Würden wir als Eltern nicht alles dafür tun, dass unser Kind glücklich wird?
Der Fall Leelah Alcorn zeigt das deutlich: Nicht jeder kämpft für das Glück des eigenen Kindes.
Leelah hätte nur noch ein Jahr warten müssen, dann hätte sie selbst über eine Hormontherapie entscheiden können. So lange wollte sie aber nicht mehr warten. Sie entschied sich lieber für den Tod, um damit für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen.
In ihrem bewegenden Abschiedsbrief ruft sie zu mehr Aufklärung an Schulen auf. Homosexualität und Transsexualität gehören auch in den Unterrichtsstoff. Je eher die Schüler aufgeklärt werden, desto besser.
R.I.P. Leelah !!!!! We miss you!!!!!
P.S.: Leider wurde der Blog von Leelah gelöscht. Hier sind aber drei Screenshots vom Abschiedsbrief.
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Freitag, 7. November 2014
Was brauchen Kinder wirklich?
In der letzten Stern-Ausgabe (Nr. 45, erschienen am 30.10.2014) lautete das Titelthema „Lieb & teuer – was Kinder heute kosten – und was sie wirklich brauchen“. Ich hatte in der vergangenen Woche leider etwas Stress und habe den Artikel erst sehr spät lesen können. Er hat mich zum nachdenken angeregt, weshalb ich mich auch entschied selber etwas zu verfassen.
Ich selbst habe leider keine Kinder die ich befragen könnte. Ich kann mich aber noch gut an meine eigene Kindheit erinnern, so alt bin ich schließlich noch nicht. Ich selber gehöre zu denjenigen, welche eine frühkindliche Erziehung genossen haben. Ich hatte Klavier- und Klarinettenunterricht, jeweils ca. 6-7 Jahre und Schlagzeugunterricht nochmals etwa 3 Jahre lang. Ich ging auf eine Privatschule und wurde auch sonst immer an verschiedenen Kursen angemeldet zu denen ich eigentlich keine Lust hatte. Jonglieren, Diabolo spielen, Judo, Ergotherapie. Alles Kurse die ich für eine Zeit besucht habe, obwohl ich sie nicht machen wollte. Wenn ich einen Kurs mal länger nicht besucht habe, wurde ich bestraft. Die Bestrafung war meist Instrumente üben oder Zimmer putzen, da ich auch diese Sachen nicht immer gerne tat.
War nun diese Erziehung hilfreich? Würde ich meine Kinder genau so fördern?
Jein. Wenn ich heute auf meine Erziehung zurückblicke kann ich froh sein, dass meine Eltern so viel Geld für mich ausgegeben haben. Sie wollten immer nur das Beste für mich, aber erst heute erkenne auch ich, wie sehr ich immer gefördert wurde. Erst wenn man die verschiedenen Kindheiten der Freunde und Bekannten kennt, sich einmal hinsetzt und sie vergleicht, erst dann fallen einem die Unterschiede auf. Bis zu diesem Zeitpunkt nimmt man alles als selbstverständlich hin, aber dies ist nicht der Fall. Allein schon die Tatsache eine besondere Schulausbildung oder einer außerschulischen Aktivität nachzugehen ist schon etwas Besonderes. Genau wie die eigenen Kinder. Es sind die Menschen, welche wir immer lieben werden. Es ist uns egal wie sie aussehen oder welche Charakterzüge sich entwickeln. Auch in der Pubertät, wo man sich vielleicht tagelang nur streitet und man sich nicht versöhnt. Unsere Kinder sind und werden immer ein Teil von uns sein und sollten immer besonders behandelt werden.
Aber was ist eine besondere Behandlung? In wie weit sollte man ein Kind fördern? Wann ist es vielleicht sogar zu viel?
Früher war es etwas Besonderes schon vor der Schulzeit bis hundert zählen zu können oder gar das Alphabet aufsagen zu können. Wenn man heute manchen Eltern zuhört was ihre Kinder alles können, fragt man sich manchmal, ob sie überhaupt noch eine schulische Ausbildung brauchen. Zweisprachig aufwachsen gehört da bei manchen schon zur Grundausbildung. Ebenso die musikalische Ausbildung. Heutzutage zählt nur noch die Leistung die ein Kind erbringt und nicht mehr der Mensch dahinter. Kinder sind zum Statussymbol geworden. Je mehr diese können, desto angesehener ist auch die Familie. Ob nun die Kinder darunter leiden ist zweitranging. Je mehr, desto besser, so lautet die Devise. Und unsere Kinder? Die müssen darunter leiden.
Wir leben in einer Gesellschafft, wo man sich nicht um die Bedürfnisse seiner Mitmenschen kümmert sondern nur noch die Leistung des einzelnen an sich zählt. Viele Menschen gehen daran kaputt. Ihre Denkweise ist so eingefahren, dass sie sich selbst nur noch nach ihrer Leistung beurteilen und mit anderen vergleichen. Der Kontakt zu anderen Menschen bricht nach und nach ab, weil für sie die Arbeit oberste Priorität hat. Die Angst zu versagen steigt ins Unermessliche. Das Selbstwertgefühl sinkt. Die Folge: eine soziale Phobie, die manchmal zu Depressionen oder sogar bis hin zum Suizid führt.
Wollen wir das? Wollen wir, dass unsere Kinder eines Tages aufstehen und Angst haben mit anderen Menschen in Kontakt zu treten?
Ich jedenfalls nicht. Ich brauche keine Kinder, die fünf Sprachen fließend beherrschen oder Beethovens Nr. 5. auswendig spielen können. Ich möchte, dass meine Kinder fröhlich durch die Welt gehen können. Die einem Hobby nachgehen, weil es ihnen spaß bereitet und nicht weil sie es müssen. In ihrer Selbstfindungsphase sollen sie den Freiraum bekommen, den sie brauchen. Dies ist nämlich die wichtigste Phase im ganzen Leben. Egal was meinen Kindern auch auf dem Herzen liegt und sie bedrückt, sie werden bei mir immer auf ein offenes Ohr stoßen. Egal welches Problem sie auch haben werden, gemeinsam werden wir eine Lösung erarbeiten und werden diesen Weg gemeinsam beschreiten. Meine Kinder werden bei mir immer willkommen sein, egal was zwischen uns vorgefallen sein mag. Sie sollen mir alles anvertrauen können und wissen, dass ich es zum Best gehüteten Geheimnis der Menschheit machen werde. Sie sollen sich bei mir einfach geborgen fühlen und immer wieder gerne nach Hause kommen.
Was brauchen Kinder wirklich?
Wir leben in einer Welt, wo der Mensch nur nach seiner Leistung beurteilt wird. Leider ist dass auch innerhalb der Familie so. In immer mehr Familien gehen beide Elternteile arbeiten, um mehr Geld zur Verfügung zu haben. Nur so kann man den Kindern ihre Freizeitaktivitäten finanzieren. Das Familienleben bleibt dabei meist auf der Strecke. Ein Kind braucht nicht mehrere Instrumente spielen zu können. Es muss auch nicht wer weiß wie viele Sprachen fließend sprechen können. Ein Kind braucht Freizeit. Es braucht eine Zeit, die es frei zur Verfügung hat. In dieser Zeit trifft es sich mit seinen Freunden, liest ein spannendes Buch, hört Musik oder ist in den diversen sozialen Netzwerken unterwegs. Es braucht einfach einen Rückzugsort, wo es nicht nach seiner Leistung beurteilt wird, sondern so respektiert und akzeptiert wird, wie es ist. Welcher Ort würde sich dafür schon besser eigenen, als die eigene Familie?
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