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Donnerstag, 19. November 2015

Tod von Helmut Schmidt

Nun melde auch ich mich noch einmal zu Wort. Ich weiß, mein letzter Beitrag ist auch schon ein paar Wochen her. Ich hatte relativ viel um die Ohren und hatte schließlich keine Zeit mehr dazu hier etwas zu posten. Vor allem aber haben mich auch die Ereignisse der letzten zwei Wochen mitgenommen. Was soll man hier schon groß schreiben, wenn es Menschen gibt, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben? Was soll man schreiben, wenn nicht nur Freunde und Familie um einen Menschen trauern, sondern eine ganze Stadt oder gar eine Nation? Welches sind die passenden Worte?

Es ist der 10. November 2015, der Todestag von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Um ca. 15:30 Uhr meldete meine Nachrichten-App, dass Herr Schmidt verstorben sei. Diese Botschaft nahm ich erstmal so als gegeben hin. Es sterben schließlich jeden Tag Menschen und ab und zu gehört eben auch eine Berühmtheit dazu.
Auch die diversen Sozialen Netzwerke waren voll vom Tode Helmut Schmidts. Gerne geteilt wurde vor allem eines seiner Zitate, welches da lautet: "Willen braucht man und Zigaretten." Eigentlich enttäuschend, wenn man so großes Leistet wie Helmut Schmidt und alles, was nach seinem Tode übrig bleibt ist ein einziges Zitat.
Aber vielleicht ist es auch dem geschuldet, dass die sozialen Medien eher von jungen Leuten genutzt werden. Ich zum Beispiel bin gerade mal 23 Jahre alt und mein Interesse für berühmte Persönlichkeiten oder gar für Politiker besteht nicht seit der Stunde null in meinem Leben. Nein, es setzte erst später ein und ich glaube auch, dass das bei dem ein oder anderen hier genauso war.
Mein politisches Interesse, wenn man es denn so nennen darf, begann erst mit 15 oder 16 Jahren. Also genau die Zeit, in der man zum ersten mal wählen gehen durfte. Wobei der erste Wahlgang bei mir eher nach dem Motto ablief: Ich wähle die Partei, die meine Eltern wählen.
An den Politik-Unterricht in dieser Zeit kann ich mich um ehrlich zu sein gar nicht mehr so genau erinnern. War wohl nicht viel interessantes dabei. Wahrscheinlich sind große Politikernamen gefallen und somit eben auch der Name Helmut Schmidt, aber wirklich etwas über deren Amtszeit oder deren Taten ist bei mir zumindest nichts hängengeblieben.
Alles, was ich über das Leben von Helmut Schmidt weiß entstammt der letzten paar Tage aus Zeitungen und TV-Sendungen. Lediglich einmal habe ich Helmut Schmidt in einer Talkshow gesehen. Ich weiß selber nicht mehr genau um was es dort ging. Ich habe mich mehr darüber amüsiert, dass er tatsächlich so viel raucht. Immer wenn man ihn sah, hatte er eine Zigarette in der Hand oder er zog daran. Das Rauchverbot schien also tatsächlich erst fünf Meter um Helmut Schmidt herum zu beginnen.
Zu stören schien es aber auch niemanden. Im Gegenteil, jeder schien relativ froh zu sein Herrn Schmidt einmal zu erleben. Wenn Herr Schmidt etwas zum besten gab, dann war Stille und jeder lauschte, was unser Ex-Bundeskanzler zu sagen hatte. Wer hat schon das Privileg ein Rat bzw. die Meinung von einem Mann zu hören, der Anfang des letzten Jahrhunderts geboren wurde. Einem Mann, der einen Weltkrieg miterlebt hatte. Einem Mann, der die Nachkriegszeit erlebt hatte. Einem Mann, der ein unglaubliches Verständnis von Pflichterfüllung und eine Weitsicht hatte, wie kein anderer.
Doch nun ist auch diese Zeit vorbei. Helmut Schmidt ist von uns gegangen. Wir können Ihn nun nichtmehr um Rat fragen. Am 23. November ist seine Gedenkfeier im Michel. Anschließend wird er nach Ohlsdorf überführt und neben seiner Frau beerdigt.

Montag, 21. September 2015

Ewiges Leben

Es ist ein uralter Menschheitstraum. Ein Wunschdenken jedes einzelnen von uns. Jeder hat schonmal darüber nachgedacht, wie es wäre ewig zu leben.
Ewiges Leben, dass ist auch Glaubensinhalt aller Religionen. Es bezeichnet den Seins-Zustand, in dem ein Lebewesen nie stirbt bzw. durch den das Leben mit dem biologischen Tod nie endet.

Aber was bedeutet es ewig zu leben? Hat das ewige Leben wirklich nur Vorteile? Will ich tatsächlich niemals sterben können? Hat man nicht irgendwann genug gesehen? Muss nicht irgendwann auch mal gut sein? Endet nicht alles irgendwann einmal?

Die Frage nach dem ewigen Leben. Etwas, worüber sich ganze Generationen schon den Kopf drüber zerbrochen haben. Es gibt verschiedene Blickwinkel auf dieses Thema und niemand kann die Frage zu 100 Prozent beantworten. Ein Restzweifel bleibt immer bestehen.
Aus religiöser Sicht ist das ewige Leben nicht nur der verbleib auf der Erde. Mit dem ewigen Leben wird hier eher die Seele eines Menschen gemeint. Der Glaube an ein leben nach dem Tod. Einem weiteren Lebenszyklus - der Reinkarnation.
Wenn wir aber vom ewigen Leben sprechen, dann meinen wir meist auch unser eigenes. Wir wollen nicht wiedergeboren werden. Wir wollen unser derzeitiges Leben weiterführen. Wir wollen nicht auf dem Sterbebett liegen und darauf warten, dass es endlich vorbei ist.

"Es geht nicht darum ewig zu leben, Jacky. 
Der Trick ist ewig mit sich selbst leben zu können."

- Captain Teague (Pirates of the Caribbean 3)

Was wäre, wenn die Wissenschaft tatsächlich eines Tages ein Medikament oder eine Maschine entwickelt hätte, die ewiges Leben möglich mache? Wie viele Leute würden in den Genuss kommen ewig zu leben? Wäre es wirklich erstrebenswert? Würde es uns glücklich machen?
Ich bezweifele dies. Natürlich ist es ein unglaublich verlockendes Angebot nie mehr sterben zu müssen. Oder zumindest nicht an Altersschwäche. Ein Werbeslogan wie: "Mit uns werden Sie ewig Leben." ist natürlich verlockend. Ewig Leben. Zu sehen, wie sich die Menschheit in Zukunft entwickeln wird. Jeden Fortschritt zu sehen. Sowohl medizinisch als auch technisch. Jeden Winkel der Erde einmal zu sehen und eventuell sogar fremde Planeten. Ein solches Angebot ist wohl nur schwer abzulehnen.
Eines Tages wird man aber auch alles gesehen haben. Man wird vielleicht hunderte von Jahren alt sein. Man wird sämtliche Kriege miterlebt haben. Sehen, wie sich die Menschheit nach und nach vernichtet. Ein friedliches zusammensein wird wohl nie zustande kommen. Und eines Tages wird man feststellen, dass die Ewigkeit doch etwas zu lang ist. Man sieht Freunde, Bekannte und Verwandte sterben. Das Ewige Leben kann sich eben nicht jeder leisten. Denn hinter jeder neuen Errungenschaft steckt auch eine Lobby, die daran Geld verdienen möchte.
Plötzlich steht man ganz alleine da. Alt und grau. Man ist einer der ältesten Menschen dieser Zeit. Aber niemand nimmt einen so richtig wahr. Hier und da erscheint mal ein Artikel im Internet oder in der Zeitung. Aber man wird von niemandem mehr so richtig wertgeschätzt. Die alten Freunde werden alle schon längst verstorben sein. Die Trauer um alte Bekannte wird unendlich groß werden. Nach und nach wird man niemanden mehr haben mit dem man über die alten Zeiten reden kann. Sogar für die eigene Familie ist man nur noch eine Belastung. Man selbst gehört eben zu einer anderen Generation. Dinge, die in Zukunft modern, cool und hip sind, davon wird man selbst nichts mehr verstehen. Man selbst wird aus einer Zeit stammen, die man nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen wird.
Wieder einmal stellt man fest, dass die Ewigkeit doch sehr lange ist. Und eines Tages wird man sich die Frage stellen, ob es nicht besser wäre zu sterben. Ob es nicht endlich ein Ende haben sollte.

Montag, 10. August 2015

Neue Flüchtlingswelle

Hunderte. Nein, sogar Tausende flüchten täglich. Sie alle haben ein Ziel: Raus aus der Heimat. Sie wollen nicht unterdrückt werden. Sie wollen weg vom Krieg, vom Terror. Sie wollen ein neues, besseres Leben führen. Das Geschäft der Schleuser boomt. Beliebte Ziele sind vor allem Deutschland und Schweden, aber auch Großbritannien gehört dazu.

Wenn ich hier über eine neue Flüchtlingswelle informiere, so wird dies wohl wenige überraschen. Meist wurde schon auf diversen anderen Websites und Blogs darüber berichtet und in den Nachrichten wurde auch schon lang und breit darüber geredet.
Das Thema Flüchtlinge hat inzwischen aber auch in meinem Alltag nun sehr viel Raum eingenommen, was mich dazu bewogen hat diesen Artikel zu schreiben.

Haben wir nicht langsam mal genug von diesem Pack aufgenommen?
Ach diese Scheiß Kanaken sollen in ihrem eigenen Land bleiben.
Die sollte man allesamt verbrennen.
Flüchtlinge sind die, die hier herkommen, dem Staat auf der Tasche sitzen und keinen bock haben zu arbeiten.

Solche Hasstiraden kennt wohl jeder. Der Hass auf Flüchtlinge steigt immer weiter an. Längst wurden schon die ersten Flüchtlingsheime attackiert und in Brand gesteckt. Aber stimmt es überhaupt, was man über die Flüchtlinge so hört? Sind alle Flüchtlinge gleich? Hängen wirklich alle Flüchtlinge dem Staat auf der Tasche? Kommen die wirklich nur, weil hier das Leben so angenehm ist? Ist es die Flucht wert? Was bewegt einen Menschen eigentlich dazu die eigene Heimat zu verlassen und dabei alles zurück zu lassen?

Wir Menschen neigen dazu alles zu verallgemeinern. Wenn wir an Ausländer denken, dann sind dies oft diejenigen, welche auf Bahnhöfen alte, wehrlose Menschen niederprügelnd. Wir denken an Menschen, die hierher ausgewandert sind und keinen Job haben. Wir denken an all die Menschen, die nichts anderes im Kopf haben als Party und Randale zu machen.
Woran wir aber nie denken, sind auch diejenigen, die sich erfolgreich integriert haben. Wir denken nicht an den Professor an der Uni. Wir denken auch nicht an den Versicherungsvertreter von nebenan. Wir denken nicht an all die Kiosk-Besitzer. Wir denken auch nicht an den Bus- oder Taxifahrer. Denn all diese Leute haben sich in die Gesellschaft integriert. Sie alle haben einen Job. Sie alle verdienen ihr eigenes Geld. Ob sie nun geflüchtet sind? Man weiß es nicht. Vielleicht sind es auch ganz normale Auswanderer, die sich hier ein neues, besseres Leben aufbauen wollten.
Aber das wollen Flüchtlinge auch. Ein neues, besseres Leben. Einige von ihnen haben sich bestimmt schwer getan die eigene Heimat zurückzulassen. Aber was ist das für ein Leben, wenn man jeden Tag um das Überleben kämpfen muss. Wenn der Tag von Krieg und Terror regiert wird. Wenn jeden Moment der nächste Angriff beginnen kann. Wenn jeden Augenblick die nächste Detonation folgen kann.

Wenn man das nächste Mal an einem Zeltlager vorbeikommt sollte man vielleicht erstmal darüber nachdenken, ob man diesen Menschen vielleicht nicht sogar unrecht tut. Diese Menschen haben sich dazu entschieden ihre Heimat zu verlassen. Ihre gewohnte Umgebung aufgegeben, weil man dort nicht länger leben kann. Sie flüchten in Länder deren Sprache sie nicht einmal können. Sie flüchten in eine ungewisse Zukunft, weil alles besser ist als die eigene Heimat. Sie nehmen es sogar in kauf während der Flucht zu sterben.
Wer dazu bereit ist, der muss schon einiges erlebt haben. Dem muss es egal sein, ob er nun lebt oder tot ist. Alles was solchen Menschen noch wichtig erscheint, ist die Tatsache, dem Krieg und dem Terror im eigenen Land zu entkommen.
Wenn in den nächsten Tagen, Wochen und Monate also wieder eine Flüchtlingswelle nach Deutschland kommt, dann sollten wir uns vorher überlegen, was wir sagen. Heutzutage können sich nämlich nur noch wenige an den Krieg und deren Folgen erinnern. Wir wissen also gar nicht, wie sich diese Flüchtlinge eigentlich fühlen oder was diese alles erlebt haben.



Montag, 30. März 2015

Suizid - und plötzlich war alles anders

Warum ist das passiert? Wieso hat er das getan? Er war doch immer so ein glücklicher Mensch. Warum hab ich nichts bemerkt? Wäre er vielleicht noch am Leben, wenn ich mich anders verhalten hätte? Was hätte ich anders machen können? Bin ich schuld am Tod meines Kindes? Hat es vielleicht wegen mir den Suizid gewählt? Warum ist er mit seinen Sorgen nicht zu mir gekommen?




All dies sind Fragen die sich Angehörige von Suizidanten stellen werden. Fragen auf die es keine eindeutige Antwort gibt und die man für den Rest seines Lebens mit sich herum tragen wird. Vor allem die Frage nach der Schuld. Wer hat mein Kind in den Suizid getrieben? War ich es vielleicht?

Etwa 10.000 Menschen bringen sich jährlich in Deutschland um. Allein 200 davon sind jünger als 20 Jahre. Bedauerlicherweise sind diese Zahlen in den letzten Jahren auch relativ stabil geblieben. Bei jungen Menschen gehört der Suizid sogar zur häufigsten Todesursache. 30 bis 40 Prozent der jungen Menschen kommen auf den Gedanken, sich umzubringen. Vier bis sechs Prozent versuchen es sogar.
Woran liegt es, dass sich so viele Menschen das Leben nehmen wollen? Was muss man erlebt haben, um den Tod als einzigen Ausweg zu sehen? Erwarten wir manchmal zu viel von unseren Mitmenschen? Drängen wir sie vielleicht in ein Leben, was sie gar nicht führen wollen?

Ein Artikel im Spiegel (Heft-Nr.: 12, vom 14.03.2015) handelt über das Thema Suizid. Seit über sechs Jahren versucht ein Vater den Suizid seines Sohnes zu verarbeiten. Er will verstehen, warum sich sein Sohn das Leben genommen hat. Aber anstatt Antworten zu erhalten, stellen sich nur noch mehr Fragen. Weder die Schule, noch das Jugendamt wollen sich mit dem Thema auseinandersetzen. Auch nachdem der Vater ein Buch verfasst hat und sich an den Spiegel gewandt hat, bleiben die Fragen weiter offen?
An das Thema Suizid wagt sich keiner heran. Es ist eines der Tabuthemen unserer Gesellschaft. Irgendwie ist dies auch verständlich. Wenn es um den Suizid eines Menschen geht, geht es auch immer um die Frage der Schuld. Und die möchte keiner haben. Niemand möchte Schuld am Tod eines Menschen haben.
Aber ist es wirklich richtig das Ganze Tod zu schweigen?
Nein, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater Helmut Braun-Scharm. "Es ist wichtig, öffentlich über das Thema zu sprechen. Nur so können wir die Jugendlichen dazu bringen, sich damit auseinanderzusetzen."
Bei solchen Tabuthemen glaubt man oft, dass man alleine sei. Als ob man nur einer unter Tausenden oder gar Millionen sei. Oft stellt man aber fest, dass dem gar nicht so ist. Meist sind mehr Menschen betroffen als man glaubt. Allein diese Tatsache gibt einem Mut und Kraft über die unmöglichsten Dinge zu sprechen.

"Das Sterben der Seele beginnt nicht mit dem Verlust des Lebens,
sondern mit dem fehlen von Liebe."

Wer weiß schon welcher unserer Mitmenschen suizidgefährdet ist? Ein Nachbar? Ein Mitschüler? Ein Kommilitone? Vielleicht sogar einer unserer Eltern, Geschwister oder Kinder? Es könnte jeder sein. Was einen Menschen nun dazu bringt den Tod zu wählen, kann man wohl nie mit Gewissheit sagen oder an einer bestimmte Sache fest machen. Aber vielleicht bekommt der ein oder andere neuen Lebensmut, wenn man ihm zeigt, dass man ihn liebt und wertschätzt. Dass man gerne und viel Zeit mit ihm verbringt. Dass der Mensch eben nicht nur ein Lebewesen ist, welches zu funktionieren hat.

Montag, 9. März 2015

Krankenhäuser - Hier geht's nur ums Geschäft


Krankenhäuser - eigentlich ein Ort um seine Leiden und Gebrechen zu kurieren. Wer hierher kommt hofft auf eine Heilung, auch wenn man noch so schlechte Aussichten hat. In Krankenhäusern kann einem eben geholfen werden. Hier laufen wer weiß wie viele Mediziner herum. Diese wissen was sie tun können, um einen Menschen zu heilen. Selbst aussichtslose Fälle sind schon gesund und munter wieder nach Hause gegangen. Aber was, wenn wirklich alles nichts mehr hilft? Was, wenn tatsächlich das letzte Stündlein geschlagen hat? Was ist, wenn selbst die Ärzte nichts mehr tun können?

Als ich noch jünger war, habe ich mich immer gefreut, wenn ich zu meinen Großeltern durfte. Es hat mir immer großen Spass gemacht mich mit meinem Großvater fertig zu machen. Zähne putzen, Rasieren - auch wenn ich noch keinen Bart hatte - etwas Morgengymnastik, anziehen und gemeinsam Frühstücken. Je nachdem welcher Tag war, wurde ich dann in den Kindergarten gebracht, habe mich mit Freunden verabredet oder etwas mit meinem Großvater und meinem Bruder unternommen.
Im großen und Ganzen war es eine schöne Zeit. Leider war aber mein Großvater schwer krank. Er hatte Bechterew, eine Krankheit, die die Bewegungsmöglichkeiten einschränkt. Mein Großvater konnte nicht aufrecht gehen. In den Jahre in denen er lebte, lag er zudem fast ausschließlich im Bett. Immer wieder musste ein Arzt kommen. Regelmäßig haben wir den Krankenwagen rufen müssen. Aber die Ärzte konnten ihn immer wieder gesund pflegen.
Eines Tages ist hat der das Gleichgewicht nicht mehr halten können und ist rückwärts die Treppe runtergefallen. Durch seine Krankheit konnte er den Sturz nicht abfangen und ist mit dem Hinterkopf gegen die Mauer gestoßen. Die Folgen: Der siebte Halswirbel war gebrochen.
Nach langem hin und her, habe die Ärzte aber auch dieses Problem in den Griff bekommen. Sogar die ersten Reha-Maßnahmen wurden schon besprochen. Was die Ärzte allerdings nicht bedachten war, dass mein Großvater schon etwas älter war und schon lange mit seiner Krankheit zu kämpfen hatte. Letztlich hatte mein Großvater wohl keine Kraft mehr und ist verstorben.

Mein anderer Großvater litt an Nierenversagen. Er bekam eine neue Niere, bekam Zucker. Ihm merkte man nicht an, dass er krank war. Er war eben ein ganz normaler Mensch. Aber eines Tages verschlechterte sich auch sein Zustand. Auch er kam ins Krankenhaus. Die Ärzte taten alles, was in ihrer Macht stand. Doch auch hier konnte nichts mehr getan werden. Mein Großvater starb.

Für unsere Liebsten würden wir wohl alles tun. Für sie ist uns kein Weg zu weit, kein Berg zu hoch, kein See zu tief. Wir wissen auch, dass die Zeit die wir hier auf der Erde verbringen eines Tages zu Ende sein wird. Aber das Ende sollte doch bitte weit, weit in der Zukunft liegen, oder vielleicht nie eintreten. Wir wollen unsere geliebten Menschen nicht so einfach verlieren. Wir geben die Hoffnung nie auf, dass vielleicht doch noch ein Wunder geschehen könnte, selbst wenn die Krankheit noch so schlimm ist und die Zukunft nicht rosig aussieht. Wir hoffen darauf, dass unsere Mediziner noch irgend ein Ass im Ärmel haben und uns wieder gesund pflegen können. In solchen Momenten spielt selbst Geld keine große Rolle mehr. Wir wollen nur wieder gemeinsam mit unseren Liebsten am Tisch sitzen, gemeinsam essen und ein paar schöne Stunden verbringen.

In den vergangenen Wochen haben sich viele Zeitungen darüber beklagt, wie viel Geld ein Krankenhaus mit dem Tod eines Patienten verdient. Sogar Patienten, die dem Tod schon in die Augen sehen, bekämen noch die letzte Chemotherapie. Patienten würden trotz ihres heiklen Zustandes noch operiert. Ärzte würden sich keine Zeit mehr für den Patienten nehmen. Alles ginge nur noch ums Geschäft. Wie man möglichst viel Gewinn aus einem Patienten schlagen kann.
Aber liegt das einzig und allein am Arzt? Eine Person die Tag für Tag über Leben und Tod entscheiden muss soll nun die gesamte Schuld treffen? Ist es nicht auch die Schuld der Krankenhäuser? Die Gier des Menschen noch mehr Geld zu verdienen? Liegt es nicht auch an der Situation unseres Gesundheitssystems?
In der medizinischen Forschung sind wir sehr weit vorangeschritten. Krankheiten die früher noch zum Tod geführt haben können heute mühelos behandelt werden. Wenn es uns schlecht geht, lassen wir uns ein Medikament verschreiben oder lassen uns operieren und alles wird wieder gut. Der Medizin scheinen einfach keine Grenzen gesetzt zu sein. Das wollen wir auch nicht. Wir wollen schließlich möglichst viel Zeit mit den Menschen verbringen, die uns am Herzen liegen. Dieses Verlangen nutzen manche Menschen aus und verdienen ihr Geld damit. Das heißt aber nicht, dass einzig und allein die Ärzte die Schuld trifft. Es gibt schließlich noch sehr viel mehr Menschen, die an einem Patienten verdienen und damit sind nun nicht die Krankenpfleger gemeint. Nein, gemeint sind die Menschen aus der Chefetage. Diejenigen, die ein Krankenhaus leiten und dabei natürlich auch ein paar Gewinne in Form von Geld sehen wollen. Den Managern kann es doch egal sein, ob der Patient nun kurz vor dem Tod steht oder nicht. Er sieht schließlich nur die Zahlen auf dem Papier. Solange wie die nicht rot sind ist doch alles in Ordnung.
Wer sich außerdem mal den Arbeitsmarkt anschaut, stellt fest, dass überall händeringend Ärzte und Pflegepersonal gesucht werden. Täglich müssen dutzende von Patienten versorgt werden. Hier und da müssen Doppelschichten geschoben werden. Auf die Dauer ist das ziemlich nervenaufreibend. Da kann man froh sein, wenn man auch mal ein paar freie Minuten hat. Eine Zeit, in der man abschalten kann.

Letztlich sind alle Menschen Egoisten. Wir wollen möglichst viel Geld verdienen. Wir wollen möglichst vielen Menschen helfen. Wie wollen möglichst viele Menschen heilen. Wir wollen möglichst viel Zeit mit unseren Liebsten verbringen. Wir wollen möglichst lange Leben. An unsere Mitmenschen denken wir dabei nur sehr selten.
Wer in der Medizinbranche tätig ist muss wissen, dass der Tod allgegenwärtig ist. Wer in der Finanzbranche tätig ist muss wissen, dass ein Unternehmen auch Verluste machen kann. Und jeder sollte wissen, dass die Zeit, die man auf der Erde hat, begrenzt ist. Wir sollten also jede einzelne Minute auskosten. Irgendwann wird die Zeit kommen an dem uns ein geliebter Mensch verlässt. Mit diesem Verlust kommen wir nunmal besser zurecht, wenn wir einem anderen Menschen die Schuld gegeben können. Leider gibt uns unser Gesundheitssystem sehr viel Zündstoff dafür.

Freitag, 9. Januar 2015

Welchen Wert hat ein Leben? / Leelah Alcorn

Welchen Wert hat ein Leben? Wie wichtig ist uns unser eigenes leben? Wie wichtig ist uns das Leben Anderer? Was würden wir tun, um zu leben?

Der Fall Leelah Alcorn lies mich darüber nachdenken. Sie hat das Jahr 2015 nie erlebt. Leelah hat sich nämlich am 29. Dezember 2014 das Leben genommen. Sie hat jeden Willen am Leben zu bleiben verloren. Sie durfte ihre eigene Persönlichkeit nicht ausleben, weil sie transgender war.
Leelah wurde als Junge unter dem Namen Josh Alcorn geboren. Bereits mit vier Jahren fühlte sie sich als Mädchen. Mit 14 Jahren lernte Leelah, was "Transsexualität" bedeutet. Nach dem Outing bei den Eltern fängt die Höllenfahrt aber erst richtig an. Die Eltern verweigern ihr die Hormontherapie. Daraufhin outet sich Leelah vor ihrer Klasse als Schwul. Viel zu groß ist die Angst auch bei ihren Freunden auf Ablehnung zu stoßen. Die Klasse nimmt das Outing positiv auf. Als die Eltern davon erfahren wird Leelah von der Schule genommen und jeglicher Kontakt zur Außenwelt wird unterbunden. Als das Schuljahr vorbei ist darf Leelah wieder mit ihren Freunden kommunizieren, aber diese haben sich bereits von ihr abgewandt. Leelah wurde von niemandem aus ihrem Umfeld unterstützt und nahm sich im Alter von 17 Jahren das Leben.

Ein Fall, der zu Tränen rührt. Ein Fall, der zum nachdenken anregt.
Was sind wir nur für Menschen? Was sind wir für Eltern? Wer verweigert dem eigenen Kind glücklich zu sein? Würden wir als Eltern nicht alles dafür tun, dass unser Kind glücklich wird?
Der Fall Leelah Alcorn zeigt das deutlich: Nicht jeder kämpft für das Glück des eigenen Kindes.
Leelah hätte nur noch ein Jahr warten müssen, dann hätte sie selbst über eine Hormontherapie entscheiden können. So lange wollte sie aber nicht mehr warten. Sie entschied sich lieber für den Tod, um damit für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen.
In ihrem bewegenden Abschiedsbrief ruft sie zu mehr Aufklärung an Schulen auf. Homosexualität und Transsexualität gehören auch in den Unterrichtsstoff. Je eher die Schüler aufgeklärt werden, desto besser.

R.I.P. Leelah !!!!! We miss you!!!!!


P.S.: Leider wurde der Blog von Leelah gelöscht. Hier sind aber drei Screenshots vom Abschiedsbrief.






Dienstag, 4. November 2014

Sterbehilfe ja oder nein?

Eine Frage die nach dem aktuellen Fall in den USA wieder auflodert. Wann ist es Mord? Wann ist es Hilfe? Jeder ist anderer Meinung. In fünf US-Bundesstaaten ist die aktive Sterbehilfe bisher erlaubt. Einer dieser Staaten ist Oregon, wo die Familie Maynard wohnt.


Die Sterbehilfe-Organisation „Compassion & Choices“ bestätigte den Tod der 29-Jährigen. Sie habe wie geplant am Samstag tödliche Medikamente eingenommen und starb friedlich in ihrem Schlafzimmer in den Armen ihrer Liebsten. 

Am Samstag hat sich die 29-Jährige Brittany Maynard wie angekündigt das Leben genommen. Die junge Frau litt an einem aggressiven Gehirntumor. Die behandelten Ärzte gaben ihr im April diesen Jahres noch genau sechs Monate zu Leben. Nach dieser Diagnose zog die Amerikanerin mit ihrer Familie nach Oregon. In diesem US-Bundesstaat ist es erlaubt Sterbehilfe zu leisten. Die letzten Wochen und Monate verfasste Maynard mehrere Video-Botschaften in denen sie sich für die aktive Sterbehilfe einsetzte. Diese bewegenden Videos wurden millionenfach im Internet angeklickt.

Bis zuletzt war jedoch unklar, ob sich die Amerikanerin tatsächlich das Leben nehmen wolle. Am Donnerstag veröffentlichte sie noch ein Video und verkündete wie viel Freude sie noch am Leben empfinde. Gleichzeitig bereite ihr die Krankheit aber auch große Schmerzen und schränke sie immer mehr ein.

„Lebt wohl, alle meine lieben Freunde und Familie, die ich liebe. Heute ist der Tag, den ich ausgewählt habe, um in Würde zu sterben - angesichts meiner schrecklichen Krankheit, diesem furchtbaren Gehirntumor, der so viel von mir genommen hat ... mir aber noch mehr nehmen würde. Die Welt ist ein wunderschöner Ort, das Reisen war mir der beste Lehrer, meine engen Freunde und meine Familie haben mir alles gegeben. Selbst jetzt, während ich dies schreibe, habe ich einen Kreis von Unterstützern an meinem Bett. Lebe wohl, Welt. Verbreitet positive Energie. Tut Gutes.“ So lautete ihre letzte Botschaft über Facebook. Danach ist sie seelenruhig in den Armen ihres Mannes eingeschlafen. 

„Eines Tages wird das Leben vor deinen Augen aufblitzen, sorge dafür, dass es sehenswert ist“, lautet die Überschrift des auf ihrer Website veröffentlichten Nachrufs. Maynard habe sich entschieden, angesichts einer schrecklichen, schmerzhaften und unheilbaren Krankheit eine gut durchdachte Entscheidung zu treffen und mit Würde zu sterben, heißt es darin.

Sterbehilfe ja oder nein? Wie weit dürfen Mediziner gehen?

Auch ich habe mir des Öfteren Gedanken über dieses Thema gemacht. In meinem Bekanntenkreis gab es zwei Menschen, die an Krebs gestorben sind. Beide habe ich immer als Lebensbejahende Personen wahrgenommen. Bei beiden hatte man bis kurz vor dem Tod nie den Eindruck gehabt, dass sie unter ihrer unheilbaren Krankheit leiden würden.

Eine dieser Personen hat jeden Tag gekämpft und gekämpft und so schließlich ganze fünf Monate länger gelebt, als es die Ärzte vorhergesagt haben. Eine Zeit voller Höhen und Tiefen. Gerade in den letzten Wochen ging es nur noch darum, dass sie nicht erstickt sondern an Multiorganversagen sterbe. Als ich sie etwa eine Woche vor ihrem Tod sah, habe ich sie kaum wiedererkannt. Im ersten Moment dachte ich sie sollte doch besser wieder nach Hause oder ins Krankenhaus fahren und nicht diese gesellige Runde stören. Doch dann merkte ich, dass es die Patentante meiner Schwester war. Wie ich später erfahren habe, hat sie sich aus dem Krankenhaus entlassen, nur um bei der Konfirmation ihres Patenkindes dabei zu sein. 

Sterbehilfe ja oder nein? Ich bin mir selber nicht ganz im Klaren darüber. Auf der einen Seite weiß ich, wie sehr die betroffenen Personen unter ihrer Krankheit leiden. An manchen Tagen wünscht man sich die aktive Sterbehilfe, weil man den geliebten Menschen nicht mehr leiden sehen kann. Auf der anderen Seite möchte man aber auch nicht diesen Menschen verlieren. Einen Menschen der immer für einen da war, sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Ich könnte wahrscheinlich selbst nicht damit leben, wenn ich über Leben und Tod eines Menschen entschieden hätte. Die Vorwürfe eventuell einen Fehler gemacht zu haben. Einem Menschen vielleicht ein paar Tage seines kostbaren Lebens genommen zu haben. Für mich eine grauenvolle Vorstellung. Ist das Mord? Ist das Suizid? Beihilfe zum Suizid? Kann oder sollte man dafür bestraft werden?

Auch unter Medizinern ist die aktive Sterbehilfe höchst umstritten. Sie haben einen Eid geleistet jedem Menschen zu helfen. Egal welchen gesellschaftlichen Stand er hat und egal wie schlecht es um ihn steht. Nach diesem Eid sind die Mediziner verpflichtet die Patienten am Leben zu erhalten. Eine aktive Sterbehilfe wiederspricht demnach dem Beruf des Mediziners, auch wenn die Krankheit als unheilbar gilt. 

Die aktive Sterbehilfe ist ein Thema, wo sich niemand gerne mit befasst. Das Thema steckt noch tief in den Kinderschuhen. Es gibt viel zu viele ungeklärte Fragen. Niemand weiß, wie man mit der aktiven Sterbehilfe umgehen soll. Ich persönlich kann nur hoffen, dass ich niemals über das Leben eines Menschen richten muss.


Sterbehilfe ja oder nein? Was sagt ihr dazu? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.