Donnerstag, 17. September 2015

K wie Kinder I ABC eines Schwulen


 Es ist eines der wenigen Wunder, die man als Mensch miterleben darf. Manchmal fragt man sich, wie so etwas überhaupt sein kann. Wie ist das möglich? Aus einer einzelnen Eizelle entsteht ein ganzer Mensch. Gerade einmal 9 Monate sind dazu nötig.
Aber damit nicht genug, denn die Schwangerschaft war nur zum warm werden. Nach der Geburt fängt es erst richtig an. Denn nun muss man immer ein Auge auf die Kinder werfen. Man muss sie füttern und wickeln. Wenn sie anfangen zu schreien, gehen sofort die Alarmglocken an. Denn niemand möchte, dass es dem eigenen Kind schlecht geht. Und so sucht man verzweifelt nach einer Lösung, warum das eigene Kind so am schreien ist. Mal hat es hunger. Ein anderes mal, will es einfach nur auf den Arm genommen werden. Doch am schlimmsten ist es, wenn das Kind schmerzen hat. Beispielsweise wenn es die ersten Zähnchen bekommt.
Doch all der Stress, die Wut und die Sorgen sind vergessen, wenn man diesem jungen Geschöpf in die Augen sieht. Wenn man dieses wunderschöne Lächeln sieht und man anhand der Reaktion erkennt wie sehr sich das eigene Kind doch gerade freut. Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn ein Säugling nach der Hand greift und es mit seinen eigenen kleinen Patschhändchen gerade einmal schafft den kleinen Finger zu umschließen.

Kinder zu bekommen, oder besser gesagt Kinder zu haben, dass war auch ein Traum von mir. Lange Zeit habe ich mir meine Zukunft immer so ausgemalt, dass ich eine Frau und Kinder habe. Dass ich ein Haus besitze und ein Auto. Dass ich einen Job habe der mir Freude bereitet und ich genug Geld verdiene.
Aber wie gesagt, es war ein Traum. Ein Traum, der sich wohl nie bewahrheiten wird. Der wie eine Seifenblase in der Luft zerplatzte. Vom einen in den anderen Moment war alles anders. Als würde eine Welt zusammenbrechen.
Der Grund: Mein inneres Coming Out. Ich hatte endlich selbst den Mut und die Erkenntnis mir einzugestehen, dass ich schwul bin. Plötzlich wurde mir klar, dass ich eben nicht zu all den Menschen gehöre die auf das andere Geschlecht stehe. Mir wurde klar, dass mein ganzes bisherige Leben aus einer einzigen Lüge bestand. Alles beruhte nämlich auf der Tatsache, dass ich hetero sei.

Inzwischen hat sich aber alles wieder etwas gelegt. Ein Traum mag zerplatzt sein, aber wer sagt, dass man nicht auch einen anderen Traum haben darf. Eine Welt ging für mich unter, doch gleichzeitig entstand eine Andere, eine schönere Welt. Eine Welt in der es egal ist ob du homo oder hetero bist. Eine Welt, in der es kein Unterschied macht, ob du dich nun als Mann oder als Frau fühlst. Eine Welt, in der das Außergewöhnliche als Bereicherung gesehen wird und nicht als Schande.
Ebenso wie mir wird es wohl auch manch anderen das Coming Out erstmal getroffen haben. Man muss selbst erstmal lernen damit umzugehen. Man muss sich selbst erstmal mit dem Thema auseinandersetzen. Homosexualität ist nunmal ein Tabuthema, wozu sich viele nicht gerne äußern.
In den letzten Jahren hat sich aber auch einiges positiv für LGBT-Menschen entwickelt. Das darf man nie vergessen. Aber gleichgeschlechtlichen Paaren ist es auch heute noch untersagt ein Kind wie ein heterosexuelles Paar zu adoptieren. Dabei gibt es diverse Statistiken und Gutachten, welche keinen Nachteil zeigen, wenn ein Kind bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwächst. Und dennoch wehren sich viele gegen die die vollkommene Gleichstellung von homo und hetero Paaren. Auch unser Gesetzgeber, der einiges bewirken könnte.

Montag, 14. September 2015

Fehler 1043!


Kennt ihr das Gefühl einen Fehler begangen zu haben? Ich meine nicht die kleinen Fehler, bei denen man einfach sagen kann: "Ist passiert und beim nächsten Mal passe ich besser auf." Nein, ich meine die großen Fehler, über die man sich tagelang ärgert. Fehler, wo wir genau wissen dass es falsch ist, es aber dennoch tun. Wieso? Weil wir in diesem einen Moment keinen Gedanken daran verschwenden, was wir eigentlich da tun. Weil wir keinen anderen Rat wissen. Weil wir manchmal nur schlechte Entscheidungen treffen können.

Jeder wird wohl das Sprichwort "Das Leben ist kein Ponyhof" kennen. Wenn man aber mal genauer darüber nachdenkt, so ist dieses Sprichwort vollkommen falsch. Besser würde passen: "Das Leben ist ein Ponyhof." Wir sind schließlich nicht zu besuch um die ganzen Ponys zu streicheln, zu füttern, auszuführen und eventuell sogar zu reiten. Nein, wir sind auf dem Ponyhof, weil wir uns um alles kümmern müssen. Wir arbeiten nämlich hier. Wir stehen morgens früh auf, gehen in den Stall, kümmern uns um die Tiere, geben ihnen zu essen und zu trinken. Und nicht nur morgens. Nein auch Mittags und Abends. Zudem helfen wir noch während der Schwangerschaft, dass es dem betreffenden Tier auch gut geht. Nach der Geburt kümmern wir uns auch noch um das Jungtier. Wir sind also die Mutter für alles.
Aber wenn wir sagen, dass wir auf einem Ponyhof arbeiten, dann sehen viele nur die schönen Seiten des Jobs. Die Leute sehen immer nur wie süß diese kleinen Ponys sind. Sie sehen nur wie toll es ist diese Tiere zu füttern und zu streicheln. Sie sehen, die tollen Reitstunden, aber was da für eine Arbeit drin steckt den kompletten Hof zu unterhalten sieht kaum jemand. Niemand sieht, dass das Stalltor dringend mal repariert werden muss. Niemand sieht, dass die Tiere täglich raus auf die Weide gebracht werden müssen. Niemand sieht, dass man als Gutsbesitzer einen 24/7 Job erledigt, dass man keinen Urlaub einfach so machen kann. Gesehen werden nämlich immer nur die schönen Seiten.
"Manchmal sind die einzigen Entscheidungen, die wir treffen können, schlechte. Das schlimme ist, wir müssen uns entscheiden"
Ähnlich wie bei dem Ponyhof, scheint es auch bei dem eigenen Leben zu sein. Nicht nur, dass wir selbst für unser Tun und Handeln verantwortlich sind und dafür sorgen, dass unser eigener Organismus gesund ist und fortbesteht. Nein, es scheint auch, dass jeder immer nur die schönen Seiten unseres Lebens betrachtet. Niemand scheint auch mal darüber nachdenken zu wollen, dass mein Gegenüber vielleicht gerade eine schwere Zeit durchlebt, dass er gerade vollkommen überfordert mit der Gesamtsituation ist, dass er alles macht und tut um mehr Anerkennung zu erhalten, doch es scheint niemanden zu interessieren. Es scheint, als ob es normal sei, dass man alles gibt, dass jede Leistung die man erbringt als selbstverständlich angesehen wird. Man kann machen und tun was man will, doch nie reicht es aus. Sogar in der eigenen Familie. Auch hier scheint es niemand zu würdigen, dass man sich in der Schule anstrengt. Niemand sieht, dass man nun aktiver im Haushalt hilft. Niemand scheint zu merken, dass man darauf achtet weniger zu essen, um abzunehmen. Niemand scheint die neue Frisur zu würdigen. Keiner sieht, dass man nun etwas mehr Sport treibt, weil man etwas an seinem Körper verändern möchte. Was es auch sein mag, alles scheint falsch zu sein.
Alles ist falsch. Ich kann nichts richtig machen. Mich nimmt so wie so keiner wahr.
Aber wir wollen wahrgenommen werden. Das Leben hat nämlich erst einen Sinn, wenn wir es mit anderen teilen. Wenn wir wissen, dass andere Interesse an uns und unserem Leben haben. Wenn es aber nicht der Fall ist, so versuchen wir auf anderen Wegen das Interesse an uns und unserem Leben zu steigern. Und dafür begehen wir auch gerne mal den ein oder anderen Fehler. Sogar wenn er riesengroß ist und wir genau wissen dass es falsch ist.

Donnerstag, 10. September 2015

J wie Jugend I ABC eines Schwulen

Früher war alles besser!

Ein bekannter Satz, den wohl jeder schon gehört hat. Wenn ich aber einen bekannten Comedian sinngemäß zitieren darf, so stimmt das nicht ganz. Denn früher war alles früher, aber noch lange nicht besser. Wir können aber aus unserer Vergangenheit lernen und zumindest versuchen es besser zu machen. Vor allem wenn wir sehen, dass etwas falsch läuft.

Ich selbst bin noch nicht sonderlich alt, aber dennoch weiß ich, dass hier und da ein paar Verbesserungen nötig sind. Ich selbst habe beispielsweise relativ lange gebraucht um überhaupt zu begreifen, dass ich nicht hetero bin. Überall um mich herum wurde sich immer nur darüber unterhalten, dass man als Mann eine Frau hat und umgekehrt. Dass es auch homosexuelle oder transsexuelle Menschen gibt, davon war nie die Rede. Ich bin aber auch in einem Gebiet aufgewachsen, in dem man fast ausschließlich nur heterosexuelle Menschen sieht. Der Gedanke, dass ich schwul sein könnte kam mir also nie in den Sinn. In meiner kindlichen Naivität gab es einfach keine gleichgeschlechtlichen Paare.
Den Gedanken, wie es wäre mit einem Jungen / einem Mann zusammen zu sein, hatte ich schon immer. Jedoch habe ich mich selbst nie näher damit beschäftigt und das Ganze eher verdrängt, sodass ich auch mein inneres Coming Out erst spät hatte. Im Nachhinein würde ich sagen mir fehlte eine Bezugsperson, die mir sagte, dass es auch LGBT-Menschen gibt und dieses auch vollkommen normal sei.
Selbst im Aufklärungsunterricht ging es nur um die Liebe zwischen Mann und Frau. Nie wurde darüber gesprochen, dass es auch Schwule, Lesben und Transgender gibt. Sowohl diese Information, als auch die AUFKLÄRUNG, dass es normal ist wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen lieben fehlte komplett.
Die Folgen: Wörter wie "schwul", "Schwuchtel", "Homo" und "Homofürst" wurde als Schimpfwort oder als Ausdruck allen Übels benutzt. Auch die diversen Lehrer haben nichts dagegen unternommen. Vielleicht auch weil sie selbst nicht wussten, wie sie es anstellen sollten.
Inzwischen gibt es aber genug Vereine und Verbände, die ihre Hilfe anbieten und sogar extra Workshops für Schulen anbieten. Man muss nur den Kontakt aufbauen.

Den LSVD (Lesben- und Schwulenverband) gibt es seit dem 18.02.1990. Es gibt ihn also seit 25 Jahren. Der Verein ist demnach gerade mal zweieinhalb Jahre älter als ich selbst. In dieser Zeit hat sich der Verein für die Rechte von LGBT-Menschen bundesweit eingesetzt und auch schon einiges erreicht.
Leider tun sich aber auch heute noch relativ viele schwer damit sich zu outen. Nicht nur, weil schwul oder Schwuchtel auch heute noch als Schimpfworte benutzt werde, sondern auch, weil das Themengebiet LGBT nur selten im Unterricht behandelt werden.

Montag, 7. September 2015

Mauern in unserem Kopf

Am 05. November ist es soweit. Der neue James Bond kommt in die Kinos. Zum vierten mal wird Daniel Craig als 007 auf der Leinwand zu sehen sein. Auch wenn dies im Vergleich nicht sonderlich lange ist, so wird dennoch darüber diskutiert, wer wohl der nächste Bond-Schauspieler sein könnte.

Jüngst hat sich das Bond-Urgestein Pierce Brosnan eingeschaltet. In einem Interview mit dem Männermagazin "Details" sagte er, er könne sich sehr wohl einen schwarzen oder auch einen schwulen Bond vorstellen. Allerdings glaube er, dass die Produzentin Barbara Broccoli einen schwulen Bond nicht auf die Leinwand lasse. Damit offenbarte Brosnan auch, wie festgefahren die Strukturen im Hollywood-Geschäft seien.
In diesem Zusammenhang begrüßte Brosnan die Entscheidung seiner Landsleute, die sich im Mai für die Gleichstellung der Homo-Ehen ausgesprochen hatten. "Genug des Schämens. Es ist ein großartiges Zeichen des zukunftsorientierten Denkens für eine Nation, die so von der Religion geschunden wurde."

Ob der nächste Bond nun schwarz oder schwul oder vielleicht beides wird, steht in den Sternen. Pierce Brosnan hatte jedenfalls den Rat: "Lassen Sie uns zunächst mit einem großartigen schwarzen Schauspieler als James Bond beginnen." Gemeint war damit Idris Elba, der schon seit einiger Zeit im Gespräch ist der neue 007 zu werden.
Die Bond-Kollegen scheinen das aber nicht so zu sehen. Roger Moore hatte in der Vergangenheit schon für einigen Wirbel gesorgt. Er sagte dem Blatt "Paris Match": Ein schwarzer Bond sei zwar eine 'interessante Idee', aber unrealistisch.
Ian Fleming, dem Autor des original Bonds zufolge, ist der Geheimagent der Sohn eines Schottischen Vaters und einer Schweizer Mutter. Seine frühe Kindheit verbrachte er demnach im Ausland. Mit elf Jahren verwaist, lebte er dann bei einer Tante im Südosten Englands und wurde später in Edinburgh ausgebildet.

Bedeutet das nun, dass James Bond weder schwarz noch schwul sein darf? Muss der Doppelnullagent wirklich von einem Engländer gespielt werden? Muss er tatsächlich europäisch aussehen? Wäre es wirklich so falsch unseren großartigen 007 als schwarzen darzustellen? Ist das so unrealistisch einen Schwarzen in England, Schottland oder Irland aufwachsen zu sehen? Und wenn wir schon bei unrealistisch sind, wie erklärt man die vielen verschiedenen Gesichter des James Bond?

Wir alle haben es mit Vorurteilen zu tun. Wir haben feste Meinungen und Weltbilder. Uns wird etwas gesagt und sofort entsteht ein Bild in unserem Kopf. Wir sehen einen Moslem und das erste an das wir denken ist Krieg, Terror und Zerstörung. Auch ich kann mich davon nicht freisprechen. Wir hören einen Namen und schon beginnen wir uns diese Person im Geiste vorzustellen.
James Bond zum Beispiel. Für ganze Generationen ist es ein weißer gutaussehender Mann, der schon diverse Damen an seiner Seite hatte. Er ist immer gut gekleidet, meist im schwarzen Anzug. Sein Lieblingsgetränk ist Martini, geschüttelt nicht gerührt. Er ist Geheimagent, im Dienste ihrer Majestät der Königin von England mit der Lizenz zu töten. Wenn der Name James Bond ertönt oder sein Kürzel 007, dann denken wir an Pierce Brosnan, Roger Moore oder Sean Connery. Die jüngeren wahrscheinlich eher an Daniel Craig, wobei dieser dem Bond-Image schon einen neuen schliff verpasst hat. Hier und da haben sich auch welche über diesen Imagewandel beschwert, aber letztlich wurde er doch als einer der Bonds anerkannt. Warum sollte er sonst nun zum vierten mal als 007 auf der Leinwand erscheinen?
Raphael Holzdeppe
Justin Gatlin
Aber gut das ist ein Beispiel, kann also auch eine Ausnahme sein. Aber ist es das, eine Ausnahme? An wen denken wir beispielsweise bei Thomas Müller, dem Durchschnittsdeutschen? Oder wie sieht es mit Raphael Holzdeppe, Justin Gatlin oder Mohamed Farah aus?
Mohamed Farah
Letztere sind alle drei schwarze. Sie sind bei der Leichtathletik-WM 2015 angetreten. Raphael Holzdeppe ist deutscher, Justin Gatlin ist Amerikaner und Mohamed Farah ist Brite. Wäre man diesen dreien auf der Straße begegnet, hätte wohl niemand mit solchen Namen oder gar diesen Nationalitäten gerechnet. Oder?


Donnerstag, 3. September 2015

I wie Infektionen I ABC eines Schwulen




HIV/Aids, Hepatitis A/B, Tripper, Chlamydien, Syphilis... die Liste an sexuell übertragbaren Infektionen (STI) scheint unendlich lang. Wer sich da sorgen über eine mögliche Ansteckung macht, kann schnell mal die Lust verlieren. Dazu gesellt sich die Angst vor dem Arztbesuch oder besser gesagt die Angst vor dem Testergebnis. Die Angst, dass das Ergebnis doch positiv sein könnte.
Aber warum habe wir diese Angst? Was lässt uns davor zurückweichen einen Test zu machen? Ist es die Angst bewusst mit einer Krankheit leben zu müssen? Sind es die möglichen Veränderungen in unserem Leben? Oder doch etwas anderes?

Eigentlich ist es ganz einfach. Man geht zum Arzt, lässt sich auf die verschiedenen STI's untersuchen und wartet auf das Testergebnis. Je nachdem ob dieses nun positiv oder negativ ausfällt, kann man weitere Schritte einleiten. Wobei ein negatives Resultat natürlich immer am Besten ist. Zudem sollte man nie unterschätzen: Je früher eine Krankheit bzw. eine Infektion erkannt wird, desto größer sind auch die Chancen einer vollständigen Genesung.
Und dennoch fürchten sich viele vor dem Gang zum Arzt. Die Angst vor dem Testergebnis scheint gigantisch zu sein. "Wenn man es mir nicht ansieht, kann ich auch nicht krank sein." So scheinen viele zu denken. Was auch nachvollziehbar ist, denn warum sollte ich mich Tag für Tag mit dem Gedanken rumschlagen, dass ich HIV oder andere STI's habe. Es ist doch immer gut gegangen.
Natürlich kann es bisher immer gut gegangen sein, aber was sagt meine Vergangenheit schon über meine Zukunft aus? Und wenn es schon immer gut ging, ist es dann nicht an der Zeit auch mal etwas schlechtes zu erleben?
Ich will hier niemandem irgendeine Infektion oder Krankheit wünschen, es hat schließlich niemand verdient. Aber ist es nicht so, dass wir die guten und schönen Dinge im Leben erst richtig wertschätzen, wenn wir auch die negativen Dinge einmal erlebt haben?

Mein erster Post auf diesem Blog befasst sich mit dem Thema Sterbehilfe. Zu diesem Zeitpunkt wieder ein aktuelles Thema, da sich eine krebskranke Frau dazu entschieden hatte am 01.11.2014 zu sterben. Dazu zog sie extra nach Oregon, da dort die aktive Sterbehilfe erlaubt ist.
Eine halbes Jahr zuvor habe ich selbst miterlebt, wie eine gute Bekannte an Krebs gestorben war. Sie hat immer und immer weiter gekämpft und hat schließlich ein halbes Jahr länger gelebt, als es die Ärzte vorhergesagt hatten. Eine erstaunliche Leistung wie ich finde.
Aber was hat dies nun mit dem Thema oben zu tun? Krebs und STI's haben nun nicht so viele Gemeinsamkeiten. Auf diese kommt es mir aber auch nicht an. Es ist der Fall an sich, der das ganze zusammenfügt. Die Bekannte, um die es sich hier dreht, hatte nämlich auch Angst zum Arzt zu gehen. Über Wochen und Monate hinweg hat sie sich über Knötchen am Hals beschwert. Die Angst, dass es Krebs oder etwas ähnliches sein könnte, war für sie wohl enorm groß. Durch Zureden und Mut machen hatte sie sich dann endlich dazu entschlossen zum Arzt zu gehen. Diagnose: Krebs, Metastasen im ganzen Körper. Die Entscheidung zu warten und zu hoffen, dass eventuell doch alles in Ordnung ist, war wohl falsch gewesen.
Vielleicht wäre sie heute noch am Leben. Vielleicht hätte sie den Krebs besiegen können. Man weiß es nicht. Ihr deshalb einen Vorwurf machen will und kann ich ihr nicht machen. Ich glaube nämlich, dass ich in der Situation ganz ähnlich reagiert hätte.
Dieser Vorfall regt aber auch zum nachdenken an. Vor allem, wenn man das Ganze live miterleben konnte. Der Besuch beim Arzt wird plötzlich in ein ganz anderes Licht gerückt. Das Testergebnis wird nicht mehr als mögliche Horror-Nachricht gesehen, sondern als Chance eine Krankheit zu erkennen und zu bekämpfen. Und wenn die Tests regelmäßig stattfinden, kann eine Infektion sogar frühzeitig behandelt werden. Die Denkweise hat sich also komplett geändert.
Liegt darin vielleicht die Angst? Dass man eben nicht mehr als gesunder Mensch gilt? Dass der Besuch beim Arzt automatisch eine Krankheit voraussetzen muss?

Montag, 31. August 2015

Ereignisse/Gemeinsamkeiten verbinden

Die Nachrichten sind voll davon. Jeden Tag hört, liest oder sieht man wie Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesteckt werden, wie neue Zeltplätze aufgebaut werden und es zu neuen Krawallen kommt. Inzwischen werden 800.000 Flüchtlinge bis zum Ende des Jahres hier in Deutschland erwartet. Niemand weiß wie man mit diesen Massen umgehen soll. Längst ist nicht mehr von einem Flüchtlingsstrom die Rede, sondern von einer Völkerwanderung.

Aber was geht mich das Ganze an? Warum soll ich ein Teil meiner geliebten Heimat opfern und diesen Flüchtlingen zur verfügung stellen? Warum sollen wir unsere Bedürfnisse zurückstellen? Was hab ich schon mit diesen Flüchtlingen zutun?

Die Zeiten, in denen in Deutschland Krieg, Tod und Zerstörung wüteten sind schon etwas länger her. Viele von uns haben den Krieg oder kriegsähnliche Zustände garnicht mitbekommen. So wie für mich beispielsweise. Ich kenne solche Situationen nur aus Geschichtsbüchern. Und meine Großeltern, die den zweiten Weltkrieg miterlebten, haben nie darüber gesprochen. Ich gehöre also zu denjenigen, die sich den Krieg und damit verbundenen Ängste, Sorgen und Leiden garnicht vorstellen kann.
Ob nun aber ein Besuch in einem Kriegsgebiet daran etwas ändern würde, kann ich mir nur schwer vorstellen. Ich werde nämlich nur ein Tourist sein. Ich werde nach ein oder zwei Wochen einfach sagen können: "Und jetzt geht es ab nach Hause." Ich werde mir also nie Gedanken darüber machen müssen, ob meine Eltern oder meine Geschwister noch leben. Ich werde mir nie die Frage stellen müssen, ob ich meine Wohnung am Mittag unversehrt vorfinden werde. Ich werde nie die Sorgen haben, ob ich überhaupt genug zu essen und zu trinken für die kommenden Tage haben werde. Ich werde also nie nachvollziehen können, wie sich ein Flüchtling fühlt. Jemand, der alles verloren hat und nun ein neues Leben in einem neuen Land beginnen möchte. Denn seines wird vom Krieg und Terror regiert. Ein Land, in dem es nicht mehr lebenswert ist.

Vor ein paar Wochen habe ich mir durch Zufall eine Doku auf YouTube angeschaut. Thema dieser Dokumentation ist der Krieg zwischen Ägypten und Israel im Juni 1967. Zu dieser Zeit ankerten 14 Schiffe aus unterschiedlichen Nationen im Bittersee. Sie waren dort gefangen. Eine Weiterfahrt durch den Suezkanal war nicht möglich.
Am 5. Juni 1967 brach ein 6-Tage-Krieg aus. Und die 14 Schiffe waren zwischen den Fronten gefangen. Sie waren wie ein paar Schaulustige, die das Kriegstreiben bewunderten. Teilweise fingen sie sogar an zu jubeln, wenn irgendwo auf dem Land wieder ein Gefecht zugange war. Nach einiger Zeit haben sich die unterschiedlichen Besatzungen sogar auf ihren Schiffen getroffen. Es war wie eine eigene kleine Nation, in der jeder willkommen war. egal welche Nationalität man nun hatte. Das Schicksal wollte es so, dass diese Menschen auf dem Bittersee gefangen waren und sie versuchten das Beste daraus zu machen. Der Krieg, der um sie herum passierte, war für die Schiffsbesatzungen nur ein Schauspiel. Jedenfalls bis zu dem Augenblick, an dem die ersten Leichen im Bittersee trieben und von den Matrosen geborgen wurden. Denn plötzlich wurde allen klar, in welcher Situation sie sich befanden.
Um sie herum herrschte Krieg und Zerstörung. Zwei Nationen kämpften gegeneinander. Tausende von Menschen ließen ihr Leben auf dem Schlachtfeld. Und auf dem Bittersee? Hier war es egal welche Nationalität man hatte. Im Gegenteil. Hier feierten sogar Menschen miteinander, die eigentlich feindlich gesinnt waren. Aber dieses Feind war erloschen, da diese Meinung nur auf irgendwelche Propagandareden beruhten.
"Simba, alles was du siehst lebt in einem empfindlichen Gleichgewicht zusammen. Als König musst du ein Gespühr dafür haben und alle Geschöpfe respektieren. Von der winzigen Ameise bis hin zur graziösen Antilope."
- Mufasa aus "Der König der Löwen" 

Das Ereignis bzw. die Gemeinsamkeit auf dem Bittersee gefangen zu sein, verband diese Männer. Anfangs waren bestimmt noch ein paar Berührungsängste, aber man konnte dem anderen eben nicht so leicht aus dem Weg gehen. Zudem schienen die Besatzungen auch Interesse daran zu haben den Nachbarn auf dem anderen Schiff kennen zu lernen. Sie alle steckten in der gleichen Situation und haben versucht das Beste daraus zu machen.

Aber es muss nicht immer nur Krieg und Zerstörung sein, die Menschen verbindet. Demnächst findet wieder das Festival "Burning Man" in Nevada statt. Es dauert insgesamt acht Tage und Endet traditionell am ersten Montag im September. Einerseits ist das Festival eine große Kunstausstellung, andererseits aber auch ein Ort intensiver Selbstdarstellung und natürlich eine große Party.
Auch hier ist es, wie bei so vielen Festivals, egal wo du herkommst oder wer du bist, die Hauptsache ist doch, dass man zusammen Spass hat. Es gibt da etwas, da ähneln sich unsere Interessen, da sind wir gleich. Da gibt es etwas, darüber können wir reden. Und je mehr Zeit wir miteinander verbringen, je mehr wir miteinander reden, je mehr wir uns kennenlernen, desto besser lernen wir uns auch kennen. Wir können viel leichter einschätzen, was den anderen bewegt. Wir wissen, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Irgendwann sehen wir nämlich nicht mehr den Syrer, den Araber, den Moslem, den Franzosen, den Italiener, den Deutschen usw. usw. Sondern wir sehen einen Bekannten, oder sogar einen Freund in unserem Gegenüber. Wir sehen einen Menschen, den ich kennenlernen durfte. Wir sehen jemanden, der das kostbarste mit uns Teilte, dass er/sie hat. Jemanden, der uns ein Teil seiner Zeit und seiner Aufmerksamkeit schenkte.
Anstatt einfach Menschen nach ihrem Äußeren oder nach ihrer Herkunft zu verurteilen sollten wir vielleicht erst überlegen, was diese Menschen schon alles erleben mussten. Wir sollten viel mehr Respekt vor der Biografie der Anderen haben. Wir sollten auf solche Menschen zugehen, anstatt sie auszuschließen. Wir können nämlich nur von der Erfahrung der anderen profitieren.

Donnerstag, 27. August 2015

H wie Homophobie I ABC eines Schwulen

Homophobie. Was ist das eigentlich?

Homo ist eine Gattung der Menschenaffen in der Klasse der Säugetiere. Am bekanntesten ist wohl der Homo Sapiens. Ihn treffen wir täglich auf der Straße, im Einkaufszentrum, im Büro und natürlich auch in freier Wildbahn. Homo, dass ist lateinisch und bedeutet Mensch.

Was eine Phobie ist, werden viele wissen. Es ist eine Angststörung. Meist handelt es sich bei Phobien um eine übertriebene unspezifische Angst oder konkrete Furcht vor einem Objekt oder einer bestimmten Situation.

Bedeutet Homophobie also, dass ich Angst vor Menschen habe? Also in gewisser weise auch vor mir selbst? Denn bisher wissen wir nur vom Leben auf der Erde. Wenn ich also den Wocheneinkauf mache oder Tanken fahre, dann begegne ich immer Menschen. Vor denen ich eigentlich eine panische Angst haben müsste.
Wenn Homophobie nun also die Angst vor Menschen ist und ich keine Panikattacke bekomme, wenn ich meine eigenen vier Wände verlasse. Dann muss es Außerirdisches Leben geben. Irgendwo muss also ein Volk siedeln, welches genauso aussieht wie die Menschen von der Erde. Wobei mir da nur eine Rasse / eine Gattung einfällt: Timelords. (oder Raxacoricofallapatorianer. Aber die müssten einen Reißverschluss auf der Stirn haben, also eher unwahrscheinlich.)
Ich brauchte zwei drei Minuten um außerirdisches Leben auf der Erde zu beweisen. Die NASA ist heute noch auf der Suche. Manches befindet sich einfach direkt vor der Nase.

Nun gut, jetzt mal Butter bei die Fische. Was ist Homophobie?
Zunächst einmal muss eine Phobie keine Angststörung sein. Sozialwissenschaftlich und umgangssprachlich kann es auch eine Abneigung bzw. eine Aversion gegen bestimmte Menschen, Handlungen, Dingen oder Situationen und Erinnerungen sein. In diesem Fall würde eine Aversion gegen bestimmte Menschen passen. Homo ist hier nämlich nicht die lat. Übersetzung für Mensch, sondern gemeint ist die Homosexualität. Homophobie bezeichnet also eine Aversion, eine Abneigung gegen Schwule und Lesben.
Homophones Verhalten steht dabei in engem Zusammenhang zur Transphobie, da viele Homosexualität mit der Abweichung geschlechtstypischer Verhaltens- und Ausdrucksweisen zu erkennen glauben.
Wer Schwule und Lesben kennt, der weiß, dass das so leicht nicht möglich ist. Man kann nicht einfach so durch die Straßen ziehen und sagen: " Der ist schwul. Und der ist Schwul. Und dahinten steht ne Lesbe..." Denn bevor man sieht, dass jemand schwul, lesbisch oder trans ist, hat man sich selbst entschieden diesen Weg zu gehen. Man hat selbst für sich entschieden, dass man sich nicht mehr vor anderen verstecken möchte. Man hat selbst entschieden, dass man zu sich selbst stehen möchte und dies auch öffentlich kund tun will. Und wenn die Verwandlung bei Trans-Menschen beendet ist, erkennt man auch nicht mehr, dass sie früher einmal ein anderes Geschlecht hatten.

Homophobie oder besser gesagt homophobes Verhalten kann also auch die falschen Leute treffen. Schwule zeichnet eben nicht aus, dass sie besonders gut auf ihr Äußeres wert legen oder mit einer Handtasche durch die Gegend ziehen oder sich schminken. Ebenso zeichnen sich Lesben dadurch aus, dass besonders muskulös und durchtrainiert sind oder sich gerne prügeln. Schwul oder lesbisch zu sein bedeutet nicht mehr als dass man auf das gleiche Geschlecht steht und sich in dieses verliebt.
Wer nun also in der nächsten Zeit plant angebliche Schwule, Lesben oder Trans-Menschen niederzuschlagen, der sollte sich vorher drei Dinge überlegen.

  1. Ist die Person die ich verprügeln will überhaupt homo- oder transsexuell?
  2. Was hat diese Person mir eigentlich angetan?
  3. Warum verprügele ich Menschen, die sich lieben?